Die Verlierer einer Winter-WM: Gründe der Katar-Gegner

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FIFA-Präsident Joseph Blatter erhält für die Planung einer Winter-WM mächtig Gegenwind. Foto: Walter Bieri

Die Fußball-WM 2022 in Katar ist für die FIFA ein PR-Desaster. Und das schon seit der Vergabe 2010. Nun legt das Exekutivkomitee den genauen Termin fest und wieder ist Kritik von vielen Seiten gewiss. Die Reihe der Gegner eines Winterturniers am Golf ist lang.

Zürich (dpa) - Wenn sich die 25 Mitglieder des FIFA-Exekutivkomitees am Donnerstag und Freitag in der imposanten Weltverbands-Zentrale auf dem Zürichberg treffen, fällen sie eine für den Fußball bislang einmalige Entscheidung.

Die Weltmeisterschaft soll 2022 in den Monaten November und Dezember stattfinden - das ist praktisch sicher. Getüftelt wird noch an dem genauen Zeitplan, inklusive Finaldatum. Wie knapp vor Weihnachten wird der WM-Pokal vergeben, lautet eine der Fragen. Die Kritik an dem Winterturnier wird auf jeden Fall bleiben. Die Liste der Gegner ist lang und die Argumente sind vielfältig.

Die Top-Ligen: Europas beste Fußball-Ligen machten massiv Front gegen ein Winterturnier. Angeführt von der englischen Premier League, deren Milliardenbetrieb durch ein Turnier im November/Dezember am meisten gestört wird. Schließlich ist sogar der Spieltag mit Kultstatus am 26. Dezember (Boxing Day) in Gefahr. Auch die Deutsche Fußball Liga ist unglücklich, besonders Ligapräsident Reinhard Rauball ist einer der schärfsten Kritiker der Katar-WM. Der Kompensationsstreit mit der FIFA läuft schon mehr oder weniger öffentlich, schließlich drohen enorme Einnahmeverluste bei Sponsoring- und TV-Verträgen.

Die Vereine: Eine Winter-WM trifft nicht nur die Spitzenclubs, die vertreten durch die European Club Association ECA unter dem Vorsitz von Bayern-Boss Karl-Heinz Rummenigge gut organisiert sind. Eine wohl notwendige Spielpause von Ende Oktober bis Mitte Januar würde gerade auch kleinere Bundesliga-Teams und die Zweitligisten treffen, denen über einen ungewohnt langen Zeitraum zum Beispiel Zuschauereinnahmen fehlen werden. Große Vereine wie der FC Bayern oder Schalke 04 hatten allerdings keine guten Argumente gegen eine Katar-WM - sie machen im Emirat am Golf seit langem gerne ihr Wintertrainingscamp.

Die UEFA: Europas Fußball-Kontinentalverband ist in einer eigenartigen Situation, man könnte diese auch als ein Dilemma bezeichnen. Eine Winter-WM in Katar beschädigt das eigene Premium Produkt Champions League und kostet womöglich Millionen. Normalerweise endet im November und Dezember die Gruppenphase. Doch laute Kritik kann man nicht üben. Der eigene Präsident, Michel Platini, ist der größte Fan der Katar-WM und hat auch schon lange für eine Winter-Option plädiert - allerdings für den wegen Olympia letztlich unmöglichen Termin im Januar/Februar 2022.

Die Wintersportverbände: Skiverbandspräsident Gian-Franco Kasper macht schnell mobil. "Die FIFA denkt, dass sie Götter sind, und handelt auch dementsprechend. Die kümmern sich um gar nichts", moserte der Schweizer Spitzenfunktionär. Rodel-Boss Josef Fendt nannte das Kind beim Namen. Durch eine Fußball-WM in der Wintersport-Zeit sinken die eigenen Einnahmen, wegen des nicht vermeidbaren Einbruchs "bei den bislang immer sehr guten TV-Quoten". Fendt weiß: Niemand interessiert sich für Rodeln in Sigulda, wenn Deutschland um den WM-Pokal spielt.

Die TV-Sender: Fußball im Fernsehen ist ein Milliardengeschäft. ARD und ZDF haben sich schon die Rechte für die Turniere 2018 und 2022 gesichert und müssen nun schauen, wie sie eine Kollision mit dem ebenfalls ausführlich übertragenen Wintersport vermeiden. "Wenn es so kommt, wird es Parallelitäten geben", sagte ZDF-Sportchef Dieter Gruschwitz. Der Sender Fox, Inhaber der USA-Rechte für 2022, bekam überraschend von der FIFA schon die Lizenz für 2026 - als günstiges Kompensationsgeschenk, wird gemutmaßt. In den USA ist nämlich im Winter Prime Time für Football, nicht für Soccer.

Die Kirchen: Der EKD-Ratsvorsitzende Wolfgang Huber äußerte sich in der ARD-Sendung "Hart aber Fair" deutlich: "Das FIFA-Gremium weiß offensichtlich nicht, wann Weihnachten ist." Der Sportbischof der Deutschen Bischofskonferenz Jörg Michael Peters drückte sich etwas moderater aus: "Es gibt Gründe, dass die Fußball-WM nicht im Sommer stattfinden kann, das wurde lange diskutiert. Wir gehen davon aus, dass das Endspiel nicht am Heiligabend oder ersten Feiertag stattfindet." Fest steht: Die Adventszeit ist Kirchen-Hochsaison. König Fußball könnte den besinnlichen Charakter stören.

Die Fans: Wer sich eine WM-Reise ins im November und Dezember frühlingshafte Katar nicht leisten kann, wird um ein Sommermärchen gebracht. Keine Grillfeste mit Großbildleinwand, kein Public Viewing an lauen Juli-Abenden. Stattdessen aber Glühwein-Partys auf dem Weihnachtsmarkt. Bommelmütze und Fäustlinge werden als Fanutensilien gefragt sein.

FIFA WM-Homepage 2022

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