Dortmund ist Außenseiter

BVB gegen Ronaldo und Co. mit viel Mut

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BVB-Coach Jürgen Klopp auf der Pressekonferenz vor dem Abflug nach Madrid.

Dortmund - Als klarer Außenseiter geht Borussia Dortmund in die Viertelfinal-Begegnungen der Champions League gegen Real Madrid. Der deutsche Vizemeister hat sich dennoch viel vorgenommen.

Alle Jahre wieder gegen Real Madrid - doch diesmal ohne Rekordtorjäger Robert Lewandowski. Der Held des Halbfinals 2013 fehlte, als die Delegation von Borussia Dortmund am Dienstagmittag den Sonderflug TK 3333 in die spanische Hauptstadt antrat. Der Pole, der sich am Montag nach einer neuen Bleibe in München umsah, steht wegen einer Gelbsperre im Viertelfinal-Hinspiel am Mittwoch (20.45 Uhr/Sky und ZDF) im legendären Estadio Santiago Bernabeu nicht zur Verfügung.

Der Verlust wiegt schwer: 23-mal traf Lewandowski schon in den Pflichtspielen der laufenden Saison, sechsmal allein in der Königsklasse. Mit 18 Toren avancierte der 25-Jährige inzwischen zum erfolgreichsten Torschützen der BVB-Historie. Deshalb sagte Kapitän Sebastian Kehl in einem Interview im kicker: „Robert ist nicht zu ersetzen.“ Wenngleich der BVB in den bisherigen sechs Pflichtspielen ohne den künftigen Münchner seit 2010 ohne Niederlage blieb.

Doch Statistik sind für die Borussen Schall und Rauch. Allein die vier Tore beim 4:1 im Halbfinal-Hinspiel am 24. April des vergangenen Jahres haben beim spanischen Rekordmeister mächtig Eindruck hinterlassen. „Wie so oft in dieser Saison werden wir versuchen, das Beste aus der Situation zu machen“, sagte Trainer Jürgen Klopp. Pierre-Emerick Aubameyang, der sich das BVB-Emblem auf die linke und rechte Kopfseite einrasieren ließ, oder Marco Reus sind die Optionen für die Lewandowski-Position.

Insgesamt fehlen sechs Spieler, die auch beim 0:2 im damaligen Rückspiel (30. April 2013) gegen das Starensemble um Weltfußballer Cristiano Ronaldo und Co. standen. Am Mittwoch ist es bereits das fünfte Duell mit dem spanischen Rekordmeister in den vergangenen 18 Monaten. „Wir sind nun schon das dritte Mal in Madrid, da kennen wir uns bestens aus“, flachste Klopp und fügte ernsthaft an: „Das ist eine richtige Herausforderung. Wir wollen ein starker und unangenehmer Gegner sein. Ich bin sehr ruhig.“

Doch auch er weiß, dass sich Real, „die neben den Bayern stärkste Mannschaft der Welt“, nicht noch einmal derart überrumpeln lassen wird. Aber Klopp gibt trotz der beispiellosen Verletztenmisere gelassen. „Es gibt keine offenen Fragen bezüglich des Gegners, mit wem und mit welcher Spielweise wir es zu tun haben. Mehr Infos stehen im Fußball nicht zu Verfügung.“

Das 1:6 und 1:3 der Schalker im Achtelfinale lieferte zusätzlichen Anschauungs-Unterricht wie man nicht gegen Real auftreten sollte. „Wir werden versuchen, kompakt zu stehen und schnelle Konter zu fahren“, verriet Nationalspieler Mats Hummels. „Wir wollen ein gutes Ergebnis erzielen. Wenn man die Schwachstellen kennt, ist jede Mannschaft der Welt schlagbar.“

Als eine Schwachstelle beim aktuellen Tabellendritten der Primera Division haben die Borussen die Defensive ausgemacht. Dazu Kehl: „Da müssen wir Nadelstiche setzen, mit unserem schellen Umschaltspiel selbst Möglichkeiten kreieren und sie dann eiskalt nutzen.“ Auch ohne Lewandowski.

