Fall Shechter: Zentralrat der Juden greift ein

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Der israelische Fußball-Profi Itay Shechter spielt für den 1. FC Kaiserslautern

Kaiserslautern - Die Spitze des Zentralrats der Juden reagiert mit großer Empörung und Strafforderungen auf die antisemitischen Beleidigungen gegen Itay Shechter vom 1. FC Kaiserslautern.

Empörung, Entsetzen, Entschuldigungen und Ermittlungen: Die antisemitischen Beleidigungen gegen den israelischen Fußball-Profi Itay Shechter vom Bundesligisten 1. FC Kaiserslautern haben nicht nur den Fußball, sondern die gesamte Gesellschaft erschüttert. Die Vorfälle, die auch in Shechters Heimatland für Aufsehen gesorgt haben, wurden einhellig verurteilt.

Derweil geht die Polizei bei der Suche nach den Tätern zahlreichen Hinweisen nach. Am Sonntag hatte eine Gruppe von fünf bis zehn Personen während des Trainings des abstiegsbedrohten Klubs Shechter antisemitisch beleidigt und den „Hitler-Gruß“ gezeigt.

Mit besonders drastischen Worten hat die Spitze des Zentralrats der Juden in Deutschland reagiert. „Gerade als begeisterter Fußballfan bin ich total schockiert. Denn wenn ausgerechnet der Sport missbraucht wird, um Rassismus und Judenhass zu transportieren, dann ist das eine Schande und ein Skandal für den ganzen deutschen Fußball“, sagte Zentralrats-Präsident Dieter Graumann in einer Stellungnahme.

Graumann sieht nun den FCK und den Deutschen Fußball-Bund (DFB) in der Pflicht. „Wer bei uns Antisemitismus und Hitlergruß ausleben will, gehört ins Gefängnis und auf keinen Fußballplatz. Der DFB muss sich hier schneller und lauter äußern. Und beim 1.FC Kaiserslautern muss jetzt sofort viel klarer und energischer gehandelt werden“, äußerte Graumann: „Wer solche Fans hat, ist gestraft. Wer solche Fans duldet, gehört bestraft. Das sollte viel entschlossener und offensiver vertreten werden.“

Die DFB-Spitze reagierte prompt auf den Vorstoß Graumanns. Der designierte Präsident Wolfgang Niersbach verurteilte die Tat und forderte eine Bestrafung. „Gemeinsam mit dem Präsidenten ist es mir wichtig für den gesamten DFB zu unterstreichen, dass solche Vorgänge in keinster Weise zu tolerieren sind und wir dem bereits im Ansatz entschlossen entgegenwirken müssen. Antisemitismus und Rassismus dürfen im Fußball keinen Platz haben“, sagte Niersbach: „Wir müssen uns mit allen Mitteln, die dem Fußball zur Verfügung stehen, dagegen wehren. Und wir wünschen uns, dass die Behörden den Fall mit aller Konsequenz verfolgen.“

Die Ermittlungen der Polizei laufen derweil. „Nach dem Aufruf des FCK und unserem Aufruf sind viele Hinweise eingegangen. Wir sind dabei, diese zu überprüfen und zu schauen, ob sie uns weiterbringen. Wir sind aber noch nicht so weit, die möglichen Täter zu identifizieren“, sagte ein Polizeisprecher.

In höchstem Maße empört über die Vorkommnisse am Sonntag zeigten sich auch die Vertreter der israelischen Botschaft in Berlin. „Über die antisemitischen und rassistischen Ausfälle gegenüber Itay Shechter sind wir entsetzt“, sagte der israelische Gesandte Emmanuel Nahshon: „Wir haben volles Vertrauen in die deutschen Autoritäten und sind sicher, dass sie die oder den Täter schnellstmöglich zur Rechenschaft ziehen werden.“

Auch dem deutschen Sport sprach Nahshon das Vertrauen aus: „Wir haben keinen Zweifel, dass der Sport in der Bundesrepublik Deutschland auch weiterhin an der Spitze des Kampfes gegen Antisemitismus und Rassismus stehen wird.“

Einen ersten Schritt in diese Richtung hat die offizielle FCK-Fanvertretung gemacht. Sie hat sich im Namen der gesamten Anhänger entschuldigt. „Die Äußerung, die gegenüber der Mannschaft von einem Einzelnen getroffen wurde, spiegelt in keinster Weise die Meinung der Fangemeinschaft des 1. FC Kaiserslautern wider“, hieß es in einer Mitteilung: „Die Fanvertretung distanziert sich von rassistischen, diskriminierenden und antisemitischen Äußerungen in jeglicher Form.“

Die Reaktionen der Anhänger wurde auch von der Lauterer Klubführung mit Wohlwollen und Erleichterung registriert. „Wir haben einen überwältigenden Zuspruch von unseren Fans bekommen, die sich in mehreren tausend Mails gegen diese widerwärtige Weltanschauung ausgeprochen und gleichzeitig das Vorgehen des Vereins unterstützt haben“, sagte Klubchef Stefan Kuntz, dessen Verein offensiv mit dem Thema umgegangen ist, um die Täter in keiner Weise zu schützen.

sid

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