Traininsglager

So bringt Jogi seine Jungs ins Rollen

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Ganz nah an den Fans: Joachim Löw.

Ascona - Das DFB-Team bereitet sich am Lago Maggiore auf die EM 2016 vor. Bundestrainer Jogi Löw gibt sich optimistisch. Mit Problemen hat unterdessen Bastian Schweinsteiger zu kämpfen.

Fast ging Jogi Löw gestern Mittag als einer der Urlauber am Lago Maggiore durch, als er nach dem Training zurück ins Mannschaftshotel radelte. Der Bundestrainer wirkte total entspannt, grüßte und winkte den brav rund um den abgesperrten Trainingsplatz wartenden Menschen zu und schrieb sogar vom Rad aus noch Autogramme, als ihn eine kleine Schar von Fans zum Anhalten brachte. Nahbar und scheinbar sorgenfrei fuhr Löw durch Ascona, dabei hat der Bundestrainer derzeit noch mit einigen Problemen zu kämpfen. Doch aus der Ruhe bringen kann den 56-Jährigen nichts – Jogi weiß, wie er seine Spieler ins Rollen bringt!

Momentan hat der Coach mit einer „Grüppchen-Bildung“ innerhalb der Mannschaft zu kämpfen. Jedoch keine, die den Teamgeist gefährdet. Sondern eine, die den Kader noch nicht als Einheit trainieren lässt. „Es gibt derzeit unterschiedliche Gruppen. Die eine hat vor zehn Tagen das letzte Spiel absolviert und seitdem individuell für sich gearbeitet. Die zweite Gruppe hat am Wochenende noch das Pokalfinale gespielt, die dritte hat jetzt noch Spiele vor sich und ist noch nicht hier. Dann gibt es noch Spieler, die zuletzt länger verletzt waren und herangeführt werden müssen, und die Verletzten“, erklärte Löw die aktuelle Situation im Kader des Weltmeisters. Sein Ziel ist klar: „Bis Anfang nächster Woche wollen wir die Mannschaft zusammenführen und auf das gleiche Niveau bringen.“

Was bei der Vielzahl der verschiedenen Fitnesszustände der Stars alles andere als einfach klingt, bereitet Dr. Hans-Dieter Hermann keine Sorgen. Und der Teampsychologe des DFB erklärt der tz auch, weshalb Löw ähnlich entspannt mit der Thematik umgeht: „Jogi hat eine ganz ruhige Ansprache an die Spieler. Er weiß genau, wie er mit ihnen reden muss.“ Der Weltmeister-Trainer ist von seinem Zeitplan überzeugt und mit ihm auch die Spieler. Sie vertrauen Löw, der ihnen in den Gesprächen stets positiv gegenüber tritt. „Das macht er super und so baut Jogi sie natürlich auch auf“, so Hermann weiter.

Zum Freundschaftsspiel nach Augsburg am Sonntag (18 Uhr) gegen die Slowakei will Löw wohl auch nur 18 Feldspieler mitnehmen, die zuletzt stark beanspruchten Stars wie Thomas Müller oder Mesut Özil dürften in Ascona bleiben. Genauso wie Mats Hummels, der sich im Pokalfinale einen Muskelfaserriss in der Wade zuzog und vorerst ausfällt – bis zum ersten Gruppenspiel am 12. Juni gegen die Ukraine ist der Ex-Borusse und Neu-Bayer aber wieder fit.

Solch präzise Prognosen gibt es im Fall von Bastian Schweinsteiger noch nicht, doch alles deutet auf eine rechtzeitige Genesung des Kapitäns hin. „Läuferisch ist Bastian schon wieder voll belastbar“, erklärte Löw, will den 31-Jährigen aber nicht unter Druck setzen: „Wir geben ihm die Zeit, die er braucht. Ich sehe seiner Rückkehr aber optimistisch entgegen.“ Das tut der Weltmeister selbst auch: „Mir geht es gut. Ich bin sehr zuversichtlich. Vor der WM war ich in einem noch schlechteren Zustand als jetzt und da hat es auch geklappt.“ Beim Testspiel gestern Abend (bei Red.-Schluss noch nicht beendet) gegen die eigene U20 wirkte Schweinsteiger allerdings noch nicht mit, im Gegensatz zu Mario Götze. Der Star des FC Bayern (s. Seite 30) hat seinen Rippenbruch auskuriert und sollte zwei Abschnitte lang in dem 4x20 Minuten dauernden Spiel zum Einsatz kommen. „Wir legen jeweils einen anderen Schwerpunkt“, erklärte Co-Trainer Thomas Schneider. Für Löw ist es der erste Mini-Test. Und sollte sich dabei keiner verletzen, dürfte er auch in den nächsten Tagen entspannt durch Ascona radeln...

Sven Westerschulze

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