Rücktritt offiziell

Klose hört im DFB-Team auf - Verabschiedung mit Lahm

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WM-Rekordtorschütze Miroslav Klose beendet seine Karriere in der deutschen Nationalmannschaft.

München - Jetzt ist es offiziell: Torjäger Miroslav Klose beendet seine Karriere in der deutschen Fußball-Nationalmannschaft.

Kein Tore-Salto mehr: Fußball-Weltmeister Miroslav Klose macht nach 137 Länderspielen und 71 Treffern Schluss. Nach Kapitän Philipp Lahm wird auch der „ewige Miro“ nicht mehr für Deutschland spielen. Der erfolgreichste Torschütze der WM-Historie will nur noch für seinen italienischen Arbeitgeber Lazio Rom stürmen. „Für mich kann es keinen schöneren Zeitpunkt geben, um das Kapitel Nationalmannschaft zu beschließen“, erklärte Oldie Klose vier Wochen nach dem WM-Triumph von Rio.

71 Tore für Deutschland, 16 Treffer bei vier WM-Turnieren - niemand auf dem Fußball-Globus hat mehr zu bieten. „Mit dem Titel in Brasilien hat sich für mich ein Kindheitstraum erfüllt. Ich bin stolz und glücklich, dass ich diesen großen Erfolg für den deutschen Fußball mitgestalten durfte“, sagte Klose am Montag.

Vier Wochen nach dem Finalsieg im Fußball-Heiligtum Maracanã gab der im polnischen Oppeln geborene Musterprofi seinen Rücktritt aus der DFB-Auswahl bekannt, in der er 13 Jahre lang ein Leistungsträger war. „Ich habe es schon öfter betont, dass ich meinen Kadaver noch ein bisschen rumschleppe“, hatte Klose noch bei der WM betont. Jetzt ist Ende mit der Plackerei für Schwarz-Rot-Gold.

„Ich hatte eine einmalige, wunderschöne Zeit und viele unvergessliche Momente in der Nationalmannschaft. Die letzten Wochen habe ich genutzt, mir diese Momente noch einmal bewusst zu machen und sie zu genießen“, sagte Klose in einer Erklärung des Deutschen Fußball-Bundes.

Kollegen, Kontrahenten, Trainer, Fans, Funktionäre - alle verneigen sich vor dem großen Sportsmann Klose. „Ich habe größten Respekt vor Miros Entschluss genauso wie vor seiner unglaublichen Nationalmannschafts-Karriere, die kaum zu überbieten sein wird. Fußballerisch und menschlich wird Miro uns fehlen“, betonte Bundestrainer Joachim Löw.

Gemeinsame Verabschiedung mit Lahm

„Wir werden ihm und Philipp Lahm in Düsseldorf einen würdigen Abschied bereiten“, kündigte DFB-Präsident Wolfgang Niersbach für das nächste Länderspiel am 3. September gegen Argentinien an. Zum Einsatz kommen werden die beiden Führungskräfte auf eigenen Wunsch nicht mehr. Sein ein wenig missglückter Jubelsalto nach dem 2:2 im WM-Gruppenspiel gegen Ghana wird sein letzter bleiben im deutschen Trikot, schon nach seinem Treffer beim 7:1 im Halbfinale gegen Brasilien hatte der Oldie auf die spezielle Turn-Einlage verzichtet.

Im Gegensatz zum DFB-Rücktritt des erst 30 Jahre alten Münchners Lahm kam Kloses Abschied nicht unerwartet. Der Angreifer war kurz vor seiner vierten WM-Teilnahme 36 Jahre alt geworden. Mit seinen zwei Toren in Brasilien war er mit insgesamt 16 Treffern zum WM-Rekordschützen vor dem Brasilianer Ronaldo (15) aufgestiegen. Nach Platz zwei in Japan 2002 sowie den dritten Rängen 2006 bei der Heim-WM in Deutschland und 2010 in Südafrika hatte Klose in Brasilien mit dem DFB-Team endlich den großen Wurf gelandet.

Der WM-Titel krönt seine Länderspiel-Karriere. Am 24. März 2001 hatte Klose in Leverkusen beim 2:1 gegen Albanien debütiert. Der damalige Lauterer wurde in der 72. Minute eingewechselt und erzielte kurz vor dem Abpfiff per Kopf den Siegtreffer, sein erstes von insgesamt 71 Toren für Deutschland.

