Bobadillas Hertha-Trauma - Dardai nimmt 0:0 auf sich

Der Augsburger Raul Bobadilla (l) vergab eine große Chance. Foto: Annegret Hilse
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Der Augsburger Raul Bobadilla (l) vergab eine große Chance. Foto: Annegret Hilse

Oft hatte Augsburg-Stürmer Bobadilla in dieser Saison schon Grund zum Jubeln. Aus Berlin kehrt er als trauriger Held zurück. Sein Trainer aber ist zufrieden. Gleich mehrere positive Serien bestehen weiter. Hertha-Coach Dardai nimmt die Nullnummer auf seine Kappe.

Berlin (dpa) - Mit verbissenem Gesicht trabte Raul Bobadilla vom Rasen des Berliner Olympiastadions.

Der in dieser Saison treffsicherste Stürmer des FC Augsburg wusste genau: Hätte er zum Rückrunden-Auftakt der Fußball-Bundesliga seine Riesenchance in Berlin genutzt, wäre der Vereinsrekord mit vier Auswärtssiegen nacheinander höchstwahrscheinlich geknackt worden. In dieser Situation, so bemerkte Augsburg-Coach Markus Weinzierl ein wenig nachdenklich, "müssen wir das Spiel gewinnen".

Doch Bobadilla nutzte seine 100-Prozent-Möglichkeit nicht, als er kurz nach der Pause alleine auf das Hertha-Tor zusteuerte, den Ball aber nicht versenkte. Am Ende stand ein 0:0, mit dem beide Vereine leben können. "So ist das als Spieler. Du hast keine Hundert-Prozent-Quote. Sonst würde er nicht bei uns spielen", kommentierte Weinzierl die Schlüsselszene von Bobadilla im Spiel des Überraschungs-Dritter Hertha gegen die zuletzt wiedererstarkten Schwaben aus Augsburg. "Aber er hat gut gearbeitet", ergänzte der Trainer sofort.

"Ich denke, dass mehr drin war. Wir hatten durch Bobadilla eine Riesenchance", sagte auch Manager Stefan Reuter. So bleibt die Erkenntnis: Bobadilla und Hertha - das wird keine innige Beziehung mehr. Im Hinspiel zum Saisonstart hatte der Argentinier, der inzwischen für die Nationalmannschaft Paraguays spielt, schon am Ende der ersten Halbzeit Gelb-Rot gesehen und musste tatenlos von der Bank das 0:1 mit ansehen. Dieses Mal fehlte ihm das Glück, dass er vor allem in der Europa League in der aktuellen Saison so oft hatte.

Mit seinen sechs Treffern - keiner schaffte in Europas 2. Liga mehr - trug der bullige Angreifer wesentlich dazu bei, dass sich der FCA in seiner Europacup-Premierensaison am 18. und 25. Februar nun mit dem FC Liverpool und Power-Trainer Jürgen Klopp auseinandersetzen darf. Doch erst einmal ist noch Liga-Alltag angesagt für die Augsburger, die in der Tabelle mit 20 Punkten noch immer auch nach unten schauen müssen. Deshalb sagte Weinzierl auch: "Es war ein gelungener Start in die Rückrunde. Wir haben unsere Serie verteidigt."

Sechs Liga-Spiele haben die Augsburger nicht mehr verloren. In fünf davon kassierten sie keinen Gegentreffer. "Das stimmt mich optimistisch", betonte Weinzierl. Der Trainer sagte aber auch: "Du musst effektiv sein, um drei Punkte zu holen." Ein Auftrag für die kommenden Spiele vor allem auch für Bobadilla, der einst für schnelle Autos und manchmal auch zu schnelles Fahren bekannt war. Seit im Oktober des Vorjahres sein erster Sohn Noah Gabriel geboren wurde, zeigte er sich den Fans mehr als liebevoller Vater.

Dass Bobadilla seinen bisher drei Liga-Saisontoren vor 35 196 Fans in Berlin keins dazufügen konnte, versöhnte am Ende auch die Hertha. Seit 421 Pflichtspielminuten hat der Hauptstadtclub keinen Treffer mehr kassiert. Die Berliner haben jetzt fünf Pflichtspiele und vier Heimpartien nicht verloren. Mit 33 Punkten steht weiter Rang drei.

"Wir sind auch zufrieden mit dem 0:0", sagte Hertha-Trainer Pal Dardai, der mit vorzeitigen Palavern über Champions League oder Europa League nichts am Hut hat. Die verlorenen zwei Punkte nahm der Ungar auf seine Kappe: "Ich habe etwas Spritzigkeit und Aggressivität vermisst. Da muss ich in der nächsten Wochen anders arbeiten."

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