Fehden und Fanatismus: Griechen-Fußball am Abgrund

Ausschreitungen gehören in Griechenland zum Alltag, besonders wenn Panathinaikos Athen und Olympiakos Piräus spielen. Foto: Panagiotis Moschandreou
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Ausschreitungen gehören in Griechenland zum Alltag, besonders wenn Panathinaikos Athen und Olympiakos Piräus spielen. Foto: Panagiotis Moschandreou

Athen (dpa) - Griechenlands gewalttätige Fußballfans stehen mal wieder am Pranger. Nach schwerer Randale beim Spitzenspiel zwischen Panathinaikos Athen und Olympiakos Piräus (2:1) am 22. Februar will der nationale Verband durchgreifen.

Die Aussichten auf Erfolg sind eher gering. Das Problem ist hartnäckig und vielfältig. Das Spitzenspiel zwischen Panathinaikos und Olympiakos gilt weltweit als eines der härtesten "Derbys". Explosiv ist die Lage auch wegen der fast feindlichen Beziehung zwischen den Besitzern der Traditionsvereine. Zwei Reeder, Evangelos Marinakis von Olympiakos und Giannis Alafouzos von Panathinaikos, lenken in Piräus und Athen die Geschicke.

Die beiden können sich nicht riechen, wird in der Reederbranche seit Jahren kolportiert. Und sie übertragen ihre Animositäten offensichtlich auf den Fußball. Alafouzos wirft Marinakis vor, den Fußball manipulieren zu wollen, indem er Einfluss auf Schiedsrichter und kleinere Mannschaften nehme. Marinakis kontert, die Besitzer von Panathinaikos seien eben nicht bereit, in die Mannschaft zu investieren, gute Spieler zu engagieren - und nur deshalb beherrsche Olympiakos fast alle Meisterschaften der vergangenen zwei Jahrzehnte.

Das Ergebnis dieser Fehde und andere Rivalitäten haben inzwischen dazu geführt, dass die Stadien in Griechenland fast leer sind. Oft nur noch Hooligans und wenige Fußball-Romantiker wagen es, sich zu einem Spiel der Meisterschaften zu begeben.

Das Drama spiegelt sich auch in den Leistungen der Nationalmannschaft wider. Griechenland belegt nach vier Spieltagen mit nur einem Punkt den letzten Platz in der Qualifikationsgruppe für die EM 2016. Gut zehn Jahre nach dem sensationellen Gewinn der EM 2004 in Portugal steht der griechische Fußball am Abgrund.

Nun ist wieder einmal der Spielbetrieb in den höchsten Klassen nach den schweren Ausschreitungen vorerst unterbrochen. Die sogenannte Super-League-Meisterschaft werde erst wieder beginnen, wenn die Mannschaften für eine sichere Austragung der Spiele sorgten, sagte Sport-Staatssekretär Stavros Kontonis nach mehrstündigen Beratungen mit den Fußball-Vorständen und Regierungschef Alexis Tsipras. "So kann es nicht weitergehen."

Damit der Ball wieder rollt, müssen die Vereine die Fan-Clubs unter Kontrolle bekommen. Zudem sollen in allen Arenen Überwachungskameras installiert werden. Zusätzlich ist die Ausgabe elektronischer Eintrittskarten geplant, hieß es weiter.

"Am kommenden Mittwoch (5. März) werden wir wieder mit den Vorständen beraten. Wenn sie sich nicht bewegt haben, wird auch der übernächste Spieltag nicht stattfinden", sagte Kontonis im Fernsehen weiter. "Diesmal meinen wir es ernst", fügte er hinzu.

All diese Maßnahmen werden nicht zum ersten Mal ins Spiel gebracht. Viele Fußball-Fans schütteln deshalb den Kopf, als sie davon hörten. Seit Jahren versuchen die Regierungen, der Gewalt im Fußball ein Ende zu setzen. Bislang sind sie gescheitert. Bereits im November waren für eine Woche alle Meisterschaften zeitweise eingestellt worden, weil Unbekannte einen Schiedsrichter zusammengeschlagen hatten.

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