Er fühlt sich ungerecht behandelt

Sperre aufgehoben - aber Beckenbauer schmollt

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Franz Beckenbauer will trotz Aufhebung der Sperre nicht nach Brasilien reisen.

Rio de Janeiro - Die Sperre gegen Franz Beckenbauer durch den Weltverband FIFA ist am Freitag aufgehoben worden. Aber der 68-Jährige fühlt sich nach wie vor ungerecht behandelt.

Die Sperre ist aufgehoben, aber der „Kaiser“ schmollt und zeigt der Fußball-WM in Brasilien die kalte Schulter: Die vom Weltverband FIFA am 13. Juni verhängte Sanktion für 90 Tage wurde am Freitag zwar ausgesetzt, aber der Stachel der Enttäuschung bei Franz Beckenbauer sitzt offenbar so tief, dass der 68-Jährige auf eine Reise ins Land des Rekord-Weltmeisters verzichten wird. Dies gab die Agentur seines Beraters Marcus Höfl bekannt.

Beckenbauer, seit Jahrzehnten als Spieler, Trainer, Funktionär oder VIP Stammgast bei WM-Endrunden, wollte eigentlich ab dem Halbfinale zur Weltmeisterschaft reisen. „Ich habe die Angelegenheit unterschätzt, was vor allem daran lag, dass mir solche umfangreichen administrativen Dinge für gewöhnlich von meinem Management abgenommen werden, das ich in diesem Fall aber nur in eingeschränktem Umfang einbeziehen durfte“, sagte Beckenbauer in der Pressemitteilung.

Deutschlands Fußball-Lichtgestalt war in seiner Eigenschaft als Mitglied der FIFA-Exekutive bei der Vergabe der WM-Endrunden 2018 an Russland und 2022 von FIFA-Ermittler Michael Garcia (USA) befragt worden. Die Beckenbauer-Agentur gesteht in diesem Zusammenhang Fehler ein: „Es wäre aus heutiger Sicht im Sinne der Sache besser gewesen, wenn Franz Beckenbauer die Fragen der Ethik-Kommission frühzeitiger beantwortet hätte.“

Erst nach der ausgesprochenen Sperre war Beckenbauer der Beantwortung des Fragenkatalogs des unabhängigen Ethik-Komitees nachgekommen. Zunächst hatte er erklärt, dass ihm die Fragen mit diffizilem juristischen Inhalt zunächst nur auf Englisch zugestellt worden seien. Dies hatte die FIFA allerdings prompt dementiert und erklärt, die Fragen seien auf Deutsch und Englisch an den Fußball-Weltstar gegangen.

Beckenbauer hatte im Zusammenhang mit Bestechungsvorwürfen bei der Vergabe der WM-Endrunde 2022 an Katar Fragen der FIFA-Ethikkommission zunächst nicht beantwortet und war daraufhin für 90 Tage provisorisch für sämtliche Aktivitäten im Fußball gesperrt worden. Am 18. Juni hatte Beckenbauer schließlich die Fragen Garcias beantwortet.

Schon zu diesem Zeitpunkt hatte seine Management seine Zuversicht zum Ausdruck gebracht, dass die Sperre gegen Beckenbauer zeitnah aufgehoben werde. Am 27. Juni war es dann soweit.

Aber die Sperre der FIFA, die dem Kapitän der deutschen Weltmeistermannschaft von 1974 und Teamchef der Weltmeister von 1990 sogar den Besuch jeglicher Fußballspiele untersagt hatte, hat bei Beckenbauer Spuren hinterlassen. Die Sperre, so sein Management, wird nach wie vor als „ungerechtfertigt“ betrachtet. Beckenbauer war „nach unserer Auffassung nicht zur Aussage gegenüber der FIFA verpflichtet“.

Der „Kaiser“ hatte unter anderem von DFB-Präsident Wolfgang Niersbach, aber auch vom DOSB-Chef Alfons Hörmann Zuspruch erfahren. Vor allem die Rolle von FIFA-Präsident Joseph S. Blatter in dieser Angelegenheit war von Hörmann infrage gestellt worden.

„Franz Beckenbauer ist seit vielen Jahren in FIFA-Gremien tätig, er hat von FIFA-Präsident Sepp Blatter zig Ehrungen erhalten. Deshalb darf Blatter als Präsident das Thema aus meiner Sicht nicht einfach laufen lassen, auch wenn die Ethikkommission zuständig ist“, hatte Hörmann der Sport Bild gesagt: „Er hätte eingreifen und Beckenbauer anrufen müssen: “Lieber Franz, sei dir bewusst, es kommt zu Konsequenzen, die unpopulär sind, wenn du die Fragen nicht beantwortest'.„

Die Absage der Reise zur WM erfolgte laut offizieller Darstellung durch das Management in Abstimmung mit den Partnern. Weitere Erklärungen würden `momentan“ nicht erfolgen, „da mit Aufhebung der provisorischen Sperre die finale Klärung des Sachverhaltes noch nicht abgeschlossen ist“. Dies deutet darauf hin, dass noch ein Nachspiel droht.

sid

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