Klose-Treffen mit Löw

In der vergangenen Woche hatten sich Löw und Klose nochmals getroffen. „Ich habe sofort gespürt, dass seine Entscheidung steht, dass sie unumkehrbar ist, dass ich ihn nicht mehr umstimmen kann“, berichtete der Bundestrainer und hob hervor: „Auf Miro Klose ist und war immer Verlass, sein Wort gilt. Das war auch bei der WM in Brasilien so, ich wusste, Miro wird topfit sein, wenn es darauf ankommt.“

Für Löw ist Klose „einer der größten Stürmer, die der Fußball hervorgebracht hat“. Und dennoch habe er bislang „kaum einen Spieler erlebt, der mehr für Bodenständigkeit, Bescheidenheit, Fairplay, Professionalität, Verlässlichkeit und Teamgeist steht“, schwärmte der deutsche Weltmeister-Coach.

„Der Erfolg des Teams stand und steht für mich immer an oberster Stelle“, betonte Klose trotz der vielen persönlichen Rekorde. Sogar „Bomber“ Gerd Müller (68 Tore für Deutschland) hatte der ehemalige Pfälzer, der auch für Werder Bremen und Bayern München gespielt hat, eine Jahrhundert-Bestmarke entrissen. Bei Lazio Rom steht Klose noch ein Jahr unter Vertrag. „Schauen wir mal, wie lange die Beine noch tragen“, erklärte der Ausnahmestürmer.

Das Wiedersehen mit Argentinien im Testspiel in Düsseldorf wird nun für das Team von Löw zu einem großen Abschlussball. Mit Klose und Lahm hören zwei Stammkräfte auf, die eine Ära im deutschen Fußball mitgeprägt haben.

Vier Tage nach dem Abschiedsfest gegen den WM-Finalgegner beginnt mit dem ersten EM-Qualifikationsspiel gegen Schottland in Dortmund eine neue Etappe, die im Sommer 2016 in Frankreich die nächste Krönung bringen könnte - ohne Klose.

Bundestrainer Löw wird in den kommenden Tagen seinen Urlaub beenden und neu an die Arbeit gehen. Für Oliver Bierhoff ist es eine „merkwürdige Vorstellung, dass Miro künftig nicht mehr bei der Nationalmannschaft sein wird“. Dem Teammanager gelang eine treffende Würdigung ganz im Sinne seines ehemaligen Mitspielers Klose, der kein Mann vieler Worte ist: „Danke für alles, Miro!“

Weitere Stimmen zum Rücktritt von Miroslav Klose finden Sie hier.

Kloses Erklärung zum Rücktritt im Wortlaut

Miroslav Klose hat am Montag nach 137 Länderspielen und 71 Toren seinen Rücktritt aus der Fußball-Nationalmannschaft erklärt. Der 36-Jährige sagte:

„Mit dem Titel in Brasilien hat sich für mich ein Kindheitstraum erfüllt. Ich bin stolz und glücklich, dass ich diesen großen Erfolg für den deutschen Fußball mitgestalten durfte. Ich hatte eine einmalige, wunderschöne Zeit und viele unvergessliche Momente in der Nationalmannschaft. Die letzten Wochen habe ich genutzt, mir diese Momente noch einmal bewusst zu machen und sie zu genießen. Für mich kann es keinen schöneren Zeitpunkt geben, um das Kapitel Nationalmannschaft zu beschließen. Der Erfolg des Teams stand und steht für mich immer an oberster Stelle. Mit der Nationalmannschaft habe ich unser großes Ziel erreicht, ein Ziel, das wir gemeinsam mit dem Team hatten. Ich habe aber auch Ziele erreicht, die ich mir persönlich gesteckt habe. Wer mich kennt, der weiß, dass ich sehr ehrgeizig bin. Ich bin Stürmer - und die Aufgabe eines Stürmers ist es, Tore zu schießen. Darum ging es mir nie um Rekorde, sondern stets darum, mein Bestes für das Team zu geben. Als Stürmer bin ich immer auch von meinen Mitspielern abhängig. Deswegen geht ein ganz großes Dankeschön an meine Kollegen aus der Nationalmannschaft, ohne deren Zuspiele ich nicht so erfolgreich hätte sein können. Bedanken möchte ich mich auch beim DFB, seinem Präsidenten, allen Mitgliedern des Teams hinter dem Team, bei allen Fans unserer Mannschaft und natürlich bei den drei Bundestrainern, mit denen ich in den 13 Jahren zusammen arbeiten durfte. Ganz besonders natürlich bei Joachim Löw, der mir immer absolutes Vertrauen entgegengebracht hat. Diesen gegenseitigen höchsten Respekt und die Wertschätzung habe ich auch in unseren Gesprächen in den letzten Tagen gespürt. Dass unsere Zusammenarbeit nun mit dem Gewinn des Titel endet, ist großartig.“

dpa/sid

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