Routiniers führen DFB-Team an

Schweinsteiger und Podolski bei EM auf Rekordjagd

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Zwei ganz Große des deutschen Fußballs: Bastian Schweinsteiger (l.) und Lukas Podolski tragen seit 2004 den DFB-Adler auf der Brust.

Ascona - Seit zwölf Jahren gehören Bastian Schweinsteiger und Lukas Podolski zum Stamm der Nationalelf. Jetzt können sie mehr als den EM-Titel angreifen.

Es passierte am 6. Juni 2004 auf dem Betzenberg in Kaiserslautern. Deutschland spielte gegen die von Lothar Matthäus (55) trainierten Ungarn und lag zur Pause 0:2 zurück. Nationaltrainer Rudi Völler (56) wechselte nach der Halbzeit zunächst Bastian Schweinsteiger (31) für Andreas Hinkel (34) ein, in der 73. Minute betrat Lukas Podolski (30) für Fredi Bobic (44) den Platz. Der Beginn zweier Rekord-Karrieren.

Am Samstag, 4381 Tage später, tritt Deutschland in Gelsenkirchen erneut gegen Ungarn an. Podolski feiert an dem Tag seinen 31. Geburtstag. Er und Schweinsteiger sind immer noch im Team. Sie steuern auf ihr insgesamt siebtes großes Turnier zu. Mehr noch: Kommen beide in Frankreich zum Einsatz, fällt eine EM-Bestmarke. Der einzige deutsche Fußballer, der bisher bei vier Europameisterschaften zum Einsatz kam, war eben jener Lothar Matthäus. Nur benötigte der dafür von 1980 bis 2000 insgesamt 20 Jahre.

Podolski (l.) und Schweinsteiger 2004.

Aus den jungen und unbekümmerten Schweini und Poldi sind inzwischen zwei gestandene Weltmeister geworden. Der ehemals blonde Basti ist zum grauen Wolf mutiert. Aus dem früher unbedarft dahersprechenden Poldi ein erfahrener Profi, der in wenigen Tagen zum zweiten Mal Vater wird. Joachim Löw (56) hat die komplette Nationalmannschafts-Karriere der beiden begleitet und weiß, was er an ihnen hat. Auch wenn Schweinsteiger nach seinen Verletzungen um Anschluss kämpft und Podolski von vielen durch seine Vereinswechsel als gescheitert angesehen wird, ist das Duo eine feste Größe im DFB-Team.

Podolski: "Macht mich schon stolz"

Zwölf Jahre Seite an Seite in der Nationalmannschaft. "Wahnsinn, das macht mich schon stolz", sagte Podolski gestern auf tz-Nachfrage. "Ich genieße jeden Moment, bin topfit und habe ein klares Ziel: Ich will Europameister werden." Doch bei einem Thema verschwindet auch bei ihm das Dauerlächeln aus dem Gesicht. "Dass mich einige nur noch als Maskottchen der Nationalmannschaft bezeichnen, das ist eine Unverschämtheit, das habe ich nicht verdient. Ich bin bestimmt nicht als Maskottchen hierhergekommen. Das ist respektlos."

Er habe über 100 Länderspiele, viele Turniere absolviert. "Ich habe schon eine wichtige Rolle im Team. Der Bundestrainer weiß, was er an mir hat." Während viele Experten die Nominierung des 30-Jährigen anzweifeln, steht Joachim Löw zu Prinz Poldi. Der sagt: "Ich genieße jeden Moment und werde immer alles geben: ob auf dem Platz, neben dem Platz oder in der Pressekonferenz." Ähnlich definiert Schweinsteiger seine Rolle. "Das Wort aufgeben gibt es für mich nicht. Ich hatte schon viele schwierige Situationen in meiner Karriere und konnte der Mannschaft am Ende doch immer helfen. Daraus ziehe ich meinen Optimismus." Sollte der Kapitän in Frankreich zu zwei Einsätzen kommen, wäre er neuer DFB-EM-Rekordspieler und würde an Philipp Lahm vorbeiziehen.

Während beide zu Beginn ihrer DFB-Karriere als Sinnbild des Aufbruchs nach der Rumpelfuß-Ära galten, kämpfen sie nun um den Anschluss. Aber vier EMs würde ihnen so schnell keiner mehr nehmen.

ms

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