Er sieht "Knackpunkt für Draxler"

Breitner im tz-Interview: Eine Löw-Entscheidung hat ihn gewundert

+
Paul Breitner.

München - Spanien oder Italien als Gegner im Viertelfinale? Paul Breitner hat nach dem Auftritt der Nationalmannschaft gegen die Slowakei auch vor diesen großen Namen des Weltfußballs keine Angst: das tz-Interview.

Der Welt- und Europameister ist davon überzeugt, dass das DFB-Team mit einer Leistung wie im Achtelfinale auch gegen Spanien oder Italien, wie er im tz-Interview verrät.

Herr Breitner, war der Auftritt der deutschen Mannschaft im Achtelfinale europameisterlich?

Breitner: Ich habe es ja gesagt, dass die Slowakei uns als Gegner nicht zu interessieren braucht! Wir haben im Achtelfinale gesehen, zu was die deutsche Mannschaft in der Lage ist. Mit so einer Spielweise sind wir die absolut beste Mannschaft im Turnier. Darum braucht uns auch jetzt der nächste Gegner nicht zu interessieren.

Im Viertelfinale wartet mit Italien oder Spanien allerdings ein anderes Kaliber auf das DFB-Team…

Breitner: Das ist Wurst! Uns braucht wirklich nicht zu interessieren, wie stark unser Gegner ist. Es geht nur um uns, und wenn wir 90 bis 95 Prozent unserer Leistungsstärke abrufen, dann reicht das für jede Mannschaft – auch für Italien oder Spanien.

Könnte es aber vielleicht ein Nachteil sein, dass Deutschland im Turnier bis jetzt noch nicht gegen eine Top-Mannschaft gespielt hat, wie Italien gegen Belgien oder Spanien gegen Kroatien?

Breitner: Es spielt in der Realität keine Rolle, ob man gegen einen starken Gegner in der Gruppen­phase gespielt hat oder nicht. Die Deutschen haben gezeigt, dass sie sich Schritt für Schritt im Turnier steigern. Auf das kommt es bei einer EM oder WM auch an. Wir waren bis jetzt in einer Art Trainingsphase. Es kommt nicht darauf an, die Gruppenphase zu dominieren, sondern zur K.o.-Runde auf der Höhe zu sein.

Joachim Löw hat Mario Götze aus der Startelf genommen und dafür Julian Draxler spielen lassen. 

Breitner: Julian Draxler hat großartig gespielt! Es freut mich, dass er seine Klasse jetzt auch auf so einer Bühne hat zeigen können. Ich bin überzeugt, dass er sogar noch mehr drauf hat. Für ihn war das jetzt ein Knackpunkt, an dem er selber gemerkt hat, zu was er fußballerisch in der Lage ist. Wenn mich etwas an Löw irritiert hat, dann seine Einwechslungen während des Spiels.

Wie meinen Sie das?

Breitner: Mich hat es gewundert, dass er beim Stand von 3:0 nicht seine jungen Spieler EM-Luft schnuppern lässt. Das wäre der ideale Zeitpunkt gewesen, den Youngsters zu zeigen, dass sie die Zukunft der Nationalmannschaft sind, und um den Lernprozess im Hinblick auf die WM 2018 zu starten. Da muss ich Spielern wie Podolski, Höwedes oder Schweinsteiger nicht das 500. Länderspiel zugestehen!

Stichwort Youngster: Joshua Kimmich wurde nach seinem letzten Spiel in den Himmel gelobt. Gegen die Slowakei stand er wieder in der Startelf.

Breitner: Ich glaube, dass einige seine Rolle falsch interpretiert haben. Für mich war sein Auftritt ein Deja-vu zum jungen Philipp Lahm. Ich finde es eine Unverschämtheit, ihn mit einem Lahm in Bestform zu vergleichen. Joshua hat gut gespielt, ist aber in dem gleichen Lernprozess wie Philipp mit 21 Jahren.

Vorne hat Gomez wieder getroffen. Macht er als klassischer Stürmer den Unterschied?

Breitner: Ich dachte, dass wir mit der WM 2014 diese unsägliche Situation um die „falsche Neun“ beendet hätten. Spanien hatte sich damals zu Tode kombiniert. Mario Gomez ist in einer guten Form und zeigt uns bei der EM, dass das Spiel der „falschen Neun“ tot ist. Ich brauche vorne einen Mittelstürmer als Vollstrecker, der aus schönen Kombinationen etwas Zählbares macht.

Interview: Manuel Bonke

Mehr zum Thema:

auch interessant

Meistgelesen

Hamburger SV gegen Werder Bremen: So sehen Sie die Bundesliga heute live im TV und im Live-Stream
Hamburger SV gegen Werder Bremen: So sehen Sie die Bundesliga heute live im TV und im Live-Stream
Schmutzige Geldgeschäfte von Ronaldo, Özil und Co. enthüllt
Schmutzige Geldgeschäfte von Ronaldo, Özil und Co. enthüllt
Tuchel stinksauer: "Das war ein einziges Defizit"
Tuchel stinksauer: "Das war ein einziges Defizit"
Gegenwind für BVB-Coach Tuchel
Gegenwind für BVB-Coach Tuchel

Kommentare