Löw schickt Spieler in Regeneration

Bierhoff gibt zu: "Eher Frankreich Favorit"

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Die Chefetage der Nationalmannschaft: Co-Trainer Hansi Flick, Bundestrainer Joachim Löw und Teammanager Oliver Bierhoff (v.l.).

Porto Alegre - Geschlaucht, aber vor allem erleichtert kehrte die DFB-Elf zurück ins Campo Bahia. Die großen Probleme beim Sieg gegen Algerien wollte Bundestrainer Löw nicht weiter thematisieren.

Auf dem dreistündigen Rückflug zurück ins deutsche WM-Basiscamp nach Porto Segura wollten sich die WM-Viertelfinalisten um den überragenden Manuel Neuer mit dem nächsten Gegner Frankreich noch nicht all zu viel beschäftigen. Zu sehr steckte noch das schwer erkämpfte und glückliche 2:1 gegen Algerien in Köpfen und Beinen. Wichtig und entscheidend ist, dass man weiterkommt“, betonte Bundestrainer Joachim Löw, der sich zunächst nicht weiter mit den großen Probleme seines Teams in den 120 Achtelfinal-Minuten gegen den krassen Außenseiter Algerien beschäftigen wollte.

Zu viel Enttäuschung über die Zitterpartie von Porto Alegre mit den später Toren von André Schürrle (92. Minute) und Mesut Özil (119.) ließ Löw nicht zu. „Soll ich jetzt nach dem Weiterkommen unter die letzten Acht stark enttäuscht sein? Wäre das angebracht? Wir haben natürlich gesehen, dass wir in der ersten Halbzeit nicht gut gespielt haben. Aber solche Spiele gibt es bei jedem Turnier, in denen man den unbedingten Willen haben muss, in die nächste Runde zu kommen“, sagte der Bundestrainer. Und Per Mertesacker, Abwehrchef der deutschen Fußball-Nationalmannschaft unterstrich: „Wir sind unter den letzten Acht und das ist heute alles, was zählt.“

„Solche Spiele müssen manchmal sein, wenn man nach ganz oben kommen möchte“, meinte Torwartcoach Andreas Köpke, der 1996 in England als Aktiver am EM-Triumph und damit auch am letzten deutschen Titelgewinn beteiligt war. Dennoch sieht Oliver Bierhoff, der damalige Golden-Goal-Schütze im Finale gegen Tschechien, das aktuelle deutsche Team in Brasilien vor dem Viertelfinale am Freitag in Rio de Janeiro nicht in der Pole Position: „Im Moment kann man eher Frankreich in der Favoritenrolle sehen.“

Für Neuer, der als mitspielender Torwart mit risikovollen, aber gelungenen Rettungstaten mehrmals das deutsche Team im Spiel hielt, ist Frankreich „die stabilste Mannschaft im Turnier. Das ist keine einfache Aufgabe für uns“, erklärte der Münchner und verwies zudem auch den höheren Kräfteverschleiß gegenüber dem Kontrahenten um den Halbfinal-Einzug: „Wir mussten in die Verlängerung gehen und das ist ärgerlich, wenn man sieht, dass Frankreich 2:0 gewonnen hat und das auch in der regulären Zeit.“

Löw wehrte sich gegen eine zu negative Bewertung des Achtelfinalsiegs gegen aufmüpfige und voll motivierte Algerier. „Wir hatten eigentlich nur in der ersten Halbzeit Probleme, unser Spiel aufzuziehen. Da hatten wir viele Ballverluste und einfache Fehler, mit denen wir den Gegner zu Kontern eingeladen haben“, meinte der DFB-Chefcoach. Seinem geschlauchten Personal gönnt Löw nun erst einmal ein, zwei Tage Regeneration, bevor es im Detail in die Frankreich-Vorbereitung geht.

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Joachim Löw (Bundestrainer, im ZDF): „Nach so einem Spiel muss man durchschnaufen. Das war am Ende ein Sieg der Willenskraft. In der ersten Halbzeit haben wir uns schwer getan und viele Bälle verloren, in der zweiten Halbzeit und der Verlängerung waren wir dann schon die bessere Mannschaft. Wir hatten viele Chancen, deren Torwart ist teilweise über sich hinausgewachsen.

