Training am Hamburger Millerntor

Banner abgehängt: Auch Pauli schießt gegen DFB

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So sieht die Gegentribüne des Hamburger Millerntor-Stadions normalerweise aus.

Hamburg - Die "Neutralisierung" des Millerntor-Stadions und die damit verbundene Abdeckung eines Anti-Faschismus-Plakats hat dem DFB einen großen Fan-Aufstand im Internet eingehandelt.

Beim Training der Nationalmannschaft am Montag in Hamburg wurde das seit Jahren auf der Tribüne stehende Banner „Kein Fußball den Faschisten“ abgedeckt. „Kein Fußball“ war noch zu lesen, die beiden anderen Worte waren grün abgedeckt worden.

Der DFB reagierte auf den Shitstorm mit einer Erklärung auf Twitter: „Das Millerntor wurde neutralisiert. Das heißt, dass es frei von Werbung gemacht wird, aber auch von politischen Äußerungen. ` Dies steht in der Tat in den Regularien des Verbandes. Die Fans störten sich jedoch daran, dass eine positive politische Botschaft abgedeckt wurde.

Vom Banner-Schriftzug "Kein Fußball den Faschisten" ist beim Training der Nationalmannschaft nur das "Fußball" zu lesen.

"Die Behauptung, Sport sei unpolitisch, ist und bleibt absurd. Gerade der DFB hat in den vergangenen Jahren immer wieder gezeigt, welch gesellschaftspolitische Dimension der Fußball hat. Deswegen ist es irritierend, wenn der DFB nun während des Trainings der Nationalmannschaft den Spruch mit genau dieser Begründung abhängen lässt - und das kurz vor dem heutigen Länderspiel gegen Polen, 75 Jahre nach Beginn des Zweiten Weltkriegs“, sagte Grünen-Politikerin Claudia Roth.

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Auch einige Profis reagierten. Der derzeit verletzte Ingolstädter Zweitliga-Profi Ralph Gunesch, der insgesamt acht Jahre für den FC St. Pauli am Millerntor spielte, twitterte: „Sobald ich wieder fit bin und als Kapitän einen Text vorlesen muss, werde ich nur den Tweet vorlesen.“

Der FC St. Pauli reagierte am Nachmittag "mit großem Unverständnis" auf das teilweise Abkleben eines antifaschistischen Banners beim Training der Nationalmannschaft und  kritisierte den Deutschen Fußball-Bund deutlich. Dies "steht für uns im deutlichen Widerspruch zu all den Aktionen, die der DFB in der Vergangenheit gegen Fremdenhass, Diskriminierung und Rassismus durchgeführt hat", teilte das Präsidium des Hamburger Zweitligisten am Dienstag mit.

St. Pauli zeigte sich vom Abkleben des Schriftzugs überrascht, da zwar eine "Neutralisierung des Stadions" vereinbart gewesen sei, "diese aber bei vorherigen DFB-Veranstaltungen am Millerntor ausschließlich die Werbeflächen beinhaltete."

Der DFB und die Deutsche Fußball Liga (DFL) lassen die Kapitäne der 1. und 2. Bundesliga in regelmäßigen Abständen Botschaften gegen Rassismus verlesen.

SID/dpa

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