Club ärgert Ex-Coach Hecking

Doppelschlag rettet Nürnberg Punkt

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Nürnbergs Per Nilsson (2.v.r) bejubelt mit den Kollegen seinen Treffer zum 2:2 gegen den VfL Wolfsburg

Wolfsburg - Mit einem Doppelschlag binnen fünf Minuten hat der 1. FC Nürnberg in einem bereits verloren geglaubten Spiel bei seinem Ex-Trainer Dieter Hecking noch einen Punkt gerettet.

Dieter Hecking verschwand unter dem Spott seiner ehemaligen Fans sofort in die Kabine, sein Nachfolger Michael Wiesinger klatschte dagegen freudestrahlend all seine Spieler ab und ließ sich in der Kurve feiern: Das erste Wiedersehen mit dem 1. FC Nürnberg wird Wolfsburgs Trainer Hecking als ungemütlicher Ostersonntag in Erinnerung bleiben. Zunächst musste er sich nach einer 2:0-Pausenführung mit einem 2:2 begnügen, dann verabschiedeten ihn die „Club“-Fans mit höhnischen „Hecking raus“-Rufen.

„Ich bin maßlos sauer“, sagte Hecking, sprach dabei allerdings nicht über die Fans, sondern über seine eigenen Spieler. „Wenn man 2:0 führt, die Chance zum 3:0 hat und der Gegner mausetot ist, darf man ihn nicht so stark machen“, meinte der 48-Jährige: „Es ist immer dasselbe Spiel bei uns, das zieht sich wie ein roter Faden durch die Saison.“

Im Winter hatte der Coach die Franken in Richtung Wolfsburg verlassen, doch nun steckt er mit dem ambitionierten VfL im unteren Tabellen-Mittelfeld fest. Nürnberg ist dagegen unter Heckings Nachfolger Michael Wiesinger seit acht Spielen ohne Niederlage. Angesichts von elf Zählern Vorsprung auf den Relegationsrang und nur vier Punkten Rückstand auf einen Europa-League-Platz darf sich der Club im Saisonfinale sogar eher nach oben orientieren. Nachdem Diego (2.) und Ivica Olic (27.) den VfL in Führung gebracht hatten, sorgten Timmy Simons (61.) und Per Nilsson (66.) für den Ausgleich. Tomas Pekhart hatte sogar den Siegtreffer für die Gäste auf dem Kopf, traf aber nur die Latte (83.).

„Wenn das 0:3 gefallen wäre, wären wir wahrscheinlich weg gewesen“, meinte Wiesinger mit Blick auf einen Pfostenschuss von Patrick Helmes in der 45. Minute: „Aber so haben wir Moral gezeigt. Was mir sehr gefallen hat, war, dass die Mannschaft nach dem 2:2 den Sieg wollte. Mit ein bisschen Glück hätten wir das Ding auch gewonnen, aber das wäre aufgrund der ersten Halbzeit nicht gerecht gewesen.“ Olic konnte mit dem Unentschieden leben. „Die zweite Halbzeit war sehr, sehr schlecht. Am Ende können wir froh sein, dass wir noch einen Punkt geholt haben“, sagte er.

Vor 25.524 Zuschauern hatte sich Hecking für das Wiedersehen etwas ausgedacht. Gleich auf sechs Positionen veränderte er sein Team im Vergleich zum 1:1 gegen Fortuna Düsseldorf. Zudem traten die Wölfe erstmals mit einer Raute im Mittelfeld und zwei Stürmern an. Neben Olic kam der ehemalige Nationalstürmer Helmes nach 330 Tagen wieder zu einem Startelf-Einsatz.

In der Saisonvorbereitung hatte sich der 29-Jährige seinen zweiten Kreuzbandriss zugezogen. Bisher war er nur zu einem Kurzeinsatz gegen Bayern München gekommen. Auch der Serbe Slobodan Medojevic kam überraschend zu seinem Bundesligadebüt - 15 Monate, nachdem er unter Felix Magath nach Wolfsburg gekommen war.

Und die Umstellungen brachten schnellen Erfolg: Nach nur wenigen Sekunden brachte Spielmacher Diego die runderneuerten Heimelf mit einem sehenswerten Freistoß in Führung, nicht minder spektakulär traf später Olic. Mit seinem starken linken Fuß schlenzte er den Ball aus 25 Metern unhaltbar in den Winkel. (27.)

Die zuletzt gescholtene Offensive der Wölfe zeigte sich durch die Umstellung deutlich verbessert. Diego hatte deutlich mehr Anspielstationen, häufige Positionswechsel stellten die Gäste vor große Probleme. In der Nachspielzeit hätte Helmes die Führung sogar noch ausbauen können, sein Linksschuss traf jedoch nur den Pfosten.

Die Gäste hatten in den ersten 45 Minuten große Probleme, Zugriff auf das Spiel zu bekommen. Nur der in die Sturmspitze gerückte Alexander Esswein hatte in der fünften Minute eine ernstzunehmende Torchance. Zu häufig versuchten es die Nürnberger durch die Mitte, der Platz auf der linken Angriffsseite wurde selten genutzt.

Nach der Pause übernahmen die Gäste das Kommando. Deutlich aggressiver drängten sie auf das Wolfsburger Tor. Vor allem die Außenverteidiger Hanno Balitsch und Javier Pinola zeigten mehr Offensivdrang und verlagerten das Spiel in die Breite.

Die Wolfsburger leisteten sich dagegen bei eigenem Ballbesitz zu viele Fehler und konnten das Spiel kaum beruhigen. Folgerichtig fiel das 1:2 - ebenfalls mehr als sehenswert. Simons schoss aus fast 30 Metern volley in den Winkel. Das 2:2 wenig später nach einem Freistoß war in einer immer hitziger werdenden Partie zu diesem Zeitpunkt durchaus verdient. Hecking brachte in Bas Dost einen dritten Stürmer, es nutzte aber nichts.

Beim VfL überzeugten vor allem Olic und Jan Polak, bei den Gästen die Torschützen Simons und Nilsson.

sid

 

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