Österreich startet in die EM

tz-Interview mit Edi Fingers Sohn: "Mein Vater hätte Alaba geliebt"

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David Alaba

München - "I weer narrisch" gehört zu den Sätzen, die vielen Deutschen noch weh tut. Reporterlegende Edi Finger rief es beim 3:2-Sieg der Österreicher aus. In der tz spricht nun sein Sohn.

Der Vater war eine Reporterlegende. Sein „I weer narrisch“ nach Hans Krankls Siegtreffer zum 3:2 bei der WM 1978 im argentinischen Cordoba gegen Deutschland ist bis heute der vielleicht höchste Ausdruck von Freude, die ein Österreicher je von sich gegeben hat. Sein Sohn Edi Finger jr. trat in die Fußstapfen des Vaters, war u. a. ebenfalls als Reporter für den ORF tätig und ließ damals wie heute immer noch „den Schmäh rennen“. Wer, wenn nicht er, könnte die Stimmung im Nachbarland vor dem heutigen EM-Auftakt von Team Austria besser beschreiben?

Herr Finger, um gleich mal beim Vater zu bleiben: Wie narrisch sind die Österreicher auf die EM?

Sportmoderator Edi Finger jr.

Finger: Die ganz große Euphorie, nämlich, dass wir Europameister werden, ist derzeit nicht mehr da. Weil wir die Testspiele verloren haben. Dank einer völlig depperten Gegnerauswahl des Verbandes. Die Holländer, gegen die wir seit 27 Jahren nicht mehr gewonnen haben und die Türken – das sind Angstgegner von uns. „Gega de spüi i ned“, sagt der österreichische Fan zurecht. Beide Spiele haben wir verloren.

Vielleicht der Dämpfer zur richtigen Zeit…

Finger : A wos. Dämpfer – das ist immer schlecht. Oder glauben Sie, der Hermann Mair hat sich g’freut, wenn er das letzte Rennen vor Olympia nicht g’wonnen hat…

Am Dienstag geht’s gegen Ungarn. Gibt es die alte Rivalität noch?

Finger: Naa. Die Ungarn sind aus dem Blickfeld verschwunden. Österreich ist Favorit und muss gewinnen. Sonst gibt’s bei der Euro für uns gleich ein Problem.

Viele glauben, dass Österreich die beste Mannschaft in seiner Historie besitzt, Sie auch?

Finger: Die beste haben wir bei der WM 1982 gehabt. Leider waren die zwei damaligen Teamchefs, Georg Schmidt und Felix Latzke, die schlechtesten, die wir jemals hatten. Ohne sie wären wir reif für’s Finale gewesen.

Und wie stehen Sie zum heutigen Teamchef Marcel Koller?

Finger: Als er verpflichtet wurde, hielt ich ihn für einen Durchschnittstrainer und dachte, so einen brauchen wir nicht aus der Schweiz zu holen, Durchschnittstrainer haben wir selber. Aber er hat uns alle Lügen gestraft.

Theoretisch wäre ein Finale Deutschland – Österreich drin. Halten Sie es für möglich?

Finger: Auch ein Viertelfinale gegen Deutschland ist schon möglich. Wir träumen nicht vom Finale. Was richtig gute Spieler betrifft, ist unser Kader nämlich sehr eng besetzt. Und diesen so unwahrscheinlich guten Fußball wie in den Qualifikationsspielen, den spielen wir im Moment eh nicht. Ein paar Spieler waren auch verletzt und sind nicht so gut in Form.

Was hätte eigentlich Ihr Vater zu der heutigen Mannschaft gesagt?

Finger: Der wäre begeistert gewesen. Vor allem von David Alaba. Den hätte er geliebt. Andererseits hatte er ein Faible für gute Torhüter, und da wäre er mit den jetzigen Kandidaten nicht so zufrieden gewesen.

Welche Erinnerungen haben Sie an die großen Zeiten der Ungarn?

Finger: Eine ganz besondere. Als ich sieben war und von der Schule nach Hause kam, saß da so a klaans Mantschgerl bei uns in der Wohnung, zusammen mit meinem Vater und dessen berühmten ungarischen Reporterkollegen György Szepesi. Es war Ferenc Puskas, die spätere Nr. 10 von Real Madrid, der gerade nach dem Aufstand 1956 in Ungarn aus seiner Heimat geflohen war. Er blieb für immer mein Hero.

Wenn Österreich bei der EM Deutschland schlagen sollte, ist Cordoba dann endgültig ein alter Hut?

Finger: Cordoba wird nie vergessen sein. Das ist und bleibt unser „Wunder von Bern“.

Wie geht’s aus gegen Ungarn?

Finger: 2:0 für uns.

Wer schießt die Tore?

Finger: Des is mir wurscht.“

tz

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