Aber Algerien hat oft unser Pressing umgangen und lange Bälle gespielt. Da waren wir sehr anfällig, und die haben das richtig gut gemacht. Da war es gut, dass Manuel die Bälle abfangen konnte, das ist sein Spiel.

Solche Spiele gibt es bei einem Turnier, wo man sich durchkämpfen muss. Auch andere Mannschaften wie Brasilien haben sich schwer getan, das ist kein Spaziergang. Unsere Stärke ist auch die Flexibilität. Heute haben wir wieder frische Spieler gebracht, die der Mannschaft geholfen haben.

Bastian Schweinsteiger hat erst das zweite Spiel von Anfang an gemacht, auch Sami Khedira hatte nicht so viel Praxis. Da muss man jetzt gucken, wie die Spieler bis zum nächsten Spiel regenerieren.“

Philipp Lahm (Kapitän): „Wir wussten von Anfang an, dass es eine schwierige Aufgabe ist. Wenn wir die Chancen nicht machen, ist es schwer, es in 90 Minuten zu machen. Sie haben gut verteidigt. Dann ist es nicht leicht, sich Chancen zu erarbeiten. Im Konter waren wir heute nicht so gut. In der zweiten Halbzeit hatten wir Riesen-Möglichkeiten, dann muss man halt den Sack zumachen.“

Andre Schürrle: „Wir hätten es auch lieber anders geregelt, aber Algerien hat es heute gut gemacht und uns von Anfang an gestört. Wir haben uns vor allem anfangs schwer getan, am Ende hätten wir aber schon in der regulären Spielzeit das Tor machen müssen. Aber egal wie, wir sind im Viertelfinale. Gegen Frankreich reicht das auf keinen Fall, die sind offensiv stärker, da müssen wir uns steigern. Aber ich bin zuversichtlich. Bei meinem Hackentor war Glück mit dabei, aber ich wollte den schon so aufs Tor bringen.“

Manuel Neuer: „Ich habe meine Spielweise nicht verändert. Ich spiele öfter so. Das hat der Platz hergegeben, weil es ein bisschen nass war. Alles ist zu erklären, wenn man es vernünftig analysiert. Mit Frankreich wartet eine harte Aufgabe auf uns. Als der Andre kam, war ein bisschen Zug drin. Das hat Schwung gebracht, das tat uns gut. Wir müssen zielstrebiger nach vorne spielen.“

Per Mertesacker:Mir ist völlig wurscht wie, wir sind unter letzten Acht, und nur das zählt. Glauben Sie, unter den letzten 16 ist eine Karnevalstruppe?! Was wollen Sie? Wollen Sie eine erfolgreiche WM oder wollen Sie ausscheiden? So kurz nach dem Spiel kann ich die ganze Fragerei nicht verstehen. Wir sind weiter, wir sind happy. Die haben uns nichts geschenkt. Wir haben gekämpft bis zum Ende. Ich lege mich jetzt drei Tage in die Eistonne, dann analysieren wir das Spiel und dann sehen wir weiter.“

Oliver Bierhoff (Teammanager): „Man hat gesehen, wie die Jungs gefightet haben. Es war am Ende ein glücklicher, aber verdienter Sieg. Frankreich ist ein noch härterer Gegner, wir können uns jetzt immer weniger erlauben und müssen noch einige Dinge verbessern. Man sieht aber immer, dass wir einige Chancen herausspielen, auch wenn es nicht so gut läuft. Und wenn wir weiter effektiv spielen und gewinnen, passt mir das auch. Auch wenn es nicht ganz so leicht aussieht wie in anderen Spielen.“

Madjid Bougherra (Algerien): „Ich bin schon sehr stolz auf diese Mannschaft. Wir haben der ganzen Welt gezeigt, dass Algerien eine tolle Mannschaft besitzt. Spätestens jetzt kennen alle unsere Qualitäten. Wir haben bis zum Ende alles gegeben. Es war eine tolle WM von uns.“

dpa/SID

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