DFB-Elf: Mit Rückenwind zum Schicksalsspiel nach Moskau

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Torhüter Rene Adler besteigt am Donnerstag den Bus der Deutschen Fußball-Nationalmannschaft.

Moskau - Die Startelf steht, die Anspannung steigt - in sehnsüchtiger Erwartung des “Endspiels“ gegen Russland haben Michael Ballack & Co auf ihrer heiklen WM-Mission Quartier in Moskau bezogen.

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Schon an Bord des Lufthansa-Airbus, der wegen starken Rückenwindes am Donnerstagabend eine halbe Stunde früher als geplant am Zielort eintraf, war die Konzentration auf den Kunstrasen-Ernstfall zu spüren. Der Countdown für die schwersten 90 Minuten der gesamten Qualifikationsrunde geht an die Nerven. Alle im rund 60-köpfigen DFB- Tross um Bundestrainer Joachim Löw fiebern dem Anpfiff am Samstag (17.00 Uhr/ZDF) im Luschniki-Stadion entgegen.

Bierhoff: „Die Spieler sind heiß“

“Man ist froh, wenn es losgeht“, verdeutlichte Teammanager Oliver Bierhoff den extremen Spannungszustand: “Wir sind voll ausgerichtet auf Russland. Die Spieler sind heiß, wollen spielen und die Qualifikation klarmachen.“ Ein mulmiges Gefühl wird bestritten, vielmehr demonstrierten Löw und seine Mannen Zuversicht und sogar Vorfreude im regnerischen, aber rund 15 Grad milden Moskauer Oktober.

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Direkt nach der Landung ging es weiter ins zentral gelegene Hotel “Baltschug Kempinski“ unweit des Roten Platzes mit Blick auf den Kreml. Ein Sieg beim einzig verbliebenen Konkurrenten um Platz eins ist das Wunschziel, ein Punkt im Gruppen-Gipfel der Minimal-Auftrag: “Die Konstellation, auf jemanden angewiesen zu sein, wollen wir mit aller Macht verhindern“, betonte Löw. Bei einem Unentschieden bliebe man Tabellenführer und könnte am kommenden Mittwoch in Hamburg im letzten Gruppenspiel gegen Finnland aus eigener Kraft das WM-Ticket nach Südafrika lösen. “Wir werden das schon schaffen“, meinte DFB-Präsident und Delegationsleiter Theo Zwanziger zuversichtlich.

DFB-Elf auswärts ungeschlagen

Erst zwei von 72 WM- Qualifikationsspielen hat die deutsche Elf verloren - auswärts ist sie sogar noch ungeschlagen. Das macht Mut, ist aber keine Garantie. “Es ist enorm wichtig für den DFB und den deutschen Fußball, sich zu qualifizieren“, erklärte Bierhoff. Moskau wird auch zu einem Millionenspiel für den Verband - und womöglich ein großer Zahltag für die Spieler. Vier Millionen Euro an Prämien muss der DFB bei der direkten WM-Qualifikation an insgesamt 35 Akteure auszahlen. 20 000 Euro pro Mann gibt es pro Qualifikations-Partie, die Maximalsumme von 200 000 Euro winkt den drei Bayern-Profis Philipp Lahm, Mario Gomez und Bastian Schweinsteiger sowie Piotr Trochowski (HSV), Heiko Westermann (Schalke) und Thomas Hitzlsperger (VfB Stuttgart).

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In der Kraftprobe mit Russlands Kollektiv um den hochgelobten und gefürchteten Ausnahmekönner Andrej Arschawin plant Löw keine Experimente, sondern vertraut in erster Linie auf Routine. “Die Erfahrung ist ein wichtiger Faktor“, sagte Bierhoff. Neben Kapitän Ballack spricht das vor allem für in vielen Fußball-Schlachten gestählte Akteure wie Klose, Schweinsteiger, Lahm, Mertesacker, Podolski und auch den womöglich wieder rechts verteidigenden Arne Friedrich. Dass Löw in einer besonderen Drucksituation auf Bewährtes zurückgreift, belegt auch die Rückversetzung Lahms auf die linke Abwehrseite.

Für Thomas Hitzlsperger könnte im Zweikampf mit Simon Rolfes um die Rolle als Ballacks Partner im Mittelfeld sprechen, dass er in allen acht bisherigen Qualifikations-Partien in der Startelf stand, also auch beim 2:1 im Hinspiel gegen die Russen. “Wir sind konzentriert, angespannt, aber auch voller Vorfreude“, sagte der Stuttgarter, der vor seinem 50. Länderspiel steht. Startformation, System und Taktik hat Löw längst im Kopf. “Die Trainer haben schon klare Vorstellungen, wie sie spielen wollen“, bestätigte Bierhoff. Verraten über die eigenen Pläne wird möglichst wenig, auch, um Russlands erfahrenen Trainer Guus Hiddink ein wenig Kopfzerbrechen zu bereiten. “Es ist gut, dass es für die Russen offen ist“, meinte Bierhoff.

Löw reduziert die Belastung

Man selbst rechnet mit einem aggressiven und stürmischen Gastgeber. “Die Russen werden offensiv auftreten, da müssen wir höllisch aufpassen“, warnte Innenverteidiger Westermann. Eine kompakte Defensive steht im Vordergrund: “Das Wichtigste ist, dass wir das Zentrum dicht bekommen“, mahnte Lahm. Die größte Unwägbarkeit bleibt aber der Kunstrasen.

Vor dem Abschlusstraining am Freitag im Luschniki-Stadion hatte Löw bei der letzten Übungseinheit auf deutschem Boden erneut die Belastung reduziert, auch wenn Bierhoff keine körperliche Probleme fürchtet: “Wir haben durchtrainierte Spieler, die können das verpacken.“ Taktik und Standardsitionen bildeten am Donnerstag den Trainingsschwerpunkt. Der ungeliebte Belag bleibt dennoch ein vorherrschendes Thema, auch wenn Bierhoff es nicht mehr hören mag: “Wir dürfen den Kunstrasen nicht als Problem betrachten“, forderte der Manager.

Die voraussichtliche Aufstellung: Adler - Friedrich, Mertesacker, Westermann, Lahm - Ballack, Hitzlsperger - Schweinsteiger, Özil, Podolski - Klose

dpa

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