BVB-Boss Hans-Joachim Watzke sagte im tz-Interview: „Der Druck liegt bei Real, denn sie haben alle im Hinterkopf, was letztes Jahr passiert ist. Sie haben eine fantastische Mannschaft, und unsere Chance liegt darin, dass die Madrilenen glauben: Das läuft schon.“

Im Offensivspiel setzt der BVB auf Aubameyang und Reus, der am Samstag mit einem Dreierpack einen 0:2-Rückstand in ein 3:2 beim VfB Stuttgart umwandelte und vor Selbstbewusstsein nur so strotzt. Obwohl der BVB erstmals seit Anfang November mit dem Rückenwind eines Sieges in eine Champions-League-Partie geht, erinnert Sportdiektor Michael Zorc: „Das ist ein ganz anderer Wettbewerb unter ganz anderen Vorzeichen.“ Und die sind für die BVB-Rumpfmannschaft schlechter als jemals zuvor gegen Real.

Allerdings eine Statistik macht Hoffnung: Bei bisher elf Viertelfinal-Teilnahmen im Europacup erreichte der BVB bereits achtmal die Runde der letzten Vier.

"Wollen unangenehmster Gegner der Welt sein"

Auf der Pressekonferenz vor dem Abflug nach Madrid äußerte sich Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke erneut. Er sieht trotz der letztjährigen Endspielteilnahme den BVB als Underdog: "Die Chancen stehen nicht übermäßig gut. Wir sind klarer Außenseiter. Aber das waren wir in der vorigen Saison auch."

Und Jürgen Klopp hält sein Team trotz der Personalsorgen für konkurrenzfähig: "Wir haben ein paar Personalprobleme zu viel, aber viele gute Jungs, die in solchen Spielen über sich herauswachsen. Wir wollen der unangenehmste Gegner der Welt sein. Das ist unser Plan."

Zugleich fügte er bezüglich der Gelbsperre von Torjäger Robert Lewandowski süffisant an: „Übrigens war es ein spanischer Schiedsrichter, der Robert wegen eines fragwürdigen Handspiels die dritte Gelbe Karte gezeigt hat.“ Ansonsten gab sich der BVB-Coach selbstbewusst: „Es ist kein Zauber, warum wir wieder hier sind und wieder im Viertelfinale stehen.“ Zudem gab er im Vergleich zu den letzten Duellen mit Real zu bedenken, dass ihm in Mario Götze und Ilkay Gündogan immerhin „zwei der weltbesten Mittelfeldspieler fehlen“. Dafür habe seine Mannschaft jedoch an Tempo gewonnen. Henrich Mchitarjan sei „ein Pfeil“, Pierre-Emerick Aubameyang auch, und „Marco Reus ist auch gut zu Fuß“. Reus selbst unterstrich: „Wir wissen, dass Real Madrid individuell sehr stark ist. Wir wissen aber auch, dass sie Schwächen haben, die gilt es auszunutzen. Wir haben schon zweimal hier gespielt und wissen, was auf uns zukommt. Wir wollen versuchen, aggressiv zu sein und unseren BVB-Fußball zu zeigen. Wir müssen mutig sein, dann stellen wir Real auch vor große Probleme.“

Die voraussichtlichen Mannschaftsaufstellungen:

Madrid: Casillas - Carvajal, Pepe, Sergio Ramos, Coentrao - Modric, Xabi Alonso, Di Maria - Bale, Benzema, Ronaldo. - Trainer Ancelottti

Dortmund: Weidenfeller - Piszczek, Sokratis, Hummels, Durm - Kehl, Sahin - Aubameyang (Hofmann), Mchitarjan, Großkreutz - Reus. Trainer: Klopp

Schiedsrichter: Mark Clattenburg (England)

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