Eskalationen der FCA-Anhänger

Augsburgs Teigl im Fadenkreuz der Fans 

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Teigl ließ sich in Leipzig von RB-Fans feiern, Augsburgs Anhänger fordern nun seinen Abschied.

Augsburg - Mit seiner Aktion im Spiel gegen seinen ehemaligen Klub RB Leipzig hat sich Georg Teigl bei den Augsburger Fans alles andere als bliebt gemacht. 

Fans gehen auf die eigenen Spieler los! Das gibt’s nicht? Doch, leider kommt es immer häufiger vor. In Deutschland, in den anderen europäischen Ligen, zuletzt in Augsburg. Was ist da los, dürfen sich manche Fans alles erlauben? So wie jetzt beim FCA: Zweieinhalb Jahre spielte Georg Teigl in Leipzig für die „Roten Bullen“, nun ist er in Augsburg für die eigenen Anhänger zum roten Tuch geworden. 

„Winterpause nutzen, Teigl abschieben“, hieß es vergangene Woche auf einem Spruchband vor der FCA-Kurve beim Heimspiel gegen Schalke. Teile der Augsburger Anhänger wollen ihren Spieler, der erst im Sommer von RB Leipzig zu den Fuggerstädtern gewechselt ist, schnell wieder loswerden. Der Grund: Eine Woche zuvor hatte Teigl sich bei der 1:2-Niederlage des FCA in Leipzig von den Fans seines Ex-Vereins nach dem Spiel feiern lassen. Zwar entschuldigte er sich später für seine kleine Feierstunde vor der RB-Kurve, doch die Augsburger Fans hatten ihr Urteil da bereits gefällt.

Vereinsführung kritisiert die Fans

So sehr die Anhänger mit den Ultras an der Spitze ihre Vereine anfeuern und mit Choreografien immer wieder für Highlights bei den Spielen sorgen, so gnadenlos rechnen sie – teilweise – im Misserfolg mit ihnen ab. Immer wieder gibt es Fan-Eskalationen. Liebe, Hass – und keine Grenzen?

Für den Umgang der Fans mit Teigl muss der FCA zwar keine Strafe zahlen, dennoch war Manager Stefan Reuter alles andere als erfreut über die Hassplakate gegen den Neuzugang. „Ich mag es nicht, wenn Fans Aktionen gegen einen eigenen Spieler starten“, sagte Reuter nach den Vorfällen beim 1:1 gegen Schalke.

Möhlmann: Teigl sollte nach seinen Leistungen beurteilt werden 

Auch Benno Möhlmann, Ehrenpräsident der Vereinigung deutscher Vertragsfußballer (VdV) sieht das Verhalten einiger sogenannter Fans kritisch. „Georg hat vorher für zwei Vereine gespielt, die sich anders ­finanzieren als die meisten“, meint Möhlmann im Gespräch mit der tz mit Blick auf Teigls Vergangenheit bei RB Leipzig und RB Salzburg. „Aber das kann man ihm ja wohl kaum vorwerfen. Er ist ein Fußballer mit Herz und Leidenschaft. Wenn man über ihn urteilt, dann sollte man das anhand seiner Leistungen tun.“ 

Richtig vorspielen durfte der 25-Jährige in Augsburg aber noch gar nicht, die 13 Minuten Einsatzzeit in Leipzig sind seine einzigen in dieser Saison. Dennoch ist er „ein wichtiger Spieler für uns“, betonte Reuter. Und zumindest in Augsburg der erste, der ins Fadenkreuz der eigenen Anhänger gerät. Normalerweise sind die FCA-Fans nicht als Krawallmacher bekannt, die sich wahllos auf neue Ziele einschießen.

Das zeigt aber auch: Den treuen Anhängern stieß Teigls Verhalten ziemlich böse auf. Dass es sich dabei ausgerechnet um RB Leipzig handelte, machte die ganze Sache nicht harmloser. „Natürlich muss man als Spieler heutzutage vorsichtiger sein als früher“, betont Möhlmann. „Schon Kleinigkeiten können zu großem Ärger führen“, weiß der Ex-Coach des TSV 1860. Teigls Reaktion, sich nach einer Pleite von den gegnerischen Fans feiern zu lassen, könne schnell falsch verstanden werden. „Sicher war es nicht die beste Entscheidung. Aber in solchen Momenten lassen sich Fußballer auch oft von den Emotionen leiten“, sagt Möhlmann der tz. Für die Reaktion der FCA-Fans hat er trotzdem kein Verständnis: „Georgs Verhalten war weitaus wenig verwerflich als das der Fans.“

FCA ist kein Einzelfall

Fans des 1. FC Nürnberg. 

Augsburg ist kein Einzelfall. Immer attackieren ­Ultras ihr eigenes Team. So forderten vor zwei ­Jahren die Nürnberger Fans noch im ­Stadion die Trikots ihrer Spieler, da diese nicht würdig seien, sie zu tragen. Die Spieler, die tatsächlich allesamt ihre Trikots hergaben, hatten nach mehreren schlechten Auftritten erneut 3:0 gegen Karlsruhe verloren. 

Giuseppe Sculli spricht mit den Ultras. 

Das gleiche Szenario 2012 in Italien: Auch hier kommt es immer wieder zu Problemen mir radikalen Fans, der Höhepunkt dann in Genua: Die Spieler des CFC überreichen ihre Trikots den Ultras, nachdem diese beim Halbzeitstand von 0:4 randalierten und die Spieler dazu zwangen.

sw

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