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Public Viewings: Deutsche Fans bangen im Dunkeln

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Beim Public Viewing im Stadion an der alten Försterei in Berlin schützten die Fans sich und ihre Sofas mit Planen vor dem Regen.

Berlin - Zittern und Jubeln geht auch im Dunkeln - und ein Regenschauer kann einen Fußball-Enthusiasten nicht abschrecken. Zu später Stunde feierten sie erleichtert den Sieg.

Gemeinsames Bangen und Jubeln zu mitternächtlicher Stunde: Beim WM-Achtelfinale gegen Algerien haben deutschlandweit trotz spätabendlicher Anstoßzeit Zehntausende Fußballfans beim Public Viewing die DFB-Elf unterstützt. Unter anderem auf dem Heiligengeistfeld in Hamburg und der Berliner Fanmeile litten die Menschen mit dem deutschen Team - bis zum erlösenden 1:0 in der Verlängerung und dem Abpfiff nach dem 2:1-Sieg. In Frankfurt/Main waren 10.000 Fans in die Commerzbank-Arena gekommen, wie der Veranstalter mitteilte.

Ein Regenschauer kurz vor dem Anpfiff um 22.00 Uhr konnte die Stimmung am Brandenburger Tor nicht trüben: Allein zum größten Fanfest in Deutschland kamen einige zehntausend Fußballbegeisterte. Die deutschen Nationalfarben waren allgegenwärtig - auf Flaggen, in Gesichtern und auf diversen Fanartikeln. Dennoch: Wie begossene Pudel verfolgten die schwarz-rot-golden geschmückten Anhänger die erste Hälfte des Duells gegen den starken Außenseiter.

Immer wieder ging nach algerischen Torchancen und deutschen Fehlpässen ein Raunen des Entsetzens durch die Menge. Vereinzelt angestimmte Fangesänge verstummten sofort. Hängende Köpfe, wütendes Schimpfen und frustriertes Gestikulieren bestimmten auch in der zweiten Halbzeit das Geschehen auf der Straße des 17. Juni. Umso befreiter schrien die Fans wie mit einer Stimme „Ja!“, als André Schürrle Deutschland in Führung schoss.

Der 30.000 Quadratmeter große Abschnitt bietet nach Angaben der Veranstalter bis zu 100.000 Menschen Platz. „Das Flair ist einmalig“, schwärmten die 64- und 65-jährigen Berliner Klaus und Martin. Im Berliner Stadion „An der Alten Försterei“, wo zahlreiche Sofas in der Arena von Zweitligist 1. FC Union für Wohnzimmeratmosphäre sorgen, schützten sich die Besucher mit großen gelben Planen vor dem Regen.

Rund 25.000 Menschen schauten bei wolkenlosem Himmel und kühlen Temperaturen in der Hamburger Fan-Arena gemeinsam das WM-Spiel. Zeitweise riefen die jubelnden Deutschland-Fans im Chor: „Auf geht's, schießt ein Tor!“ Eine Gruppe Algerier sorgte mit Trommeln und lauten Rufen für Stimmung. Rund 6000 Fans waren trotz Regens und Kälte zum Public Viewing ins Münchner Olympiastadion gekommen. An dem historischen Ort, an dem das deutsche Team 1974 die WM-Trophäe gewann, hatten bei den drei Spielen der Gruppenphase allerdings bis zu 18.000 Menschen mit der Nationalelf gefiebert.

Die späte Anstoßzeit sorgte auch im osthessischen Fulda für weniger Andrang beim Public Viewing. Nur wenige Hundert Fans kamen auf den Innenhof des Vonderau-Museums, wie die Polizei mitteilte. Bisher verfolgten etwas mehr als 2000 Zuschauer jedes Spiel von Joachim Löws Schützlingen dort auf der Großbildleinwand. Das Gute für die Rudelgucker: Sie mussten diesmal beim Einlass nicht so lange warten. Die Besucher nutzen das Event auch, um ihre Fan-Accessoires zu zeigen: Die Frauen schminkten sich in Deutschland-Farben, trugen Blumenketten um den Hals. Manch ein männlicher Zuschauer trug eine schwarz-rot-goldene Perücke.

Ein bisschen Copacabana gab es in der niedersächsischen Landesvertretung in Berlin, die am Montag ihr Sommerfest feierte. „Das Spiel war über weite Strecken quälend“, resümierte Ministerpräsident Stephan Weil (SPD). Letztlich zähle aber nur das Ergebnis. Auf der Gästeliste standen unter anderem Ex-Bundespräsident Christian Wulff, Altkanzler Gerhard Schröder, die Ministerinnen Johanna Wanka (CDU/Bildung) und Barbara Hendricks (Umwelt/SPD) sowie Wirtschaftsminister Sigmar Gabriel (SPD). Für Fußballfans wurde das Spiel auf zwei Großleinwänden übertragen.

So zitterten und feierten die Fans den WM-Achtelfinal-Sieg

WM-Achtelfinale: So zitterten die Fans - Bilder

Außenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) sah sich die Partie gemeinsam mit dem algerischen Botschafter Nor-Eddine Aouam im Berliner Postbahnhof an. Im brasilianischen Porto Alegre war Bundesinnenminister Thomas de Maizière (CDU) ins Deutschland-Trikot geschlüpft, wie der Deutsche Fußball-Bund (DFB) über den Kurznachrichtendienst Twitter verbreitete.

WM-Party auch in Rio: Zwei Tore, zwei Freibier

Mit ohrenbetäubendem Jubel und großer Erleichterung feierten Hunderte deutscher Fans an Rios Copacabana den Einzug der DFB-Elf ins WM-Viertelfinale. Am deutschen Fan-Treff „TOR!“ an Rios Strand von Leme konnten sich die über 400 Besucher über zwei Freibiere freuen - bei jedem deutschen Tor gab's ein Bier umsonst.

Die Fans mussten lange zittern bis zum ersten Tor, das erst in der 92. Minute durch André Schürrle fiel. Bis dahin war es ein Hoffen und Bangen. Das Gegentor ging fast im Freudenjubel unter. Viele waren in Nationaltrikots und mit Fahnen, Tröten und Girlanden in Schwarz-Rot-Gold angerückt, um das Team von Joachim Löw am Bildschirm anzufeuern. Einige kamen in Dirndl und Lederhosen.

Die große Party steigt nun am Zuckerhut am Freitag, wenn die Nationalelf im Maracanã-Stadion im Spiel gegen Frankreich einen Vorgeschmack auf die Finalstimmung bekommt. Dort wird am 13. Juli das Endspiel ausgetragen. In Porto Alegre, dem „Fröhlichen Hafen“, waren über 10 000 deutsche Fans, die den Sieg feierten. Viele von ihnen dürften sich nun auf den Weg zum Zuckerhut machen.

dpa

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