DFB-Kapitän will für die EM fit sein

Schweinsteiger: "Vor zwei Jahren ging's mir schlechter"

+
Ein letztes großes Turnier? Bastian Schweinsteiger will bei der EM 2016 in Frankreich das DFB-Team wieder als Kapitän anführen.

Ascona – Bastian Schweinsteiger will es bei der EM 2016 in Frankreich noch einmal wissen. Für sein wohl letztes großes Turnier verspricht der DFB-Kapitän fit zu sein.

Joachim Löw hat eine spezielle Art, Verletzungen von Spielern zu verkündigen. Eher beiläufig – und so formuliert, dass es nicht dramatisch klingt. Beispiel Mats Hummels, Position Abwehrfelsen. „Der Mats hat im Pokalfinale übrigens einen kleinen Muskelfaserriss in der Wade erlitten“, sagt der Bundestrainer. Und im nächsten Satz: „Fürs Turnier sehe ich aber keine Gefahr.“ Die EM fängt für die Deutschen freilich auch erst am 12. Juni an, doch wohl bis nahe an dieses Datum wird der Innenverteidiger ausfallen. Ein Schatten über der Vorbereitung im Tessin.

Derzeit kann sogar Bastian Schweinsteiger mehr machen, der ja längst wahrgenommen wird als der ewige Patient. Der Kapitän ist im Lauftraining, immerhin. Jegliche Übungsformen mit der Mannschaft „und alles, was ein Risiko wäre“ (Löw), muss er noch unterlassen. Doch er hat von einem Besuch bei seinem Leibarzt Dr. Hans-Wilhelm Müller-Wohlfahrt mit MRT-Untersuchung die Botschaft mitgebracht: „Das Knie sieht gut aus.“

Man hat genau hingesehen, wie Bastian Schweinsteiger zur Eröffnung des Trainingslagers im Tessin auf das Pressekonferenz-Podium gestiegen ist – das sah flüssig und nicht nach bevorstehendem Invalidentum aus. Zum dritten Mal in Folge ist Schweinsteiger nun in die Situation geraten, dass er als Pflegefall in die Turniervorbereitung gehen muss. Bei der EM 2012 hat sein Mitwirken die Mannschaft eher gebremst, 2014 jedoch wuchs er von der Leid- zur Leitfigur. Jetzt sagt er: „Vor zwei Jahren ging’s mir schlechter.“

Ende März war sein letztes Spiel, dann hat er sich beim Training der Nationalmannschaft in Berlin (vor dem England-Länderspiel) das Innenband im Knie gerissen. Es war die zweite Verletzung in einer Saison, von der er glaubt, die ersten Monate sei sie noch ganz gut gelaufen. Er hat im Sommer 2015 ja den großen Wechsel vollzogen, von seinem FC Bayern zu Manchester United, zu seinem Förderer aus Münchner Zeiten, zu Louis van Gaal. Doch zum zweiten Mal hat Schweinsteiger nun auch miterleben müssen, wie sein Leib- und Magen-Trainer gefeuert wurde. Anfang der Woche musste der streitbare Niederländer gehen.

„Zu Louis van Gaal“, sagt Schweinsteiger, „möchte ich ein paar Worte verlieren.“ Natürlich keine schlechten. „Auch wenn man mal nicht einer Meinung war: Ich habe ihm viel zu verdanken, er hat mich bei Bayern ins zentrale Mittelfeld gestellt, wir hatten ein Superverhältnis.“ Bei United, das sei eine schwere Saison gewesen, „die aber mit einem versöhnlichen Titel endete. Zwölf Jahre hat United den Pokal nicht gewonnen.“ Dass van Gaal ihn holte, das bleibt.

Langweilig wird es in Manchester auch ohne den Exzentriker van Gaal nicht. Pep Guardiola, der Schweinsteiger aus dem Arbeitsverhältnis beim FC Bayern gedrängt hatte, wird Trainer beim Ortsrivalen City. Und bei United steht Jose Mourinho vor den Toren. Mehr Spektakel auf engem Raum geht nicht, „es herrscht unglaubliche Fußballbegeisterung in der Stadt“, spürt Schweinsteiger. Für Jose Mourinho ist er offen. Eine letzte große Erfahrung könnte das sein in seiner Karriere: „Welcher Spieler möchte nicht mal gerne unter Jose Mourinho trainieren?“ Der Portugiese, der sich in seiner Rolle als Ekel manchmal schon sehr gefällt, hat auch seine herzlichen Momente – und in jenen hat er über deutsche Spieler und speziell Bastian Schweinsteiger immer gut gesprochen.

Entscheiden muss sich nun noch, ob Schweinsteiger zu seinem Klub von der Europameisterschaft zurückkehrt oder aus einem langen Urlaub. „Aufgeben gibt es bei mir nicht“, hat er in Ascona am Lago Maggiore noch einmal klargestellt, dass er es zum Turnier schaffen will. Und Co-Trainer Thomas Schneider versichert, nachdem er „mit Basti ein paar Bälle gespielt hat: „Es sieht sehr, sehr gut aus.“ Allerdings scheint Löw auch bereit zu sein, den Kapitän am 31. Mai um 24 Uhr bei der UEFA nicht zu melden, wenn die Genesung nicht wie gewünscht verläuft. „Wir leben von der Ausgewogenheit“, sagt der Bundestrainer, „und wenn jemand ausfallen sollte, dann wird für ihn ein anderer spielen.“ Das ist für Löws Verhältnisse eine sehr direkte Aussage.

Mehr zum Thema:

auch interessant

Meistgelesen

Schmutzige Geldgeschäfte von Ronaldo, Özil und Co. enthüllt
Schmutzige Geldgeschäfte von Ronaldo, Özil und Co. enthüllt
Gegenwind für BVB-Coach Tuchel
Gegenwind für BVB-Coach Tuchel
FC Barcelona gegen Real Madrid: So endete der Clasico
FC Barcelona gegen Real Madrid: So endete der Clasico
Britischer Fußballskandal: 350 mutmaßliche Missbrauchsopfer
Britischer Fußballskandal: 350 mutmaßliche Missbrauchsopfer

Kommentare