BVB auf Abwegen - Watzke: "Strahlkraft nicht beschädigt"

Hans-Joachim Watzke ist der Geschäftsführer von Borussia Dortmund. Foto: Caroline Seidel
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Hans-Joachim Watzke ist der Geschäftsführer von Borussia Dortmund. Foto: Caroline Seidel

Dortmund (dpa) - Die Jahre mit stetem Wachstum scheinen vorerst vorbei. Nach vier Champions-League-Teilnahmen in Serie droht Borussia Dortmund eine Saison ohne internationales Rampenlicht und üppige Zusatzeinnahmen.

Die Gefahr, dass dies für den wankenden Branchenriesen der Beginn eines längeren Abwärtstrends sein könnte, sieht Hans-Joachim Watzke jedoch nicht. Der Geschäftsführer hält die Krise des Bundesliga-17. nur für eine temporäre Erscheinung: "Die Strahlkraft von Borussia Dortmund wird durch ein Jahr ohne Champions League nicht so stark beschädigt, dass da was bröckelt."

Spätestens nach dem 1:2 beim FC Bayern haben sich alle Beteiligten damit abgefunden, im kommenden Jahr auf europäische Fußball-Festtage verzichten zu müssen. "Wir sollten uns von diesem Thema lösen", bekannte Watzke mit Verweis auf den Zehn-Punkte-Abstand zum Tabellenvierten aus Hoffenheim. Der Kritik an dieser Entwicklung trat der Vereinsboss beim TV-Sender Sky selbstbewusst entgegen: "Ich kann beim besten Willen nicht erkennen, dass wir - und da schließe ich auch Michael Zorc mit ein - irgendwelche Fehler gemacht haben, die so gravierend gewesen wären, dass wir jetzt in dieser Situation sind."

Immerhin kann der Diplom-Kaufmann für sich in Anspruch nehmen, dem noch 2005 von der Insolvenz bedrohten BVB zur Schuldenfreiheit verholfen zu haben. Sein jüngster Schachzug war die Kapitalerhöhung, die dem einzigen börsennotierten deutschen Fußball-Club vor zwei Monaten rund 114 Millionen Euro einbrachte. Der Sportausrüster Puma, der Versicherer Signal Iduna und der Spezialchemiekonzern Evonik übernahmen größere Aktienpakete. Watzke sieht den Traditionsclub für die Zukunft gerüstet: "Wir sind wirtschaftlich extrem stark, haben keinen Euro Schulden und eine Kader, der für die Verhältnisse von Borussia Dortmund extrem ordentlich ist."

Kaum aufzufangen wäre jedoch ein Abstieg. Nicht zuletzt deshalb sind alle Beteiligten gut beraten, den Blick mehr nach unten als nach oben zu richten. Für immerhin 26 der insgesamt 45 Teams, die - wie zurzeit der BVB - am 10. Spieltag mindestens sieben Niederlagen aufwiesen, ging es in der Geschichte der Bundesliga am Saisonende abwärts. Ein solches Horrorszenario schloss Watzke jedoch aus. "Lösen sie sich vom Thema 2. Bundesliga", antwortete er auf die Frage, ob einige Spieler auch Verträge für das Fußball-Unterhaus hätten, "das ist zwar ein schöner Joke, wird aber nicht passieren."

Der Sturz auf einen Abstiegsplatz hat nach Einschätzung von Sebastian Kehl bei allen Profis die Sinne geschärft: "Ähnlich wie der Verein bewahren wir die Ruhe. Die Lage ist definitiv nicht aussichtslos. Wir werden alles daransetzen, in der Liga wieder zu punkten." Ähnlich wie der Routinier hofft auch Trainer Jürgen Klopp auf eine baldige Trendwende. Es spricht für das noch immer intakte Innenleben der Borussia, dass die Führungskräfte dem Fußball-Lehrer wiederholt den Rücken stärkten. Dieses Vertrauen weiß Klopp zu schätzen: "Es ist eine schwierige Phase. Da hilft Ruhe. Die spüre ich und versuche, sie zu nutzen."

Ein längerer Verbleib in unteren Tabellenregionen könnte jedoch dazu führen, dass einige Stars die Lust an einen Verbleib verlieren. Es passt ins Bild, dass derzeit fast täglich über die Zukunft von Marco Reus spekuliert wird. Angeblich werben Clubs wie Real Madrid, der FC Barcelona, Manchester City und der FC Bayern um den Angreifer, der aus seinem eigentlich bis 2017 datierten Vertrag mit dem BVB aufgrund einer Ausstiegsklausel am Ende dieser Saison aussteigen kann.

Noch hat Watzke die Hoffnung nicht aufgegeben, dass Reus das neue üppige Dortmunder Angebot annimmt und seiner Heimatstadt die Treue hält. Dennoch schätzt der Geschäftsführer die Lage realistisch ein: "Wenn wir im nächsten Jahr nicht Champions League spielen, wird es schwer, ihn zu halten. Er hat auch einen Karriereplan und will sich sportlich weiterentwickeln."

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