CL-Finale Atletico - Real

Khediras Königliche fordern die „Matratzenmacher“

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Der Portugiese Cristiano Ronaldo hat in Lissabon quasi ein Heimspiel.

Lissabon - Real gegen Atletico, Königliche gegen „Matratzenmacher“, Ronaldo gegen Costa: Das Derbi madrileno im Champions-League-Finale elektrisiert Spanien wie das „German Endspiel“ im vergangenen Jahr die deutschen Fans.

Auf die deutsche Finalparty von Wembley folgt die spanische Fiesta in Lissabon: Wie im vergangenen Jahr bei Bayern Münchens Triumph über Borussia Dortmund wird das Endspiel der Champions League mit dem Derbi madrileno am Samstag (20.45 Uhr/ZDF und Sky) zu einer nationalen Angelegenheit von allerhöchster Brisanz. Während Nationalspieler Sami Khedira und Weltfußballer Cristiano Ronaldo mit Real von der „Decima“ träumen, spaltet das erste Stadtduell in einem Europapokal-Finale sogar das spanische Königshaus: „El rey“ Juan Carlos I. drückt mit Ehefrau Sophia im Estadio da Luz standesgemäß den Königlichen die Daumen, Prinz Felipe hält es zu Hause mit Underdog Atletico (alle Infos zum CL-Finale auf einen Blick!).

Khedira kommt wohl von der Bank

Khedira hofft bei Reals Jagd nach dem ersten Triumph in der Königsklasse seit 2002 auf eine Schlüsselrolle. „Die Fans und der Verein sehnen sich nach diesem zehnten Titel, und der war immer auch mein Ziel“, sagt er. Nur 188 Tage nach seinem Kreuzbandriss will der 27-Jährige auf Europas Fußball-Thron. „Ich habe Vertrauen in ihn und Hoffnung“, sagt Trainer Carlo Ancelotti, „aber das Problem ist, dass er nicht viele Spiele gemacht hat.“ Wahrscheinlich wird Asier Illarramendi anstelle des gesperrten Xabi Alonso beginnen, Khedira ist wohl Joker.

Ob mit oder ohne „el Aleman“, den Deutschen - Real geht spätestens nach dem Triumph im Halbfinale gegen Titelverteidiger Bayern München als Favorit ins „Derbi en Lisboa“. Nicht zuletzt wegen Ronaldo. Der Rekordtorjäger der Champions League (16 Saisontreffer) hat seine Blessuren rechtzeitig vor seinem „Heimspiel“ auskuriert. „Es wird ein ganz besonderes Finale, in meinem Land, in meiner Stadt“, sagt er. Allerdings nicht in seinem Stadion: Das „Stadion des Lichts“ ist die Spielstätte von Benfica, Ronaldo war sieben Jahre für Sporting aktiv. Die Portugiesen drücken dennoch überwiegend Real mit ihren Helden Ronaldo, Pepe und Fabio Coentrao die Daumen, Atletico hat nur Tiago.

Duell der Gegensätze

Der sieht den Klub aus dem ärmeren Süden Madrids als „Robin Hood des spanischen Fußballs“, der Real aus dem reicheren Norden den Henkelpott („La Orejona“) entreißen wird. Da nützten den Königlichen auch die Glücksbringer Zinedine Zidane und Raul nichts, die 2002 im Endspiel von Glasgow gegen Bayer Leverkusen (2:1) den letzten Triumph sichergestellt hatten. Reich gegen Arm, Königliche gegen „Matratzenmacher“, das Ballett der Champions League mit Ronaldo und Gareth Bale (37 Tore) gegen das Bollwerk (nur sechs Gegentore, keine Niederlage) - es ist ein Duell der Gegensätze. Auch die Trainer könnten unterschiedlicher kaum sein. Atleticos humorloser Arbeiter Diego Simeone, der gerne über die „großen Eier“ seiner Spieler spricht, gegen den gewitzten Taktiker Ancelotti.

Während Real seine „Decima“ seit zwölf Jahren vergeblich jagt, hat Atletico am vergangenen Wochenende das lange Warten mit dem zehnten Meistertitel, dem ersten seit 1996, beendet. Drei Punkte betrug der Vorsprung der „Colchoneros“ (Matratzenmacher) aus den Hochhausblöcken auf den Dritten Real, der nach der Niederlage im Pokalfinale 2013 (1:2 n.V.) in dieser Saison erstmals seit 1999 zu Hause gegen den Nachbarn verlor (0:1).

Siegesfeier in Madrid ist vorbereitet

In beiden Spielen traf Diego Costa. Atleticos Stürmerstar hat Oberschenkelprobleme, nach seinem Besuch bei einer Spezialistin in Belgrad aber am Donnerstag das Training wieder aufgenommen. Auch Mittelfeld-Ass Arda Turan ist angeschlagen, Real bangt um Verteidiger Pepe, Karim Benzema kann wohl im „BBC“-Sturm mit Bale und Ronaldo auflaufen. „Wir wollen die Fans glücklich machen. Wir alle haben die große Sehnsucht nach der Zehnten, wir müssen einfach gewinnen“, sagt Ronaldo.

120.000 Fans begleiten beide Mannschaften ins 620 km entfernte Lissabon, obwohl nur 34.000 einen der 61.000 Plätze ergattert haben. Am Cibeles-Brunnen in Madrid ist schon alles für die Siegesfeier der Königlichen bereitet. Doch auch die Party-Route von Atletico durch die spanische Hauptstadt steht für den Fall, dass Simeones Elf das Trauma von 1974 besiegt. Bei der einzigen Final-Teilnahme in der Königsklasse erzwang Georg „Katsche“ Schwarzenbeck mit seinem Tor zum 1:1 kurz vor Ende der Verlängerung ein Wiederholungsspiel für Bayern München, das Beckenbauer und Co. 4:0 gewannen.

Sollte beim siebten Final-Duell mit Real der fünfte Triumph glücken, wäre Atletico nach Juventus Turin, Ajax Amsterdam, den Bayern und dem FC Chelsea der fünfte Klub mit Triumphen in allen drei Europacup-Wettbewerben. „Wir wollen Geschichte schreiben“, sagt der frühere Bremer und Wolfsburger Diego: „Keiner von Real ist besser als einer von uns."

Die voraussichtlichen Aufstellungen:

Real Madrid: Casillas - Carvajal, Varane, Ramos, Coentrao - Modric, Illarramendi (Khedira), di Maria - Bale, Benzema (Isco), Ronaldo. - Trainer: Ancelotti

Atletico Madrid: Courtois - Juanfran, Miranda, Godin, Filipe - Turan, Gabi, Tiago, Koke - Adrian (Costa), Villa. - Trainer: Simeone

Schiedsrichter: Björn Kuipers (Niederlande)

sid

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