Schon drei Referees patzten

Eklatanter WM-Fehlstart für die Schiedsrichter

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Der Kolumbianer Wilmar Roldan  (l.) erkannte den Mexikanern im Spiel gegen Kamerun zwei reguläre Tore ab.

Rio de Janeiro - Was für ein Fehlstart! Die Schiedsrichter stehen bei der WM bereits nach vier Spielen heftig in der Kritik. Nach dem Japaner Nishimura im Eröffnungsspiel patzten am zweiten Turniertag auch weitere Kollegen.

 Die Vorbereitung war so professionell wie nie, der Ertrag bislang aber genauso ernüchternd wie 2010. Vier Jahre nach der von eklatanten Fehlentscheidungen begleiteten Südafrika-WM stehen die Schiedsrichter auch bei der Weltmeisterschaft in Brasilien früh am Pranger. Nach gerade einmal zwei Turniertagen haben sich die Patzer der Unparteiischen bereits derart gehäuft, dass Referee-Boss Massimo Busacca hektische Tage bevorstehen, will er seiner geplanten Linie treubleiben. „Wir werden jeden Auftritt genau analysieren“, hatte der bei der FIFA für die Schiedsrichter zuständige Schweizer am Freitag versprochen.

Im Büro des ehemaligen Top-Spielleiters werden sich in den kommenden Tagen die Schiedsrichter die Klinke in die Hand geben. Als erster durfte der Japaner Yuichi Nishimura mit gesenktem Haupt erscheinen, nachdem der falsche Elfmeterpfiff des Asiaten im Eröffnungsspiel zwischen Brasilien und Kroatien zugunsten der Gastgeber die Fußball-Welt in Aufregung versetzt hatte.

Aber auch der Kolumbianer Wilmar Roldan und der Italiener Nicola Rizzoli werden sich vor Busacca verantworten müssen. Roldan hatte beim 1:0-Erfolg Mexikos gegen Kamerun im ersten Abschnitt einen regulären Treffer von Giovani dos Santos wegen einer angeblichen Abseitsstellung nicht anerkannt. Rizzoli versäumte es, den dritten niederländischen Treffer von Stefan de Vrij beim 5:1-Kantersieg gegen Titelverteidiger Spanien abzuerkennen, obwohl Spaniens Torwart Iker Casillas von Robin van Persie im Strafraum deutlich behindert wurde. Zum Glück für die Pfeifenmänner hatten die Patzer keine Auswirkungen auf den Ausgang der Partien. Ärgerlich waren sie dennoch.

Dabei hatte die FIFA im Vorfeld riesige Anstrengungen unternommen, um die Referees optimal auf die Titelkämpfe am Zuckerhut vorzubereiten. Bereits vor der Club-WM in Japan 2011 gab es den ersten Lehrgang, insgesamt organisierte der Fußball-Weltverband mehr als 20 Seminare für die möglichen Kandidaten aus aller Welt. „Wir sind das 33. Team in Brasilien“, wurde Busacca nicht müde zu betonen.

Bereits am 31. Mai machten sich der deutsche Unparteiische Felix Brych und seine Kollegen auf den Weg nach Rio, nur die Australier trafen noch früher in Brasilien ein. In einem Abschlusslehrgang sollten die 25 auserwählten Schiedsrichter-Trios den Feinschliff für das Turnier der „Herausforderungen“ bekommen, wie Brych das Weltturnier in Südamerika bezeichnet hatte.

Doch nun scheint sich wieder zu bewahrheiten, was viele Kritiker schon seit langem sagen: Dass der moderne Fußball zu schnell und anspruchsvoll für die Schiedsrichter geworden ist. Vor allem dann, wenn diese wie bei der WM nach einem bestimmten Schlüssel auf alle Konföderationen verteilt und nicht ausschließlich nach Leistung nominiert werden.

Doch immerhin wurde den Kritikern an jenem System im letzten Spiel des zweiten Tages keine neue Munition geliefert. Beim 3:1 von Chile gegen Australien bot Noumandiez Doue aus der Elfenbeinküste eine tadellose Leistung. Er ist der bislang einzige Schiedsrichter, der der Analyse mit dem strengen Busacca gelassen entgegenblicken darf.

dpa

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