Beckenbauer gratuliert

Egidius Braun: Großer Bahnhof zum 90.

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Franz Beckenbauer (l.) gratulierte Egidius Braun zum 90. Geburtstag.

Hennef - In einer Feierstunde beging der deutsche Fußball am Freitag den 90. Geburtstag von DFB-Ehrenpräsident Egidius Braun in der Sportschule Hennef.

Der „Kaiser“ sorgte mal wieder für die launigste Begrüßung zur Feierstunde am 90. Geburtstag von Egidius Braun. „Und beim 100. sind wir alle wieder da“, sagte Franz Beckenbauer zum Jubilar aus Aachen, der beim festlichen Empfang in der Sportschule Hennef vor Rührung einige Tränen der Freude verdrückte.

Nicht nur die Spitze des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) mit Präsident Wolfgang Niersbach und des Ligaverbandes mit Chef Reinhard Rauball waren gekommen, sondern auch der langjährige Braun-Freund und UEFA-Ehrenpräsident Lennart Johansson, der aus Stockholm angereist war, um dem DFB-Ehrenpräsidenten an seinem Geburtstag die Ehre zu erweisen. „Ich danke für die gemeinsame Zeit und werde nie vergessen, wie oft wir gemeinsam gesungen haben, auch wenn ich den Text nicht konnte und nur Lalala herausgebracht habe“, sagte Johansson in seiner auf englische vorgetragenen Rede. Braun meinte sichtlich bewegt zum Abschluss der Veranstaltung: „Es war zu schön, was ich hier erlebt habe. Ich danke euch allen, da gewesen zu sein.“

Niersbach, der einen Scheck über 5000 Euro für die Mexiko-Hilfe an Braun überreichte, wies in seiner Laudatio auf die großen Verdienste des umtriebigen Vollblutfunktionärs hin. „Sie waren das soziale Gewissen des deutschen Fußballs. Sie haben tiefe Spuren hinterlassen und gezeigt, dass Fußball in der Tat mehr als ein 1:0 ist“, sagte der DFB-Chef. Braun war mit minutenlangem Applaus von den rund 120 Ehrengästen aus Deutschland und der ganzen Welt begrüßt worden, als der nach einem Herzinfarkt vor 15 Jahren gesundheitlich angeschlagene Jubilar mit Ehefrau Marianne den Saal betrat.

90 Persönlichkeiten zum 90. Geburtstag

90 Persönlichkeiten aus Politik, Sport und Medien hatten Braun zuvor zum Ehrentag in persönlichen handschriftlichen Geburtstagsgrüßen, die in einem Buch gebunden wurden, gratuliert. „Herzlichen Glückwunsch zum 90. Geburtstag, verbunden mit einem Dank für alles, was Sie für den Fußball getan haben. Besonders erinnere ich mich an Ihre große Bereitschaft, Jugendprojekte in Deutschland zu fördern“, schrieb beispielsweise Bundeskanzlerin Angela Merkel. Unter den Anwesenden in Hennef befanden sich der frühere Innenminister Otto Schily sowie die Ex-Nationalspieler Wolfgang Overath, Toni Schumacher, Hans-Peter Briegel, Rudi Völler und Thomas Berthold sowie Ex-Bundestrainer Berti Vogts.

Auch der ehemalige ukrainische Verbands-Präsident Grigori Surkis war zum Ehrentag des Aacheners angereist. Braun war von 1992 bis 2001 in der Nachfolge von Hermann Neuberger Präsident des Deutschen Fußball-Bundes (DFB). Er gilt als Initiator der sozialen Aktivitäten des größten Sportfachverbandes der Welt (6,8 Millionen Mitglieder). Die DFB-Stiftung, die alle sozialen Aktivitäten des Verbandes bündelt, trägt seinen Namen.

Braun mitverantwortlich für das WM-Sommermärchen

„Als Kind wollte ich Lokomotivführer werden, Weichensteller bin ich geworden“, sagte Braun gerne über sich. Seinem UEFA-Netzwerk war es schließlich auch zu verdanken, dass Deutschland Gastgeber der WM 2006 wurde. Ohne Braun wäre das Sommermärchen nicht möglich gewesen. Dank seiner Beharrlichkeit votierten bei der Abstimmung im Jahr 2000 alle acht europäischen Vertreter im Exekutivkomitee des Weltverbandes FIFA für Deutschlands Bewerbung. Das war entscheidend.

Thomas Bach, Präsident des Internationalen Olympischen Komitees (IOC), formulierte in seiner schriftlichen Grußadresse an Braun: „Sie haben allen Anlass am heutigen Tage einmal mehr stolz, auf Ihre große Lebensleistung zurückzublicken. Aber wie ich Sie kenne, schmieden Sie lieber Pläne für die Zukunft - das hat Sie so erfolgreich und gleichzeitig so sympathisch gemacht.“ Auch Bundestrainer Joachim Löw gehörte zu den schriftlichen Gratulanten: „Lieber Egidius Braun, herzlichen Glückwunsch zum 90. Geburtstag. Danke für alles, was Sie für den Fußball, die Menschen und die vielen Kinder getan haben. Das ist einfach großartig.“

Bewegende Worte fanden der ehemalige französische Polizist Daniel Nivel, der von deutschen Hooligans bei der WM 1998 in Frankreich in Lens ins Koma geprügelt wurde, und seine Ehefrau Lorette: „Was Daniel widerfahren ist, hat Sie zutiefst erschüttert. Sie haben sich immer um seinen Zustand gekümmert, und der Kontakt ist nie abgerissen. Ohne uns zu kennen, sind Sie zu uns gekommen. Bei unserer ersten Begegnung sprachen die Augen mehr als die Worte.“

sid

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