Beim EM-Viertelfinale Polen - Portugal

TV-Kritik: Bartels schlief als Kind in Brych-Bettwäsche

+
Tom Bartels sparte nicht mit Lob für den deutschen Schiedsrichter Felix Brych.

München - Geld spielt natürlich auch bei TV-Experten eine Rolle. Jörg Heinrich nimmt in seiner TV-Kritik zum ersten Viertelfinale die Entlohnung von Scholl & Co. aufs Korn und lässt kein gutes Haar an ARD-Kommentator Tom Bartels.

Herzlich willkommen beim ARD-Brennpunkt zum Thema „Sind Fußballexperten überbezahlt – oder verdienen sie einfach nur zu viel Geld?“ Unser Finanzcheck analysiert anhand des Viertelfinales Polen - Portugal, ob es gerechtfertigt ist, dass sich Mehmet Scholl im Ersten praktisch das isländische Bruttoinlandsprodukt erquasselt. Außerdem überprüfen wir, ob es in Ordnung geht, dass Skispring-Spezialist Tom Bartels in seinem Nebenerwerb, beim Fußball, manche Tele-Mark kassiert.

Mehmet Scholl: Nach zwei spielfreien EM-Tagen, an denen ihm die unmittelbare Verarmung drohte, kehrte Scholli gestern endlich zurück ins Fernsehen. Er eröffnete den Abend mit der fachgerechten Analyse „Ich freu mich drauf“. Das sollte uns Zuschauern gleich mal die ersten 200 Euro wert sein. Weitere Erkenntnisse: „Cristiano ist in der Spur, Lewandowski zündet noch nicht richtig“ sowie „Die Italiener sind halt Schlawiner“. Das war souverän, das bewies Fachkunde. Mehmet sprach insgesamt sehr viel über diesen Ronaldo, einen bislang völlig unbekannten portugiesischen Fußballspieler, von dem man gerne mehr erfahren würde. Meistens ging es allerdings ums bevorstehende Deutschlandspiel gegen Italien. Die ARD-Vorberichterstattung war supi, außer man interessierte sich für Polen gegen Portugal. Scholli bewies jedenfalls: Er ist mit Gold aufzuwiegen.

Matthias Opdenhövel: Verdiente sich seine vergleichsweise schäbige Penunze mit Schmunzlern wie „Die beiden Achtelfinals waren keine Leckerchen“ und „Bei CR7 sehen wir ein langes Beinkleid heute“. Opdi wirkte damit zunächst einmal überbezahlt, haute dann aber mit Unterstützung von Kröten-Scholli den Klopfer des Tages raus, über Italien-Sturmgigant Graziano Pellè: „Alle Bälle auf Pellè. Aber schnelle.“ Überhaupt hatten die Dialoge mit Scholl die Qualität einer Screwball-Comedy, Billy Wilder wäre begeistert gewesen. Scholl: „Dann kommt der lange Ball zu Pellè“. Opdi ergänzt: „Dann kommt einfach der lange Ball.“ 4.000 oder 5.000 Euro wäre uns Opdenhövel gestern allemal wert gewesen. Wobei: Er hat mehrfach „Packing“ gesagt, das gibt Abzüge.

Gerhard Delling: Unbezahlbar, aus humoristischer Sicht. Der DFB-Vergnügungswart hat vom Lac Lehmann, wie ihn ein RTL-Experte nennt, wieder grenzenlose Euphorie verbreitet. Delle über die Juchhu-Jogis: „Alle mit dem nötigen Selbstbewusstsein, na klar, als Weltmeister, keiner abgehoben.“ Binnen Sekundenfrist widersprach er sich allerdings selbst: „Wobei, wenn man bisschen länger drüber nachdenkt, so ganz stimmt das nicht.“ Delling gilt als schwerreich – kein Wunder, auch in Hollywood werden die Komiker am besten bezahlt.

Tommy Bartels: Viele meinen ja, Bartels müsste dafür bezahlen, dass er uns beim Fußball stören darf. Immerhin bekommt er freien Eintritt, beste Sicht aufs Spielfeld, und womöglich sogar noch ne Stadionwurst. Mehr wäre übertrieben, das bewies er gestern erneut. Gleich nach der polnischen Führung erklärte uns Bartels, wie belastend und unangenehm es für die Polen ist, dass sie dieses lästige Tor geschossen haben. Seinen Lieblings-Schiri Brych belobhudelte er wie gewohnt, Bartels hat bekanntlich schon als Kind in Brych-Bettwäsche geschlafen. Ein toller Kommentator. Wobei, wenn man bisschen länger drüber nachdenkt, so ganz stimmt das nicht.

Jörg Heinrich

Mehr zum Thema:

auch interessant

Meistgelesen

Hamburger SV gegen Werder Bremen: So sehen Sie die Bundesliga heute live im TV und im Live-Stream
Hamburger SV gegen Werder Bremen: So sehen Sie die Bundesliga heute live im TV und im Live-Stream
FC Barcelona gegen Real Madrid: So endete der Clasico
FC Barcelona gegen Real Madrid: So endete der Clasico
Schmutzige Geldgeschäfte von Ronaldo, Özil und Co. enthüllt
Schmutzige Geldgeschäfte von Ronaldo, Özil und Co. enthüllt
Tuchel stinksauer: "Das war ein einziges Defizit"
Tuchel stinksauer: "Das war ein einziges Defizit"

Kommentare