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Ultimatum von Allofs: Kruse benötigt "jetzt dringend unsere Hilfe"

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Wolfsburgs Manager Klaus Allofs. 

Wolfsburg - Max Kruse fehlte am Dienstag im Teamtraining des VfL Wolfsburg. Nach dem Rausschmiss aus der Nationalmannschaft wollte der Club seinen in die Schlagzeilen geratenen Profi schützen. Die Zukunft aber ist offen.

Max Kruse hat sich in die größte Krise seiner Karriere manövriert - und dem VfL Wolfsburg ein kaum lösbares Dilemma beschert. Nach der Suspendierung vom Nationalteam ist auch Kruses Zukunft beim Fußball-Bundesligisten ungewiss. Der Club schirmte seinen Problem-Profi nach andauernden Negativ-Schlagzeilen über sein Privatleben am Dienstag ab, die Kommentare zu Kruses Zukunft fielen eher vorsichtig aus. VfL-Geschäftsführer Klaus Allofs forderte am Abend für eine weitere Unterstützung „eine sofortige Veränderung seiner Lebensweise“.

Kruse trainierte nicht mit dem Rest des Teams - als Schutzmaßnahme. „Wir sehen ja, was hier heute los ist. Das muss er nicht durchmachen“, sagte VfL-Coach Dieter Hecking nach der von ungewöhnlich vielen Medien-Vertretern beäugten Einheit. „Wir haben bei der Aufarbeitung der aktuellen Entwicklung den Eindruck gewonnen, dass Max Kruse jetzt dringend unsere Hilfe benötigt“, sagte Allofs später.

Ansonsten blieben Wolfsburgs Verantwortlichen vage. Auf die Frage, ob Kruse den Verein verlassen müsse, sagte Hecking: „Davon gehe ich im Moment nicht aus.“ Am Mittwoch soll der 28-Jährige wieder normal mit dem Team trainieren. „Alles andere werden wir weiter intern besprechen“, erklärte Hecking.

Auch Allofs alles andere als glücklich über die jüngsten Entwicklungen

Ungefähr zeitgleich äußerte sich Nationalmannschafts-Manager Oliver Bierhoff in Berlin zu den neuesten Details aus Kruses Privatleben. „Es kommen allerlei Geschichten, Diskussionen und Themen nochmal zu Tage. Grundsätzlich ist es jetzt nicht verwerflich, wenn einer ein Video macht“, meinte Bierhoff mit Blick auf Gerüchte über ein seit Montagabend im Internet kursierendes privates Video von Kruse.

„Offenbar holen ihn derzeit Vorkommnisse und Probleme - auch aus seiner Vergangenheit - ein, die weder er noch wir steuern könnnen“, sagte Allofs dazu: „Da er gegen das Geschehene juristisch vorgeht, darf er sich nicht öffentlich äußern.“

Anlass für die Verbannung aus dem DFB-Team war, dass der Stürmer seinen 28. Geburtstag am Samstagabend in einem Berliner Club gefeiert hatte. Wie Kruse in der „Bild“-Zeitung erklärte, sei er auf der Feier mehrfach ungefragt fotografiert worden. Danach habe er einer Frau, die sich als Journalistin entpuppte, das Handy weggenommen und die Fotos gelöscht, so die Zeitung.

Auch Allofs ist alles andere als glücklich über die jüngsten Entwicklungen, in Wolfsburg sind ihm aber in gewisser Weise die Hände gebunden. Denn der niedersächsische Champions-League-Viertelfinalist steckt in vielerlei Hinsicht in einem Dilemma. So sehr die Schlagzeilen über Kruses Privatleben die Clubführung auch nerven - ein Rausschmiss des Profis verbietet sich im Prinzip.

"Grundverschiedene Arbeitssituation"

„Bei uns ist er Angestellter mit einem Arbeitsvertrag über mehrere Jahre und zum Nationalteam wird man berufen“, sagte Allofs: „Das ist eine grundverschiedene Arbeitssituation.“ Ein Rausschmiss aus der DFB-Auswahl ist juristisch problemlos umzusetzen.

Hinzu kommt der sportliche und finanzielle Wert des Profis. Als Fußballer ist Kruse beim Nationalteam aktuell verzichtbar, in Wolfsburg aber nicht. Beim VfL ist er mit je sechs Toren und Vorlagen der Top-Scorer. Ein Rauswurf käme zudem blanker Geldvernichtung gleich. Angesichts der aktuellen Krise beim Mutterkonzern könnte auch Volkswagen solche Schlagzeilen gar nicht gebrauchen. Andererseits: Negativ-PR durch einen Top-Mitarbeiter seiner hundertprozentigen Fußball-Tochter noch weniger. Allofs betonte, dass die aktuellen Schlagzeilen „weder der VfL Wolfsburg noch unser Eigentümer toll findet“. Der Autobauer selber wollte sich am Dienstag zum Thema nicht äußern.

Allofs erinnert an Fürsorgepflicht des VfL

Im Fall von Jonathan Akpoborie im Jahr 2001 kannte VW überhaupt kein Pardon. Der nigerianische Stürmer wurde damals wegen permanenter Negativ-Schlagzeilen um die nie vollständig aufgeklärte Affäre um ein sogenanntes Sklaven-Schiff vor die Tür gesetzt. Akpoborie war Mit-Eigentümer des Schiffes.

Nach der aktuellen Häufung von Veröffentlichungen aus Kruses Privatleben erinnert Allofs nun auch an die Fürsorgepflicht des VfL als Arbeitgeber.

Mit der Nationalmannschafts-Karriere scheint es aber vorbei zu sein. Kruses Chancen auf eine EM-Teilnahme tendieren gegen Null, auch wenn Bierhoff den Spieler nicht verdammen wollte: „Deshalb muss man jetzt nicht den Stab über ihn brechen. Aber es war nicht das Verhalten, das für einen Nationalspieler, der sich auf die EM vorbereitet, richtig war.“ Bierhoff sprach von „einer Ansammlung von Punkten“, auf die Bundestrainer Joachim Löw nun reagiert habe.

dpa

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