Profi-Kicker ohne Job

Der Capitano ist jetzt arbeitslos

Michael Ballack bei seinem Abschied in Leverkusen
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Nach seinem Abschied bei Bayer Leverkusen steht Michael Ballack vor einer ungewissen Zukunft. Noch hat der Ex-Capitano keinen neuen Verein gefunden.

Köln - Etliche Profis sind zum 1. Juli arbeitslos geworden und befinden sich auf der Suche nach einem neuen Arbeitgeber. Ohne neuen Klub ist auch Ex-Capitano Michael Ballack, der auf ein Engagement in der nordamerikanischen Profiliga MLS spekuliert.

Jetzt also auch ein Michael Ballack. Zu Monatsbeginn machte das Ende seines Vertrags bei Bundesligist Bayer Leverkusen den früheren Kapitän der Fußball-Nationalmannschaft zum derzeit wohl prominentesten Arbeitslosen der Republik. Neben Ballack haben aus den 18 Bundesliga-Klubs noch 33 weitere Spieler zum Stichtag 1. Juli keinen neuen Arbeitgeber finden können und machen dadurch die bittere Erfahrung, dass die Jobsuche auch im Traumberuf Fußball-Profi zur rauen Lebenswirklichkeit gehört.

Doch anders als für hochbezahlte Stars wie den ausgemusterten „Capitano“ oder die EM-Teilnehmer Sebastian Boenisch (Polen), Markus Rosenberg (Schweden/beide bislang Werder Bremen), Danijel Pranjic (Kroatien/Bayern München) und Khalid Boulahrouz (Niederlande/VfB Stuttgart) ist der vertragslose Zustand für viele andere Berufskicker aus tieferen Klassen mitunter existenzbedrohend. „Es gibt fast jedes Jahr auch tragische Fälle“, berichtet Geschäftsführer Ulf Baranowsky von der deutschen Spielergewerkschaft VDV im Gespräch mit dem Sport-Informations-Dienst (SID) über seine Erfahrungen.

Zuweilen, so der Ex-Profi weiter, würden sich betroffene Spieler zur Aufstockung des verglichen mit Profi-Gehältern bescheidenen Arbeitslosengeldes von bis zu 2300 Euro auf Minijob-Basis bei Vereinen aus unteren Klassen verdingen. „Wir raten davon ab, weil solche Konstellationen auch schnell die Schwelle zur Illegalität überschreiten. Auch vor Abenteuern zum Beispiel in Irans zweiter Liga warnen wir“, sagt Baranowsky. Seine VDV unterstützt die noch nicht an Vereine vermittelten Spieler mit einem mehrmonatigen Trainingscamp. Unter der Leitung der früheren Torwart-Ikone Ralf Zumdick können sich arbeitslose Profis von Juli bis September auch mit mehreren Testspielen fit- und damit ihre Chancen auf einen Vertrag erhalten.

Darüber hinaus bietet die VDV in dem Camp auch Unterstützung für den mentalen Umgang mit der neuen Situation und bei der Entwicklung von Perspektiven abseits des Fußballs an. Denn wenn der Matchplan gegen einen Lebensplan eingetauscht werden muss, besitzen viele Berufsfußballer nur schlechte Karten. „Leider haben drei von vier Profis keine abrufbare berufliche Qualifikation. Wenn sie nach mehreren Jahren im Fußball neuen Aufgaben nachgehen müssen, zählen aber auch ihre früheren Ausbildungen nichts mehr“, sagt Baranowsky: „Deswegen ist eine sorgfältige Planung der Laufbahn und der Zeit danach von großer Bedeutung. Darauf bereiten wir inzwischen schon U15- und U16-Spieler bei den großen Vereinen vor. Ohne einen Plan geraten die Spieler unter Druck und schlimmstenfalls in eine Negativspirale."

Die bizarren Rituale der Fußballstars

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Anders als auf dem "normalen" Arbeitsmarkt, auf dem durch Konjunktur- und Wachstumsprogramme oder die Entstehung neuer Branchen Stellen verfügbar werden, wird das begrenzte Arbeitsplatzangebot im Fußball von der Nachfrage durch jährlich Hunderte von nachrückenden Talenten stets übertroffen. So wäre in den VDV-Camps die Atmosphäre zu Beginn auch immer recht gut, „weil bei allen viel Hoffnung besteht“. Wenn sich die Hoffnungen auf einen Vertrag bis zum Ende der ersten Transferperiode im August oder wenigstens „im Nachsitzen“ bis zum September nicht erfüllt haben, „kippt die Stimmung spürbar“.

Generell kritische Zeitpunkte in einer Fußballer-Karriere seien besonders der Übergang aus dem U23-Bereich und die natürliche Endphase einer Profi-Laufbahn mit Mitte 30. „Mit 24 müssen viele erkennen, dass es eben doch nicht ganz reicht und sie bislang von vorgeschriebenen Quoten für Nachwuchsspieler getragen worden sind“, erzählt Baranowsky. Im höheren Profi-Alter wäre für viele außerdem „schwer zu akzeptieren, dass der Körper einfach nicht mehr so kann, wie man selbst noch will“. Solche Situationen seien oft der richtige Zeitpunkt für eine Zäsur. Baranowsky: „Dann sollte man einen Schnitt machen, sich auf Aus- oder Weiterbildung kümmern. Wenn man im Fußball bleiben möchte, ist ja auch zunächst der B-Schein eine Möglichkeit.“

Ob Michael Ballack angesichts seiner offenbar nur zäh vorankommenden USA-Pläne auch schon darüber nachdenkt?

SID

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