Pläne weit fortgeschritten -

40er WM: Europas Fußball wäre der große Verlierer

FIFA, WM, Fußball
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Die FIFA hat ihre Pläne zu einer WM mit 40 Mannschaften bereits vorgestellt.

Zürich - Die angedachte Ausdehnung der Fußball-WM auf 40 Teams wurde vorerst nicht genehmigt. Fußball-Europa setzte sich vorerst durch. Die Auswirkungen wären fatal für die Profiligen.

Im Kleingedruckten des FIFA-Reformpakets stand ein brisanter Punkt: Ausdehnung der WM-Starter auf 40 Teams. Als einziger Aspekt wurde dieser nicht genehmigt. Fußball-Europa setzte sich vorerst durch. Die Auswirkungen auf das Glitzer-Event wären fatal für die Profiligen.

Die Vorstellung einer aufgeblähten Fußball-WM mit 40 Mannschaften und beinahe 100 Spielen bereitet nicht nur Wolfgang Niersbach Unbehagen. Mit seinen europäischen Kollegen im FIFA-Exekutivkomitee konnte der Ex-DFB-Präsident den geschickten Vorstoß aus Afrika und Asien vorerst abwenden und den programmierten Proteststurm aus den europäischen Top-Ligen noch verhindern.

Die Debatte um ein erstes Mammut-Turnier im Jahr 2026 ist aber längst nicht vom Tisch. Die Diskussion wird die FIFA mitten in der ersehnten Neustrukturierung massiv beschäftigen und immer noch existierende Gräben zwischen den Konföderationen weiter vertiefen.

Wie weit die Pläne der Reformkommission vorangeschritten waren, verdeutlichte eine noch am Freitag auf der FIFA-Homepage einsehbare Tabelle mit der künftigen Verteilung der WM-Startplätze nach Konföderationen. Diese macht auch klar, warum die Afrikaner und Asiaten so dafür waren. Sie hätten mit künftig sieben statt fünf und 6 statt 4,5 Plätzen prozentual den größten Zuwachs zugesprochen bekommen. Das Europa-Kontigent wäre von 13 auf 14 Teams gestiegen.

Praktisch durch die Hintertür wollten die Funktionäre Fakten schaffen und die WM-Aufstockung als Unterpunkt im Kleingedruckten des Reformpaketes fix machen. Dieser Plan misslang. „Es war erkennbar, dass sich besonders die asiatischen und afrikanischen Vertreter dafür einsetzten. Das Thema wurde zunächst zur weiteren Prüfung an die Administration gegeben“, sagte Niersbach.

Sein Verbündeter in der FIFA-Regierung, David Gill aus England, machte deutlich: „Das ist solch eine gravierende Entscheidung, dass man zuvor eine genaue Analyse braucht. Die Betroffenen wie Vereine, Spieler und Fans müssen eingebunden und die ökonomischen und sportlichen Konsequenzen abgewogen werden“, sagte der ehemalige Vorstandsvorsitzende von Manchester United.

Entsprechend scharfe Kritik gab es von Seiten der Club-Vereinigung ECA. Die Empfehlung des Komitees, das WM-Teilnehmerfeld von 32 auf 40 Vereine aufzustocken, sei der Beweis, dass die vorgeschlagenen Reformen nicht dem Standard für eine neue, moderne FIFA gerecht werden. „Die Vereine sind nicht bereit, weiter ignoriert zu werden“, teilte die ECA in einer Stellungnahme mit.

Quasi stellvertretend für die deutschen Spitzenclubs hatte Schalkes Sportdirektor Horst Heldt süffisant bis sarkastisch die FIFA attackiert: „Wer redet da noch. Die sitzen doch alle im Gefängnis.“ Weitere Kommentare dieser Art dürften folgen, sollte die Debatte im kommenden Februar rund um den außerordentlichen FIFA-Kongress wieder hochkochen. Die Konsequenzen einer WM mit 40 statt 32 Teams sind gerade für die Vereine, die Spieler zu den Nationalteams abgeben, massiv, denn die Belastungen würden steigen:

  • Bis zu 96 statt bislang 64 Spiele
  • Ausdehnung der Turnierzeit von gut 30 auf mindestens 40 Tage
  • 184 weitere Profis, die meisten von Clubs in Europa, im WM-Einsatz
  • Gastgeberländer müssen mindestens zwölf Stadien bereitstellen
  • unübersichtliches und kompliziertes Turnierformat mit acht Gruppen á fünf Teams oder zehn Gruppen á vier Teams
  • Möglichkeiten der Ergebnisabsprachen durch das Format, da Mannschaften am letzten Gruppenspieltag spielfrei hätten oder nur einige Gruppenzweite ins Achtelfinale kämen.

Eine WM-Aufstockung ist ein Politikum, aber kein Novum in der FIFA-Historie. Letztmals wurde das Teilnehmerfeld 1998 für die WM in Frankreich auf 32 Mannschaften aufgestockt. Bei der WM-Premiere waren es 1930 in Uruguay noch 13 Teams gewesen. Die Anzahl stieg kontinuierlich über 16 (1954) auf 24 (1982) an.

Das Thema WM-Teilnehmer wurde schon immer gerne für Wahlkämpfe missbraucht. Auch im laufenden Machtkampf um den FIFA-Thron wollen mehrere Kandidaten das Wahlvolk aus 209 Mitgliedsländern mit der Aussicht auf lukrative WM-Plätze locken - ironischerweise auch UEFA-Generalsekretär Gianni Infantino, der Niersbach und Gill eigentlich freundschaftlich kollegial verbunden ist.

Auch der suspendierte UEFA-Chef Michel Platini hatte sich als Stimmenfänger positiv zu einer 40-Team-WM geäußert. Kein Wunder: Das eigene Großereignis - die EM 2016 - hat die UEFA gerade aus wirtschaftlichen Gründen auf 24 Teams aufgebläht, mit ähnlichen negativen Konsequenzen, die auch eine WM mit 40 Teams hätte.

dpa

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