Champions-League-Achtelfinale

Bayern-Gegner Donezk: Flucht aus der Heimat

Champions League FC Bayern Schachtjor Donezk
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FC Bayern-Flügelflitzer Franck Ribéry (R) im Zweikampf mit Douglas Costa von Schachtjor Donezk.

München - Schachtjor Donezk ist seit Jahren das Aushängeschild des ukrainischen Fußballs. Doch der Krieg hat auch bei Bayern Münchens Champions-League-Gegner alles verändert.

Es wirkt wie eine Flucht. Bereits am Montag, einen Tag früher als in der Champions League üblich, reiste Schachtjor Donezk nach München. Und die Reise begann, notgedrungen, in Kiew, wo der ukrainische Fußballmeister ein Übergangsquartier aufgeschlagen hat, so lange daheim weiter das Chaos herrscht. Am Mittwoch (20.45 Uhr/ZDF und Sky), wenn Schachtjor um den Verbleib in der Königsklasse kämpft, rollen in Donezk Panzer durch die Straßen.

Der Krieg in der Ost-Ukraine hat alles verändert. An Fußball denkt in Donezk kaum noch jemand, und Schachtjor ist ohnehin längst geflohen. Der Klub steht vor einer Zerreißprobe. Die Exponate des Klubmuseums wurden an einen geheimen Ort gebracht. Aus einer provisorischen Zentrale in Kiew wird die Verwaltung erledigt, das Training findet ebenfalls dort statt.

Schachtjors „Heimspiele“, wie das Hinspiel gegen die Bayern (0:0), werden einstweilen in Lwiw ausgetragen, ganz im Westen des Landes. Das fühle sich „seltsam an“, sagte Trainer Mircea Lucescu, „anders als die Spiele in der Donbass Arena, eher wie auf neutralem Boden“. Die Partie vor drei Wochen war zwar gut besucht - doch das war wohl hauptsächlich dem prominenten Gast geschuldet. Denn normalerweise bleiben weite Teile des EM-Stadions von 2012 leer.

Um dem mangelnden Interesse in Lwiw entgegenzuwirken, wurden die Ticketpreise deutlich gesenkt - mit mäßigem Erfolg. Und die, die dann doch kommen, unterstützen Schachtjor kaum. Oft ist ein Großteil des Publikums sogar gegen die „Heimmannschaft“, knapp 1200 km von der Heimatstadt entfernt gibt es eben wenige, die den Ost-Ukrainern die Daumen drücken. Schachtjor, das Aushängeschild des osteuropäischen Fußballs, ist heimatlos geworden.

Die Zukunft des Klubs ist völlig offen. Schachtjors Präsident, der milliardenschwere Oligarch Rinat Achmetow, einer der einflussreichsten Männer in der Ukraine, bangt um sein Hab und Gut und hat derzeit andere Sorgen als Fußball. Der Vertrag von Lucescu läuft am Saisonende aus, und dass er ein Leben auf der Flucht nicht mag, versteht sich von selbst.

In der Winterpause wurde nahezu jeder Spieler mit einem Wechsel in Verbindung gebracht, im Sommer hatten einige aus Angst um ihre Sicherheit sogar die Wiedereinreise verweigert. Insgesamt 13 Brasilianer stehen im Kader Schachtjors, ambitionierte, junge, talentierte Fußballer, die dem Ruf des so erfolgreichen Vereins in der vergangenen Dekade gefolgt sind. Doch das war lange, bevor der Krieg begann.

Heute sind die Straßen in Donezk von Trümmern übersät, immer neue Schreckensnachrichten von Explosionen in Schulen und Krankenhäusern machten in den letzten Wochen die Runde. Die Donbass Arena, in der Schachtjor seit 2009 seine Heimspiele ausgetragen hatte, ist mehrfach von Explosionen erschüttert worden. Wo noch vor drei Jahren Spiele der Europameisterschaft stattfanden, werden heute Hilfsmittel und Nahrung verteilt. Wann und ob hier wieder Fußball gespielt wird, ist völlig unklar.

SID

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