Druck in der Königsklasse

BVB hat Verletztendilemma, Bayer mit Siegzwang

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Hakan Calhanoglu von Bayer Leverkusen nach der Partie gegen Bremen (1:2).

München - Dortmund kann einen großen Schritt Richtung Achtelfinale der Champions League machen, Bayer Leverkusen muss unbedingt siegen. Die Gegner sind für die Bundesligisten echte Herausforderungen.

Zu Scherzen ist bei Borussia Dortmund und Bayer Leverkusen niemand aufgelegt. Den BVB plagt vor dem Champions-League-Spiel bei Sporting Lissabon weiterhin die extrem lange Verletztenliste, Bayer Leverkusen hilft im Heimspiel gegen Tottenham Hotspur nur ein Sieg, sollen die Chancen auf die K.o.-Runde in der Königsklasse nicht frühzeitig auf ein Minimum sinken. Kapitän Lars Bender, dessen Einsatz im 100. Champions-League-Spiel für Bayer wegen einer Grippe fraglich ist, machte deutlich: „Es geht um alles.“

Angesichts von bis zu zehn verletzt fehlenden Spielern antwortete Dortmunds Sportdirektor Michael Zorc auf die humorvoll gemeinte Frage, ob er seine Fußball-Schuhe im Gepäck habe, mit einem gequälten Lächeln. „Das würde nicht helfen.“ Trotzig fügte der einstige BVB-Profi vor der Partie in Lissabon am Dienstag (20.45 Uhr/Sky) hinzu: „Wir müssen versuchen, die Aufgabe auch so zu bewältigen.“

Denn nach Einschätzung von Zorc fällt in den beiden Duellen mit den Portugiesen die Entscheidung, wer es ins Achtelfinale schafft: „Man muss kein Prophet sein, wenn man behauptet, dass die Spiele gegen Lissabon eine sehr bedeutende Wirkung für den Ausgang der Gruppe haben.“ Der 54 Jahre alte Sportdirektor machte eine einfache Rechnung auf: „Real Madrid wird sich am Ende durchsetzen. Dann geht es darum, wer im Vergleich mit Lissabon die stärkere Mannschaft ist.“

Noch befindet sich der BVB nach dem 6:0 bei Legia Warschau und dem 2:2 gegen Real Madrid in einer guten Ausgangslage. „Wir sind Erster in der Gruppe. Das wollen wir auch bleiben und zurück auf die Siegerstraße“, sagte Torhüter Roman Bürki. Doch das Fehlen diverser Stammkräfte dürfte dieses Vorhaben erheblich erschweren.

Zu allem Überfluss wurden die gegen Berlin als „Notnägel“ eingesetzten Joo-Ho Park und Mikel Merino nicht für die Champions League gemeldet und sind somit für Lissabon keine Alternative. Hinzu kommen die Langzeitausfälle Sven Bender, Erik Durm und Marco Reus. Auch Weltmeister André Schürrle, Europameister Raphael Guerreiro, Regisseur Gonzalo Castro, Außenverteidiger Marcel Schmelzer und Angreifer Adrian Ramos stehen nicht zur Verfügung. Immerhin reisten die Rekonvaleszenten Lukasz Piszczek und Sokratis mit in Portugals Hauptstadt. „Wir haben noch Hoffnung, dass sie vielleicht doch einsatzfähig sind“, kommentierte Zorc.

„Ein Dreier muss her, sonst wird die Luft dünn“ sagte Leverkusens Vereinschef Michael Schade. Trainer Roger Schmidt wollte den Druck nicht zu groß werden lassen: „Noch haben wir alle Möglichkeiten, weiterzukommen“. Allerdings nicht mit einer Leistung wie jüngst bei Werder Bremen (1:2). Abwehrchef Ömer Toprak forderte deshalb, sich an der bisher besten Partie der Saison zu orientieren: „Gegen Tottenham müssen wir ein Spiel abliefern wie gegen Dortmund.“ Bestärkt wird der Optimismus vor der Partie durch die Statistik: Saisonübergreifend ist Bayer 04 zuletzt zehnmal in der BayArena ungeschlagen geblieben.

Allerdings sind die Spurs momentan der einzige Club in der Premier League, der ohne Niederlage dasteht. Das Team wurde deshalb schon von der britischen Zeitung „Sun“ als „Spurfect“ bezeichnet. In Leverkusen wird Harry Kane, der Torschützenkönig der vergangenen Saison, wohl weiter verletzt fehlen. Dafür ist in Heung-Min Son ein früherer Bayer-Spieler in blendender Form.

dpa

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