Mainz aus Pokal geworfen

Chemnitz nach Wahnsinnsspiel außer Rand und Band

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In Chemnitz ist Party angesagt.

Chemnitz - Drittligist Chemnitzer FC hat für einen Paukenschlag im DFB-Pokal gesorgt. Bei den Sachsen gab es nach dem Triumph über den Bundesligisten FSV Mainz 05 kein Halten mehr.

Das Bier floss längst in Strömen, als die Chemnitzer Pokalhelden in der Kabine gemeinsam lauthals die Hits von Helene Fischer mitgrölten. Bis in die Morgenstunden dauerte die ausgelassene Party der Sachsen, doch selbst am Tag danach konnte wohl kaum jemand fassen, was dem Drittligisten in einem irren Elfmeterkrimi gegen den Bundesligisten FSV Mainz 05 gelungen war.

„Irgendwie haben wir heute Pokalgeschichte geschrieben, das war einfach unglaublich“, sagte der Chemnitzer Torhüter Philipp Pentke, der zum großen Helden avancierte. Erst sorgte der 29-Jährige mit einem Fehler in der Nachspielzeit der Verlängerung überhaupt erst dafür, dass es zum Elfmeterschießen kam, dann parierte er einen Strafstoß des Mainzers Gonzalo Jara und bescherte dem krassen Außenseiter so den Einzug in die zweiten Pokalrunde.

„Ich hätte meinen Pass abgegeben, wenn das Ding schiefgegangen wäre. Jetzt können wir ausrasten!“, sagte Pentke kurz darauf: „Alle, die im Stadion waren, werden das noch sehr, sehr lange in Erinnerung behalten.“ 5:4 siegte seine Mannschaft am Ende im Elfmeterschießen, nach 120 Minuten hatte es 5:5, nach 90 noch 3:3 gestanden. „Man findet dafür kaum Worte“, sagte der Chemnitzer Trainer Karsten Heine: „Es war ein riesiger Fight, eine hohe Willensleistung meiner Mannschaft - das war imponierend.“

Chemnitz hatte bereits 0:2 zurückgelegen, doch der überragende Anton Fink (50./55.) sorgte zunächst für den Ausgleich. Durch und ein Eigentor der Gäste (88.), Markus Ziereis (103.) und Marco Kehl-Gomez (119.) hieß es später 5:5. „Das ist kaum zu toppen. Das wird der Mannschaft hoffentlich einen zusätzlichen Schub für die Liga geben“, sagte Vereinspräsident Mathias Hänel.

Drittliga-Tabellenführer Chemnitz kann sich nun allerdings nicht nur über ein weiteres Pokalheimspiel freuen, der Einzug in die zweite Runde spült auch rund 270.000 Euro plus Zuschauereinnahmen in die Vereinskasse. „Als Drittligist ärgert man sich nicht darüber“, sagte Hänel grinsend: „Wir haben das Geld natürlich nicht eingeplant. Da schauen wir ganz in Ruhe, was wir damit machen.“

Einen Wunschgegner für die nächste Runde haben die Sachsen nicht. „Wir haben ein Heimspiel, nur das zählt“, sagte Torjäger Fink, der vor 10.287 Zuschauern im gerade im Umbau befindlichen Stadion an der Gellertstraße den entscheidenden fünften Elfmeter eiskalt verwandelte. „Dass es uns gelingt, gegen einen Bundesligisten so zurückzuschlagen, zeichnet diese Mannschaft aus“, betonte Fink: „Wir sind gut in die Saison gestartet, besser hätte es nicht laufen können.“

Vom Aufstieg in die 2. Bundesliga will nach zehn Punkten aus vier Spielen zwar (noch) niemand ernsthaft reden, doch nach dem Auftritt gegen die kriselnden Mainzer, die sich nach dem peinlichen Aus in der Europa-League-Qualifikation erneut blamierten, dürften die Ansprüche steigen.

Vor dem Heimspiel am kommenden Samstag gegen den MSV Duisburg wollten es die Chemnitzer nun zunächst ruhig angehen lassen. „Wir werden jetzt sicher mal ein, zwei Tage Pause machen, um uns von allem zu erholen“, sagte Heine. Denn nicht nur die 120 Minuten auf dem Rasen hatten es schließlich in sich, auch der hochverdiente Partymarathon kostete viel Kraft: „Aber Anfang der Woche geht es ganz normal weiter.“

sid

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