FIFA-Wahl

Blatter muss niemanden fürchten - Kandidiert Figo?

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Luis Figo beim Champions-League-Finale 2014 in Lissabon.

Frankfurt/Mai - Am Donnerstag endet die Bewerbungsfrist, doch der einzige Anwärter auf den FIFA-Chefposten mit Siegchancen ist Amtsinhaber Joseph S. Blatter - oder?

Viele wollen, wenige dürfen, keiner hat 'ne Chance: Der Wahlkampf um den wichtigsten Posten im Weltfußball ist eigentlich schon zu Ende, noch bevor er richtig begonnen hat. Auf dem Papier muss sich FIFA-Präsident Joseph S. Blatter nach dem Ende der Bewerbungsfrist am Donnerstag (24.00 Uhr) bei der Wahl am 29. Mai mindestens zwei Gegenkandidaten stellen - wirklich herausfordern können den bald 79 Jahre alten Schweizer aber weder der Niederländer Michael van Praag noch Prinz Ali bin Al Hussein aus Jordanien.

Auch der ehemalige Weltstar Luis Figo will Präsident des Fußball-Weltverbandes FIFA werden. Das sagte er in einem CNN-Interview. Demnach werde der 42-jährige Portugiese vor dem Ende der Bewerbungsfrist am Donnerstag (24.00) die fünf nötigen Empfehlungsschreiben vorlegen können, um Amtsinhaber Joseph S. Blatter am 29. Mai herausfordern zu dürfen. „Wir müssen das Image der FIFA ändern“, sagte der Weltfußballer von 2001, der unter anderem für die spanischen Topklubs FC Barcelona und Real Madrid aufgelaufen war: „Der Fußball verdient Besseres.“

Die Hausmacht Blatters („Lasst mich weitermachen, ich wurde von vielen Verbänden darum gebeten“) ist trotz der enormen Glaubwürdigkeitskrise wegen der WM-Vergaben an Russland 2018 und Katar 2022 ungebrochen. In Asien, Afrika, Südamerika, Mittelamerika, der Karibik und Ozeanien genießt der FIFA-Boss höchstes Ansehen, das er auch großzügigen Auszahlungen vom prall gefüllten Konto des Weltverbandes zu verdanken hat.

Der Großteil der 209 Mitgliedsverbände ist hochzufrieden, selbst die im ersten Wahlgang nötige Zweidrittel-Mehrheit ist nicht unwahrscheinlich (danach reicht die einfache Mehrheit). Die Opposition aus Europa und Nordamerika ist einfach zu schwach.

„Ich habe gehofft, dass sich aus Kreisen der UEFA noch weitere seriöse Kandidaten zur Wahl stellen, um bei der FIFA aufzuräumen und die Organisation zu normalisieren. Doch das ist leider nicht passiert“, sagte van Praag, Mitglied im Exekutivkomitee der Europäischen Fußball-Union (UEFA). Es klingt wie ein Eingeständnis: Keiner wollte, aber einer muss - echte Opposition sieht anders aus.

Der 67 Jahre alte Präsident des niederländischen Verbandes KNVB ist immerhin ein sicherer Kandidat, weil er am Stichtag die fünf nötigen Empfehlungsschreiben liefern wird. DFB-Präsident Wolfgang Niersbach (64) bestätigte das, er gab sogar an, die unterzeichnenden europäischen Verbände zu kennen.

„Er ist eine absolut integre Persönlichkeit mit einer hohen Glaubwürdigkeit“, sagte Niersbach: „Er sieht seine Aufgabe darin, vor allem das Image (der FIFA, d. Red.) wieder positiver zu gestalten und die Glaubwürdigkeit wiederherzustellen.“ Die Chancen des Niederländers kommentierte der DFB-Boss aber nicht. „Wir müssen bis Donnerstag abwarten - es ist nicht auszuschließen, dass es noch einen weiteren Kandidaten geben wird, dessen Name noch gar nicht gefallen ist“, sagte Niersbach. Die offizielle Liste will die FIFA am 7. oder 8. Februar veröffentlichen.

Bekannt ist die Kandidatur Prinz Alis, FIFA-Vize und Chef seines Heimatverbandes, der ebenfalls die fünf Unterstützer gefunden haben wird. Der 39-Jährige ist gut vernetzt, UEFA-Präsident Michel Platini gilt als guter Bekannter des Adligen. Er sei ein „seriös wirkender, ernsthafter Kandidat“, berichtete Niersbach nach einem gemeinsamen Abendessen in Genf.

Allerdings hatten die Bosse der asiatischen Konföderation AFC früh angedeutet, Amtsinhaber Blatter die Treue schwören zu wollen. Es geht um die eigene Machtsicherung, im Weltfußball wäscht eine Hand die andere. Der jordanische Prinz will Veränderungen, die vielen altgedienten Funktionären den Job kosten könnten.

Vom Neuanfang ohne Blatter, dafür mit Transparenz und Glaubwürdigkeit, spricht der Franzose Jerome Champagne seit über einem Jahr. Unermüdlich. Dennoch könnte der 56-Jährige an den neuen FIFA-Statuten scheitern - die fünf Unterschriften hatte er in der vergangenen Woche noch immer nicht zusammen. Trotz des enormen Wahlkampfes.

Auf den hatte der frühere Weltstar David Ginola (48) direkt verzichtet. Die Bemühungen des Franzosen scheinen eher ein PR-Gag des dafür bekannten Wettanbieters (Paddy Power). Blatter wird angesichts der Show müde gelächelt haben.

So bleibt von mindestens vier Bewerbern - der Spielerberater Mino Raiola zog sich wieder zurück - wohl nur die Hälfte in dem verlorenen Rennen. Das reicht höchstens, um Blatter noch ein wenig mit den Skandalen zu kitzeln. Vielleicht fordert bald auch der Europarat geschlossen die Neuvergabe der Endrunden in drei und sieben Jahren. Am Ende aber wird alles beim Alten bleiben. Bei Blatter.

SID/tz

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