"Keinen besseren Zeitpunkt"

FCA-Präsident Seinsch überraschend zurückgetreten

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Walther Seinsch (r.) bei der Aufstiegsfeier des FC Augsburg 2011.

Augsburg - In seiner Begrüßungsrede zur Jahreshauptversammlung ließt FCA-Präsident Walther Seinsch direkt die Bombe platzen. Aus welchen Gründen er sein Amt niederlegt.

Paukenschlag beim FC Augsburg: Mitten in den sportlichen Höhenflug hat der Macher des Erfolges am Mittwoch überraschend seinen Rücktritt erklärt. „Ich möchte es kurz machen: Heute ist mein letzter Arbeitstag für den FCA“, sagte der 73 Jahre alte Walther Seinsch am Mittwoch vor 600 Mitgliedern und der versammelten Mannschaft.

„Es gibt keinen besseren Zeitpunkt als jetzt, mein Amt niederzulegen. Außerdem muss ich an meine Gesundheit denken“, sagte der ehemalige Unternehmer, der auf der Versammlung mit Standing Ovations gefeiert wurde. Seinsch hatte den Verein im November 2000 auf dem sportlichen Tiefpunkt in der Bayernliga übernommen. Dass die Schwaben nun erstmals auf einem Champions-League-Platz stehen und ein neues, modernes Stadion haben, ist zu einem großen Teil sein Verdienst.

Aktuell ist der Klub auch finanziell erfolgreich. Im abgelaufenen Geschäftsjahr machten die Schwaben einen Gewinn von 2, 028 Millionen Euro vor Steuern.

Seinschs Nachfolge übernimmt der bisherige Stellvertreter Klaus Hofmann. „Ich bin traurig“, erklärte dieser zu Beginn seiner Rede und würdigte seinen Nachfolger in den höchsten Tönen: „Wir können alle von Walther Seinsch lernen. Er wird immer mein größter Held bleiben.“

Auch Geschäftsführer Peter Bircks wurde emotional. „Walther, Du wirst immer mein Freund und ein Freund des FCA bleiben“, erklärte er und erinnerte schmunzelnd an das erste Zweitliga-Auswärtsspiel, „das mir in Erinnerung bleiben wird“. Nach einem 0:1 beim SC Paderborn habe man „den Speisewagen leergesoffen“.

Der frühere Kaufhof-Manager Seinsch ist der Mitbegründer der Bekleidungsgeschäfte Takko, aus denen er 1996 ausschied. Anschließend war er Geschäftsführer bei kik. 1998 zog er sich aus dem Berufsleben zurück. Zwei Jahre später übernahm er den FCA und führte den Heimatklub der Stars Helmut Haller und Bernd Schuster zu neuer Blüte. Ende 2009 machte Seinsch öffentlich, dass er an Depressionen leidet, eine ganze Weile lang sah er kein Spiel der Augsburger mehr.

Noch am Dienstag erklärte Seinsch im Rahmen einer Buchvorstellung, warum er Präsident des FC Augsburg wurde. „24 Stunden lesen und auf den See gucken, ist auch nicht so schön“, erzählte er schmunzelnd: „Da bin ich meiner Frau so auf den Wecker gegangen, da hat die gesagt, du kannst mich mal - und da kam der FCA.“

Den aktuellen Höhenflug der Schwaben, die in ihrem vierten Erstliga-Jahr in Folge nach 13 Spieltagen auf Rang vier stehen, bewertete er dort ebenfalls mit gelöster Ironie. „Wir bereiten uns intensiv auf die Champions League vor.“ Auf eine Frage nach Trainer Markus Weinzierl reagierte er zuerst ebenfalls mit einem Witz: „Wir würden ihn auch verkaufen, so ab 50 Millionen.“ Dann ergänzte er aber ernst: „Jeder kennt doch den Fakt, dass er bis 2017 unterschrieben hat. Wir wären ja mit dem Klammersack gepudert, wenn wir da mit anderen Vereinen telefonieren würden.“

Alles in allem sieht Seinsch seinen FCA offenbar so gut aufgestellt, dass er sich von seinem Lebenswerk zurückziehen kann. Die Dankbarkeit der Fans nimmt er mit.

SID

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