"Bundesliga-Dino" HSV in prekärer Lage

Wer muss runter? Finale furioso im Abstiegskampf

Bundesliga, Hamburger SV
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Rafael van der Vaart fehlt dem Hamburgr SV im letzten Saisonspiel gegen Schalke 04 aufgrund seiner zehnten Gelben Karte.

München - Sechs Mannschaften sind vom Abstieg bedroht, fünf davon akut: Der letzte Spieltag der Fußball-Bundesliga ist spannend wie selten, und er könnte ein historischer werden.

Theoretisch ist noch eine ganze Menge möglich. Am womöglich spannendsten letzten Spieltag der Bundesliga-Geschichte, zumindest aber im dramatischsten Finale seit 1999, ist theoretisch sogar möglich, dass der direkte Vergleich herhalten muss - wenn der Hamburger SV gegen Schalke 04 gewinnt, der SC Paderborn und der VfB Stuttgart unentschieden spielen und Hannover 96 mit 2:4 gegen den SC Freiburg verliert. Dann müsste Hannover direkt in die zweite Liga, der punkt- und torgleiche VfB in die Relegation.

Gar nicht unwahrscheinlich ist, dass dieser letzte Spieltag der 52. Saison der Fußball-Bundesliga ein historischer wird: Der Hamburger SV, als einziger Verein seit 1963/64 immer dabei, deswegen auch als „Dino“ bezeichnet, steigt wohl ab. Selbst Uwe Seeler, die Ikone der Hanseaten, stellte bereits fest: „Das hätte ich nie gedacht. Und das Schlimmste ist: Wir haben es dieses Mal nicht in der eigenen Hand.“ Nicht mal die Relegation, über die er sich noch in der vergangenen Saison gerettet hat, kann der HSV aus eigener Kraft erreichen.

Hamburg benötigt Schützenhilfe

Die Hamburger brauchen, das ist die Grundvoraussetzung, einen Sieg gegen Schalke - und alle Hilfe die sie bekommen können. Hilfreich wären ein Sieg von Paderborn gegen Stuttgart sowie ein Sieg für wen auch immer im Spiel zwischen Hannover und Freiburg. Bei so viel Wenn und Aber ist auch Seeler so mulmig geworden, dass er sich ernsthaft mit dem Szenario des Schreckens beschäftigt hat. „Ich glaube nicht“, sagte er traurig, „dass sich der Verein schnell von einem Abstieg erholen würde.“

Das große Pech des HSV: Seine Konkurrenten, also alle, die er gerne hinter sich lassen würde, spielen auch noch gegeneinander. Stuttgart etwa müsste in Paderborn verlieren, braucht aber seinerseits einen Sieg, um sicher drin zu bleiben. „Wir haben es selbst in der Hand“, betonte deshalb Huub Stevens vor seinem womöglich letzten Spiel als Trainer des VfB. Sportvorstand Robin Dutt hat unter der Woche zudem verdeutlicht, dass die Stuttgarter zu allem entschlossen sind: „In Paderborn brennt jetzt schon der Rasen.“

In Paderborn brennt nicht nur der Rasen. „Für den Sieg werden wir alles tun. Die Jungs brennen“, betonte Trainer Andre Breitenreiter vor dem 34. Bundesliga-Spiel des Aufsteigers. Doch ein Sieg allein würde auch den Ostwestfalen nicht reichen. Schalke muss zugleich in Hamburg mindestens einen Punkt holen - dann dürfte Paderborn am 28. Mai (Heimspiel) und am 1. Juni (auswärts) in die Relegation. Mehr ist nicht mehr drin. Stuttgart und Hamburg wären in diesem Fall die direkten Absteiger.

Klosteraufenthalt als Trumpf von Hannover 96?

Am Schauplatz Hannover könnte es zeitgleich eine Zitterpartie zwischen den 96-ern und Freiburg geben - wenn sich Siege für die Hamburger (32 Punkte) und die Stuttgarter (33) abzeichnen. Beide, Hannover und Freiburg, haben 34 Punkte, beide wäre mit einem Sieg sicher gerettet, bei einem Unentschieden zumindest Freiburg. Mit drei Tagen Geheimtraining im Hotel Klosterpforte hat sich Hannover auf dieses Spiel vorbereitet - und mit einem gemeinsamen Besuch des Actionfilms „Run all night“.

Hannover würde es richtig heftig erwischen im Falle eines Abstiegs - allein 28,5 Millionen Euro weniger Einnahmen vom Fernsehen müssten die Niedersachsen verkraften. „Wir haben eine wirtschaftlich stabile Basis mit genügend Eigenkapital und Liquidität“, entgegnet Klubchef Martin Kind. Groß wären auch die Einschnitte beim HSV, der seinen Etat von 120 auf 75 Millionen Euro herunterrechnen müsste, der VfB wird seinen Umsatz von 115 Millionen Euro nicht halten können. Und: Beide bräuchten nach einem Abstieg erst mal eine neue Mannschaft.

Zu den vielen Möglichkeiten, die der 34. Spieltag zu bieten hätte, gehört auch: Hertha BSC muss noch mal so richtig gegen den Abstieg kämpfen - allerdings erst in der kommenden Woche. Am Samstag können die Berliner höchstens auf den Relegationsplatz zurückfallen - aber auch nur bei einer Niederlage bei 1899 Hoffenheim mit zwei Treffern Differenz, einem Sieg von Stuttgart und einem Unentschieden zwischen Hannover gegen Freiburg. Nicht wahrscheinlich. Aber möglich. Wie so vieles im Abstiegskampf.

SID

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