Luhukay veröffentlicht BVB-Gebrauchsanleitung

Jos Luhukay freut sich über den Punkt gegen den BVB

Augsburg - Am Wochenende hat Jos Luhukay, Trainer des FC Augsburg, eine Gebrauchsanleitung für den Deutschen Meister Borussia Dortmund veröffentlicht. Jürgen Klopp ist irritiert.

Wichtig war: bloß nicht zeigen, dass einen der Abend beeindruckt hatte, dass man sich ein wenig angeschlagen fühlte. Also haben sich die Dortmunder generös gegeben, viel gelächelt. Trainer Jürgen Klopp verteilte kumpelmäßige Grußhände an die eigenen Leute, die Gegner und alle, die ihm im Bauch der Augsburger SGL Arena begegneten, Kapitän Sebastian Kehl proklamierte: „Mit einem Punkt muss man auch mal leben“ (Motto: Wir haben schon so viele), „wir werden nicht an uns zweifeln, wir werden keinen anderen Weg einschlagen, wir haben weiter eine tolle Serie“. 19 Mal ungeschlagen. Auch gut: „Hinten ist die Null weiter gestanden“, so Kehl.

So tapfer kämpfte der FCA gegen Tabellenführer Borussia Dortmund

Aber: Das 0:0 in Augsburg war nach acht Dreiern der erste Nicht-Sieg der Rückrunde für den BVB, und wenn man als Tabellenführer zum Sechzehnten fährt, der noch dazu ganz neu ist in der Bundesliga, dann stellt sich so ein schnödes Unentschieden als Enttäuschung dar aus Sicht des Meisters. Die vor allem in München registriert wurde. Aus sieben Punkten Rückstand wurden für den FC Bayern fünf. Was natürlich zur Frage führt, ob sich die Münchner für diese Schützenhilfe dem kleinen Nachbarn gegenüber erkenntlich zeigen würden.

Sie bringen die Würze: Reizfiguren des Fußballs

FCA-Manager Andreas Rettig hatte am Montagabend beim Sechziger-Spiel in der Allianz Arena Bayern-Co-Trainer Peter Hermann getroffen, sie kennen sich aus gemeinsamer Leverkusener Zeit, und Rettig berichtete: „Peter Hermann hat eine Extraprämie ausgelobt, er ist ein Ehrenmann und wird das einlösen. Ich bin gespannt, was in dem Lkw, der aus München vorfährt, drin sein wird.“ Das ist der Punkt, an dem der Uli-Hoeneß-Witz Pflicht wird. Rettig: „Wir haben viele Familienväter und viele hungrige Mäuler zu stopfen. Man weiß, dass Herr Hoeneß auch in einem anderen Beruf Geld verdient hat, da kann man erraten, was in dem Lkw drin sein soll.“ Bratwürste für Augsburg!

Der FC Augsburg hat nicht nur den titelambitionierten Bayern Hoffnung beschert, sondern vor allem sich selbst (man kletterte wieder auf einen Nichtabstiegsplatz) und ein bisschen auch anderen Teams, die noch auf Dortmund treffen. Es gibt eine Gebrauchsanweisung, die man anwenden kann gegen Borussia. Geschrieben von FCA-Trainer Jos Luhukay. Manager Rettig wollte sich nicht hinreißen lassen, in Superlativen zu schwelgen, sah aber „eine taktische Meisterleistung“, dazu seitens der Mannschaft eine „kämpferische Meisterleistung“ und musste einräumen: „Jetzt sind wir doch bei Superlativen.“

„Mit Manndeckung, teils über den ganzen Platz"

Luhukays Methode: Er stellte eine Doppel-Zehn (Daniel Baier, Torsten Oehrl) gegen Dortmunds Doppel-Sechs (Sebastian Kehl, Sven Bender). Oehrl erklärte: „Damit die Dortmunder nicht in den Spielaufbau und ins Rollen kommen, war es nötig, sie früh zu attackieren. Dieser Schachzug ist uns gelungen.“ Augsburg bot nur einen Sechser auf, Hajime Hosogai, und der verbiss sich in das Duell mit seinem berühmteren Kollegen aus der japanischen Nationalmannschaft, Shinji Kagawa. „Augsburg hat extrem leidenschaftlich verteidigt“, bilanzierte Jürgen Klopp, „mit Manndeckung, teils über den ganzen Platz, das war außergewöhnlich, das hat man in der Bundesliga nicht oft“. Das durften die Augsburger als Kritik an ihrer Spielweise auffassen. Manndeckung ist ein Schimpfwort der Moderne. Luhukay versteht, „dass es altmodisch ist, aber wir müssen das Maximale erzielen mit unseren Mitteln“.

Schon zwei Wochen vorher hatte er Herthas Spielmacher Raffael manndecken lassen, „und Raffael hat nicht den Eindruck hinterlassen, als habe er große Lust am Spiel“. 3:0 gewann der FCA gegen Berlin, dieses Resultat wurde zum Bestandteil einer beeindruckenden Heimserie: sechsmal nicht verloren, dabei Wolfsburg und Mönchengladbach besiegt (noch in der Hinrunde), nur von Kaiserslautern (1:1) ein Gegentor bekommen.

Die Lage bleibt dennoch prekär, „denn auch Freiburg und Kaiserslautern, die anderen Teams, die den Kopf in der Schlinge haben, haben 0:0 gespielt“, so Rettig. Nicht so eng geht es an der Spitze zu. Die betont fröhlichen Dortmunder interpretieren ihr 0:0 nicht als Misserfolg. „Auswärts in Augsburg, das war eine schwerere Aufgabe als zuhause Hoffenheim zu vermöbeln“, sagte Abwehrass Mats Hummels in Anspielung aufs 7:1 der Bayern. Das werde die kommenden Spieltage „immer so sein: Die eine Mannschaft holt auf, die andere gibt Punkte ab. Nächstes Mal kann es umgekehrt laufen."

Günter Klein

Kommentare

SSVAntwort
(7)(0)

....kurze Frage, weil´s mir entfallen ist: wie hat 60 am Wochenende nochmal gespielt...??

loewenhund
(0)(0)

was gibt es da zu erklären das hat jeder gesehen das war mauerfussball von der ganzen mannschaft und sonst nichts da muß sich das trainerlein jetzt nicht aufspielen das hätte auch ein c klassentrainer machen können

Moby
(12)(0)

" Manndeckung ist ein Schimpfwort der Moderne. Luhukay versteht, „dass es altmodisch ist, aber wir müssen das Maximale erzielen mit unseren Mitteln “.

altmodisch hin oder her, lieber altmodisch 1 Punkt gewinnen wie neuzeitlich 3 Punkte verlieren.
Die haben sich was überlegt und dann konsequent umgesetzt, wie man sieht erfolgreich, das könnte doch noch spannend werden wenn das ein paar andere Mannschaften nachmachen.

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