Borussia-Park wird nicht voll gegen Finnland

Erst 18.000 Karten weg: Schweini droht Geister-Abschied

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­Bastian Schweinsteiger macht nach 121 Länderspielen Schluss - und das wohl in einem spärlich gefüllten Borussia-Park.

Mönchengladbach - Am Mittwoch wird Bastian Schweinsteiger nach zwölf Jahren Nationalmannschaft bei seinem 121. und letzten Auftritt verabschiedet - doch das interessiert bislang kaum einen.

Leises Servus? 120 Länderspiele hat Bastian Schweinsteiger in seiner Karriere bestritten – viele davon in ausverkauften Stadien, vor allem in Deutschland. Am Mittwoch wird der Ex-Kapitän nach zwölf Jahren Nationalmannschaft bei seinem 121. und letzten Auftritt verabschiedet, doch das interessiert bislang kaum einen. Erst 18.000 Tickets sind für das Spiel im Borussia-Park in Mönchengladbach verkauft. Schweini droht ein Geister-Abschied!

Knapp 45.000 Zuschauer fasst die Gladbacher Arena bei internationalen Spielen – und wie laut es darin werden kann, zeigten die Borussia-Fans sowohl am Samstag gegen Leverkusen als auch am Mittwoch zuvor in der CL-Quali gegen Bern. „Nach einem Turnier haben wir häufig festgestellt, dass die Nationalmannschaft nicht so im Vordergrund steht“, gesteht Löw und macht für das Spiel morgen gleich eine Vielzahl von Umständen dafür verantwortlich. Zum einen waren da die beiden Highlights der Borussia und ohnehin „hat die Bundesliga gerade jetzt zum Start ein hohes Gewicht. Da ist ein Testspiel nicht so im Fokus“. Auch die späte Anstoßzeit um 20.45 Uhr ist dem Bundestrainer ein Dorn im Auge. „Die Schule hat wieder begonnen, die Kinder können so spät dann nicht mehr ins Stadion gehen“, weiß Löw und fasste die gesamte Situation als „ein bisschen unglücklich“ zusammen. Für Schweinsteiger tut es ihm fast schon leid: „Es ist natürlich ein bisschen schade für Bastian, dass das Länderspiel nicht ausverkauft sein wird.“

Doch auch aus seinem Familien- und Freundeskreis muss der 32-Jährige einige Absagen akzeptieren. Frau Ana schlägt bei den US Open in New York auf, Spezl Felix Neureuther befindet sich in Argentinien. In Ushuaia bereitet er sich auf die neue Skisaison vor. Nicht nehmen lassen sich dagegen Mutter Monika und Vater Alfred den letzten Auftritt ihres Sohnes im DFB-Trikot, genauso wie Bruder Tobias.

Löw ließ sich die Gelegenheit gestern nicht nehmen, um noch einmal auf Schweinsteigers Verdienste für die Nationalelf aufmerksam zu machen. „Genau wie Lukas Podolski wird er uns fehlen. Sie haben der Nationalmannschaft unheimlich viel gegeben und waren immer mit hoher Identifikation dabei“, erinnerte Löw, für den diese Art von Abschied morgen Abend „Ehrensache“ ist. Fast beiläufig erwähnte er, dass es für beide „ein sehr, sehr guter Zeitpunkt“ für ihren Rücktritt ist. Dass Schweini sportlich längst verzichtbar ist, ist kein Geheimnis mehr. Beim Abschied nach zwölf Jahren Nationalmannschaft sollte das aber auch nicht im Vordergrund stehen.

Dass es um die verkauften Ticktes nicht besonders gut steht, ließ DFB-Manager Oliver Bierhoff bereits am Freitag bei der DFB-Pokalauslosung durchblicken. „Der Vorverkauf läuft etwas schleppend, es wäre schön, wenn noch ein paar Fans kommen würden“, so Bierhoff. Auch damit es kein leises Servus gibt.

Zuschauer bei Länderspielen: Trend zeigt nach unten

Dass der Weltmeister mit leeren Rängen zu kämpfen hat, ist nicht neu. Bereits im Vorfeld der Euro strömten beim Testkick des DFB-Teams gegen die Slowakei lediglich 22.210 Seelen in die Augsburger WWK-Arena, so wenige wie seit zehn Jahren nicht mehr. Im Mai 2004 hatten sich gerade einmal 22.000 Fans für den 7:0-Spaziergang gegen Malta interessiert.

Der Negativtrend ist aber nicht neu, schließlich waren die drei letzten Länderspiele der Nationalelf in heimischen Arenen allesamt nicht ausverkauft. Beim 2:0-Sieg von Jogis Jungs unmittelbar vor der EM gegen Ungarn kamen 52.104 Zuschauer in die Schalker Veltins Arena, rund 2000 Plätzen blieben frei. Beim Testkick gegen Italien (4:1) im März war die Allianz Arena in München ebenfalls nicht ausverkauft. Nur 62.653 Zuschauer kamen zum Spiel nach Fröttmaning, knapp 10.000 Stühle blieben leer. Zum letzten Mal war ein Spiel des Weltmeisters am 26. März ausverkauft, als sich 72.000 Fans die 2:3-Pleite gegen England in Berlin ansahen.

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