Wenn sich nichts ändert, sieht's nicht gut aus

Jogi Löw: Mannschaft muss bis zur EM 2016 Gas geben

+
Aneinander vorbei: Nach wiederholten Negativschlagzeilen strich Jogi Löw Max Kruse aus seinem Kader. 

München - Zum Start ins EM-Jahr hat Bundestrainer Joachim Löw viele Brandherde: Schlüsselspieler sind nicht in Schuss und Skandalstürmer Kruse warf er raus. 

Den ersten Sieg 2016 hat Joachim Löw bereits gefeiert, ehe seine Nationalelf das erste Mal das Spielfeld betreten hat. Gegner war die Elfenbeinküste, das Spiel drehte sich dabei aber nicht vordergründig um den Ball, Tore und Titel. Sondern um ein Ja-Wort. Jonathan Glao Tah hätte auch für die Ivorer auflaufen können, er entschied sich aber für den Bundesadler.

Er sei „ein bisschen sprachlos“ gewesen, als er den Bundestrainer am Telefon hatte, sagte Leverkusens Innenverteidiger nach seiner Nominierung. Der 20-Jährige ist bei den Testländerspielen gegen England am Samstag in Berlin (20.45 Uhr/ZDF) und am Dienstag in München (20.45 Uhr/ARD) der einzige Debütant im 27er-Kader des DFB. Löw verglich ihn im Gespräch mit dem „sid“ mit dem jungen Jerome Boateng: „Er war in seinem Alter ähnlich.“ Der Bayern-Star wurde inzwischen Weltmeister und Champions League-Sieger. Es ist also viel drin für Tah.

„Verbessern wir uns nicht, wird’s schwer“

Jogi Löw kommt ein vielversprechendes Talent in diesen Tagen auch gelegen; zum Start ins EM-Jahr hat er ansonsten genug Brandherde zu moderieren. Vor ein paar Wochen zeichnete Sami Khedira ein düsteres Bild vom aktuellen Niveau des Teams, und er könne seinem Routinier da gerade nur beipflichten, sagte der Bundestrainer: „Er liegt da sicherlich nicht verkehrt. Wenn wir unsere Form beim Turnier in Frankreich nicht verbessern, wird’s schwer.“

Acht Wochen sind es noch bis zum Saisonende, bis dahin stehen die Nationalspieler besonders unter Beobachtung. Für die beiden aktuellen Tests habe er auch bewusst so viele Spieler nominiert, um allen noch mal ins Gewissen zu reden. Die beiden Top-Gegner seien ebenfalls gezielt ausgewählt worden: „Das ist eine Einstimmung auf das, was uns bei der EM erwartet. Beide gehören zu den besten Mannschaften in Europa und zum EM-Favoritenkreis.“

Max Kruse erfuhr als Erster, dass die Zügel angezogen werden; der Wolfsburger hat zuletzt eine Negativschlagzeile nach der anderen produziert. Nachdem letzte Woche bekannt wurde, dass er in einem Taxi 75 000 Euro liegen ließ, drang nun durch, dass er seinen 28. Geburtstag bis frühmorgens gefeiert und dabei noch eine Reporterin attackiert hatte. Die Wolfsburger bestellten den Stürmer bereits mehrfach zum Rapport und brummten ihm unter anderem 25 000 Euro Geldstrafe auf. Auch Löw zog die Konsequenzen, er strich Kruse aus seinem Kader. „Er hat sich zum wiederholten Male unprofessionell verhalten. Das akzeptiere ich nicht.“

Mario Götze zählt zu Löws größten Sorgenkindern

Während der Hallodri wackelt, muss sich Mario Götze keine Sorgen machen – dennoch zählt der Torschütze des WM-Finals zu Löws größten Sorgenkindern. Seitdem seine Verletzung verheilt ist, die ihn seit November mattgesetzt hatte, durfte er beim FC Bayern gerade mal 54 Minuten mitmischen. Er reist nun zur Nationalelf vor allem mit dem Wunsch, endlich mal Spielpraxis zu sammeln. Eigentlich gehört das Aufpäppeln der Profis nicht zu den Aufgaben eines Verbands.

Ähnlich verhält es sich im Fall Bastian Schweinsteiger. Ausgerechnet der Mann, den Löw nach Philipp Lahms Abschied zum Kapitän erkoren hat, kommt partout nicht in Schwung. Bei Manchester Uniteds Coup im Derby gegen Manchester City hatte er erneut nur eine Statistenrolle, seine Einsatzminuten auf der Insel sind überschaubar – was auf die Zahl seiner Kritiker nicht zutrifft. Löw, der in der Vergangenheit schon öfter nicht gezögert hat, verdiente Kräfte zu entfernen, hält aber noch nibelungentreu zum Ex-Bayern. „Natürlich muss er körperlich aufholen“, sagte er dem „sid“, im Moment sei der Mittelfeldmotor „nicht bei 100 Prozent, kann er ja auch nicht sein“. Bis zur EM sei jedoch noch lange Zeit, und man dürfe nicht vergessen: „Auch bei der WM 2014 hat er bei uns im Trainingslager kaum eine komplette Einheit mit der Mannschaft absolviert – und dann hatten wir ihn doch so weit, dass er in den wichtigen Spielen präsent war.“ Schweinsteigers Ehrgeiz sei „ungebrochen groß“.

Trotz aller Bekenntnisse sicherte sich Löw aber auch ab: Die Tür für die Talente wie Joshua Kimmich, Julian Weigl, Leroy Sane und Mitchell Weiser sei nicht endgültig geschlossen. „Es kann sein, dass es bei der Nominierung des endgültigen Kaders Überraschungen gibt.“

Vielleicht zaubert er noch einen jungen Schweinsteiger oder Lukas Podolski hervor. Einen jungen Boateng hat er jetzt ja schon. Nur brauchte er den weniger dringend.

Fußball-EM 2016 in Frankreich: Spielplan, Stadien und Themenseite

In unserem Übersichtsartikel finden Sie alle Informationen zur EM 2016 in Frankreich: Spielplan, Termine, Ergebnisse, Gruppen und Kurzporträts der Austragungsorte. Außerdem haben wir alle wichtigen Fakten und Hintergründe zu den Stadien der EM 2016 zusammengestellt. Alle aktuellen Nachrichten erfahren Sie außerdem auf unserer Themenseite zur Fußball-EM 2016 in Frankreich bei tz.de.

Mehr zum Thema:

auch interessant

Meistgelesen

Schmutzige Geldgeschäfte von Ronaldo, Özil und Co. enthüllt
Schmutzige Geldgeschäfte von Ronaldo, Özil und Co. enthüllt
Gegenwind für BVB-Coach Tuchel
Gegenwind für BVB-Coach Tuchel
FC Barcelona gegen Real Madrid: So endete der Clasico
FC Barcelona gegen Real Madrid: So endete der Clasico
Britischer Fußballskandal: 350 mutmaßliche Missbrauchsopfer
Britischer Fußballskandal: 350 mutmaßliche Missbrauchsopfer

Kommentare