Weltmeister freut sich auf "Standortbestimmung"

EM 2016: DFB-Team heiß auf Auftakt

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Für das Team von Joachim Löw beginnt die EM am Sonntag.

Evian-les-Bains - Jetzt geht es endlich los. Nach zweieinhalb Wochen Vorbereitung sehnen die Deutschen den Wettkampf herbei. Extra heiß machen muss Bundestrainer Löw seine Stars nicht mehr.

Anspannung, Vorfreude, Kribbeln - nach dem spannenden EM-Auftakt von Gastgeber Frankreich darf auch der Fußball-Weltmeister durchstarten. Nach zweieinhalb Wochen intensiver Vorbereitung will Bundestrainer Joachim Löw am Sonntag (21.00 Uhr) in Lille seine Titel-Operation bei der Europameisterschaft mit einem Sieg gegen die Ukraine beginnen.

"Man merkt eine gewisse Anspannung bei den Jungs. Das ist ein ganz gutes Zeichen für das erste Spiel", erklärte Löw-Assistent Thomas Schneider, "und spätestens dann am Sonntag, in den Stunden vorher, ist der Hebel endgültig umgelegt." Die Spieler brennen auf ihre erste Bewährungsprobe. "Bei so einem großen Turnier muss der Trainer gar nicht so viele Worte finden, um die Mannschaft heiß zu machen", berichtete Flügelspieler Julian Draxler.

Die Weltmeister-Auswahl bekam beim gemeinsamen TV-Abend des Eröffnungsspiels zwischen Gastgeber Frankreich und Außenseiter Rumänien (2:1) noch einmal das vor Augen geführt, worauf Löw sein Team schon lange einstimmt: Bei der EM stehen hochintensive Spiele an, auch gegen die vermeintlich kleinen Nationen.

Die deutsche Elf ist auf viel körperlichen Einsatz gegen die Ukraine eingestellt. "Das ist eine kampfstarke Mannschaft", warnte auch Schneider. Offensiv sind die Osteuropäer zudem mit der Flügelzange Jewgeni Konopljanka und Andrej Jarmolenko gut aufgestellt. Torhüter Andrej Pjatow gilt dagegen als ein Unsicherheitsfaktor.

Gegen die Ukraine gab es noch keine deutsche Niederlage. Von den fünf bisherigen Vergleichen, allerdings noch nie bei einem Turnier, konnte die DFB-Auswahl zwei gewinnen. Drei Partien endeten unentschieden. Die makellose Startbilanz von Löw bei Turnieren vermittelt weitere Zuversicht, denn der Bundestrainer ist ein Spezialist für den Auftakt. In vier Spielen bejubelte Löw vier Siege und 11:0 Tore.

"Wenn wir unsere Stärken einbringen, werden wir ein gutes Spiel und einen erfolgreichen Auftakt machen", erklärte der schon seit Tagen total fokussierte Löw. Auch den noch nicht einsatzfähigen Mats Hummels und den nachnominierten Jonathan Tah nahm er mit nach Lille.

Mit dem Einstieg des kompletten Kaders am Samstagvormittag in die schwarze Propellermaschine am Flughafen von Annécy rückte der eigene EM-Auftakt im Norden Frankreichs noch mehr in Sichtweite. "Die meisten sind es gewohnt, so spät zu spielen, das wird keine größeren Probleme geben. Die Spannung wird um 21.00 Uhr am höchsten sein", versicherte Spezialjoker André Schürrle. "Ich bin froh, dass es losgeht, darauf arbeitet man hin. Wir hatten gute Vorbereitungswochen und haben auch in Frankreich gut gearbeitet."

Löw und sein Stab arbeiteten bis zuletzt an der körperlichen Frische der Mannschaft. Dazu wurden mannschaftstaktische Abläufe wie bei den Standards eingeschliffen. "Jeder Spieler muss in so einer Situation Verantwortung übernehmen", erklärte Torhüter Manuel Neuer. "Man muss seine Positionen wissen und die Automatismen müssen greifen, die man trainiert hat."

Zuletzt war die deutsche Elf bei Standards des Gegners wiederholt anfällig gewesen. "Wir haben in vielen Bereichen Sachen aufgearbeitet, die uns in den Testspielen aufgefallen sind", berichtete Schneider von den Einheiten in Évian-les Bains, die weitestgehend im Geheimen stattfanden.

Nun werden die Weltmeister vor großer Öffentlichkeit loslegen. Endlich. "Die Vorbereitung ist immer die eine Sache, aber natürlich fiebert man dem Turnier entgegen", sagte Draxler. "Wir freuen uns auf das erste Spiel immer ganz besonders, weil es ein Stück weit eine Standortbestimmung für den Rest des Turnierverlaufs ist." Und da haben alle ein Ziel, wie es der nach der Geburt seiner Tochter einen Tag später angereiste Lukas Podolski hervorhob. "Am Ende geht es nur darum - wer holt den Titel. Wir sind Weltmeister, wir haben die Qualität, wir wollen gewinnen."

Voraussichtliche Aufstellungen:

Deutschland: 1 Neuer (FC Bayern München/30/65) - 4 Höwedes (FC Schalke 04/28/34), 17 Boateng (FC Bayern München/27/59), 2 Mustafi (FC Valencia/23/10), 3 Hector (1. FC Köln/26/14) - 6 Khedira (Juventus Turin/29/60), 18 Kroos (Real Madrid/26/65) - 13 Müller (FC Bayern München/26/71), 8 Özil (FC Arsenal/27/73), 11 Draxler (VfL Wolfsburg/22/19) - 19 Götze (FC Bayern München/24/52)

Ukraine: 12 Pjatow (Schachtjor Donezk/31 Jahre/64 Länderspiele) - 17 Fedezki (Dnipro/31/49), 3 Chatscheridi (Dynamo Kiew/28/42), 20 Rakizki (Schachtjor Donezk/26/40), 13 Schewtschuk (Schachtjor Donezk/37/53) - 6 Stepanenko (Schachtjor Donezk/26/29), 16 Sidortschuk (Dynamo Kiew/25/12) - 7 Jarmolenko (Dynamo Kiew/26/59), 19 Garmash (Dynamo Kiew/26/27), 10 Konopljanka (FC Sevilla/26/53) - 8 Sosulja (Dnipro/26/26)

Schiedsrichter: Atkinson (England)

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