Premier League lässt Muskeln spielen

Englands Angriff auf Bundesliga: Droht Ausverkauf?

Roberto Firmino, Bastian Schweinsteiger
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Statt mit Hoffenheim und Bayern treffen Roberto Firmino (l.) und Bastian Schweinsteiger (r.) künftig mit Liverpool und Manchester United aufeinander.

Köln - In der Bundesliga geht die Angst vor dem Ausverkauf um. Die finanzstarke englische Premier League bläst zum Großangriff auf die Spieler aus Deutschlands Eliteklasse.

Roberto Firmino für 41 Millionen Euro nach Liverpool, Bastian Schweinsteiger für 21 Millionen zu Manchester United, und Shinji Okazaki für 11 Millionen zu Leicester City: Die Fußball-Bundesliga zittert vor der Finanzmacht der Premier League und verliert zahlreiche prominente Spieler. Durch den milliardenschweren neuen TV-Vertrag stemmen inzwischen selbst englische Mittelklasse-Klubs enorme Transfersummen und Gehälter. Bereits neun Spieler wechselten in diesem Sommer aus Deutschland auf die Insel. Doch die aktuelle Transfer-Offensive könnte erst der Anfang sein.

Neben den absoluten Top-Transfers von Schweinsteiger und Firmino sind es vor allem die hohen Summen für vermeintliche Durchschnitts-Spieler, die den Bundesligisten Sorgen bereiten. „Die neue Situation betrifft vor allem die Klubs aus der Mitte und dem unteren Bereich der Bundesliga. Die Klubs dort zahlen ihre Gehälter pro Woche, wir pro Monat - aber die Beträge sind die gleichen“, sagte der Mainzer Manager Christian Heidel der Tageszeitung Die Welt.

So wechselte Kevin Wimmer für rund sieben Millionen Euro vom 1. FC Köln zu Tottenham Hotspur, Joselu für rund acht Millionen zu Stoke City und Leicester City, der neue Klub von Okazaki, gehört auch nicht zur ersten Adresse des Fußballs. „Der Markt ist verrückt geworden. Die Engländer können drei- bis viermal mehr bezahlen“, sagte Gladbachs Trainer Lucien Favre im Interview mit der Rheinischen Post und Heidel stellte fest: „England ist unsere neue Konkurrenz“.

Dabei ist die aktuelle Wechselperiode womöglich noch ein laues Lüftchen vor dem drohenden Sturm. Denn der neue TV-Vertrag in England spült eigentlich erst ab der übernächsten Saison gut 3,2 Milliarden Euro jährlich in die Kassen der Klubs. Weil die Deutsche Fußball Liga (DFL) für die Saison 2016/17 mit vergleichsweise bescheidenen Einnahmen von 835 Millionen Euro plant, fürchtet man in Deutschland spätestens dann den endgültigen Insel-Exodus.

„Es ist unmöglich, mit den Engländern zu konkurrieren. Wenn sie wollen, können sie jeden Spieler kaufen“, klagte Favre im Kicker-Interview. Ralf Ragnick, obwohl selbst beim großzügig alimentierten RB Leipzig in der Verantwortung, warnte sogar: „Es scheint hier vielen noch gar nicht bewusst zu sein, welche Konsequenzen das haben wird.“

Rangnick rechnet fest damit, „dass ab nächstem Sommer auf dem Transfermarkt, die wildesten Dinge passieren werden“. Wolle Deutschland die Lücke zum britischen Giganten schließen, müsse man deshalb neue Wege der Fernseh-Vermarktung entwickeln. Die kürzlich bekannt gewordenen Pläne der DFL zur Einführung von fünf Montagspielen in der Bundesliga dürften ganz nach dem Geschmack des schwäbischen „Fußball-Professors“ sein.

Einen anderen Ausweg sucht dagegen Heidel. „Die englischen Klubs haben Geld im Überfluss, also müssen wir es uns holen und versuchen, trotzdem wettbewerbsfähig zu bleiben“, erklärt der 52-Jährige. Geht es nach Heidel bildet sich die Bundesliga ihre Spieler auch in Zukunft einfach selbst aus. „Aus Shinji Okazaki wird jetzt ein neuer Rasenplatz“, sagt er: „Aus dem normalen Etat war das nicht machbar.“

SID

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