Dreifacher Europameister

Frauenfußball-Pionier Gero Bisanz ist tot

Gero Bisanz ist gestorben.

Frankfurt - Der frühere Frauenfußball-Bundestrainer Gero Bisanz ist am Freitag im Alter von 78 Jahren an einem Herzinfarkt gestorben.

Der große Pionier des deutschen Frauenfußballs ist tot: Gero Bisanz, von 1982 bis 1996 erster Bundestrainer, starb am Freitag unerwartet im Alter von 78 Jahren an einem Herzinfarkt. „Er war ein wunderbarer Mensch und absoluter Fachmann, der sich bleibende Verdienste um den Fußball erworben hat“, sagte DFB-Präsident Wolfgang Niersbach in einer ersten Reaktion.

Bisanz, 1935 in Westpreußen geboren und seit Jahrzehnten im Rheinland heimisch, hatte sich in den letzten Jahren etwas rar gemacht, das große Tamtam war ohnehin nicht seins. Dennoch galt die graue Eminenz immer noch als aufmerksamer und kritischer Beobachter des Frauenfußballs, als Ratgeber für seine früheren Weggefährtinnen, die sein plötzlicher Tod nun erschütterte.

„Ich bin traurig und tief betroffen“, sagte Bundestrainerin Silvia Neid, langjährige Spielführerin unter Bisanz: „Er war ein unglaublich einfühlsamer Mensch, der immer die richtige Ansprache gefunden hat. Ich habe ihm persönlich viel zu verdanken.“

Der Boom um die deutschen Fußball-Frauen nach der Jahrtausendwende - da sind sich Neid und Niersbach einig - gründet sich zum großen Teil auf die Pioniersarbeit Bisanz', unter dessen Ägide am 10. November 1982 gegen die Schweiz (5:1) das erste Länderspiel des DFB-Team ausgetragen wurde.

„Ohne sein Engagement, seine Fachkompetenz und Leidenschaft würde der Frauenfußball heute nicht diesen Stellenwert und die Strukturen haben“, sagte Neid. Und Niersbach betonte, dass Bisanz „dem deutschen Frauenfußball mit dem Gewinn der Europameisterschaft 1989 in der öffentlichen Wahrnehmung und Wertschätzung zum Durchbruch verholfen“ hat.

In der Tat sah es Bisanz, einst selbst ein passabler Kicker im Dress des 1. FC Köln und bei Viktoria Köln, als vornehmliche Aufgabe an, dem noch in der Siebzigern belächelten, mitunter gar verpönten Frauenfußball solide Grundfesten zu verschaffen. Nicht nur für die DFB-Auswahl, sondern generell durch verbesserte Ausbildung und Strukturen, die die Vorbereitung einer Frauen-Bundesliga ermöglichten.

Dem Durchbruch mit dem ersten EM-Sieg 1989 im ausverkauften Stadion in Osnabrück folgten die ersten TV-Übertragungen von Frauen-Länderspielen im deutschen Fernsehen, dann der zweite EM-Titel 1991, die WM-Teilnahme 1991 mit Platz vier in China.

Vier Jahre später das WM-Finale in Stockholm, ein erneuter EM-Titel 1995 und Platz drei bei Olympia 1996 in Atlanta. Bisanz blickte zu seinem 75. Geburtstag voller Stolz zurück: „Mein Auftrag war es, den Frauenfußball mit einem Nationalteam international zu etablieren. Die Saat ist aufgegangen.“

Bisanz erwarb seine eigenen fachlichen Grundlagen durch akribische Arbeit. Nach dem Diplomsportstudium in Köln war Bisanz zunächst im Schuldienst tätig, bevor er ab 1970 an der Kölner Sporthochschule dozierte. Von 1980 an leitete Bisanz dann die DFB-Trainerausbildung in der Nachfolge von Hennes Weisweiler, war 1981 zudem B-Nationaltrainer und ab 1982 Chefcoach und Mitbegründer der Frauen-Auswahl im Auftrag des damaligen DFB-Präsidenten Hermann Neuberger.

Nach seinem Rücktritt 1996 arbeitete Bisanz bis zu seiner Pensionierung als DFB-Chefausbilder. Danach war er freiberuflich tätig. Sein letzter Einsatz: 2009 begleitete er als Beobachter im Auftrag der UEFA ein Miniturnier der Anfängernationen im Frauenfußball auf Malta.

Gut zwei Wochen vor seinem 79. Geburtstag starb Gero Bisanz - von seinem sportlichen Erbe wird der deutsche Frauenfußball aber noch auf Jahrzehnte profitieren.

sid

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