Präsidentschaftswahl

FIFA: Bislang fünf Kandidaten - Platini fehlt noch

Michel Platini
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Der suspendierte UEFA-Präsident Michel Platini.

Zürich - Der suspendierte UEFA-Präsident Michel Platini (60) gehört erwartungsgemäß noch nicht zum Kreis der zugelassenen Präsidentschaftsanwärter des Fußball-Weltverbands FIFA.

Fünf Kandidaten und ein „Schattenmann“: Der Wahlkampf um das Präsidentenamt beim tief in der Krise steckenden Fußball-Weltverband FIFA hat offiziell begonnen - und ist dennoch völlig sinnlos. Erst wenn der noch nicht zugelassene UEFA-Präsident Michel Platini entweder endgültig aus dem Rennen ist oder wie Phönix aus der Asche zum Favoriten aufsteigt, werden ernsthafte Prognosen möglich sein.

Am Donnerstag ließ die FIFA-Wahlkommission den Jordanier Prinz Ali bin Al Hussein (39), Scheich Salman bin Ibrahim Al Khalifa (49/Bahrain), den Franzosen Jerome Champagne (57), UEFA-Generalsekretär Gianni Infantino (45/Schweiz) sowie den Südafrikaner Tokyo Sexwale (62) für die Wahl am 26. Februar zu. UEFA-Präsident Platini fehlte auf der Liste, weil der Franzose wie der Noch-FIFA-Boss Joseph S. Blatter (79) am 8. Oktober provisorisch für 90 Tage gesperrt worden war. Es geht um eine dubiose Zahlung von zwei Millionen Schweizer Franken, die die beiden bislang nur sehr dürftig erklären konnten.

„Grundsätzlich ist es einer provisorisch gesperrten Person nicht erlaubt, im Zeitraum der 90-Tage-Sperre (plus eventuell 45 Tage) an irgendeiner Fußball-relevanten Tätigkeit teilzunehmen“, schrieb der Weltverband auf die selbst gestellte Frage, ob ein gesperrter Anwärter zugelassen werden könne. Es ist aber ein offenes Geheimnis, dass die Wahlkommission unter der Leitung des Schweizers Domenico Scala Platini Anfang Januar prüfen und zulassen wird - wenn dieser alle Vorwürfe entkräften kann und die Sperre aufgehoben und nicht um 45 Tage verlängert wird.

Dann wäre der ehemalige Weltstar der Equipe Tricolore wohl trotz aller Vorwürfe der haushohe Favorit auf den Blatter-Stuhl. Der 60 Jahre alte Präsident der Europäischen Fußball-Union (UEFA) galt vor seiner Suspendierung als Wunschkandidat der großen Mehrheit der Nationalverbände - daran wird auch eine Ethikermittlung nichts ändern.

„Ich werde nicht gegen Michel antreten, wenn er kandidiert. Dann werde ich mich zurückziehen. Das ist das Prinzip der Loyalität“, erklärte Infantino, Europas „Plan B“ in der FIFA-Krise, im Gespräch mit der italienischen Tageszeitung Gazzetta dello Sport. Zum heutigen Stand gebe er allerdings 100 Prozent, „nicht nur für Europa, sondern für den Weltfußball“.

Ähnliche Parolen waren durch die Bank von allen Kandidaten zu hören. Das ernsthafteste Programm hat bislang Champagne präsentiert. Er will eine „starke, demokratische, respektierte und proaktive FIFA“. Allerdings arbeitete der Franzose, der vor der vergangenen Wahl nicht genug Unterstützer finden konnte, bereits von 1999 bis 2010 in verschiedenen beratenden Funktionen für die FIFA, er war ein enger Vertrauter des skandalumwitterten Blatter. Ein Schatten, der im Februar schaden dürfte.

Prinz Ali verlor im vergangenen Mai gegen Blatter, er legte einen relativ farblosen Auftritt hin. Damals unterstützte ihn die UEFA offen, das ist aber längst Geschichte. Der in Amman geborene Adlige, der in den USA und Großbritannien studierte, hat zudem nicht einmal „seinen“ asiatischen Kontinentalverband (AFC) hinter sich. Denn in dem regiert Scheich Salman.

Der 49-Jährige gilt als Machtfigur im Weltsport und wird wohl den noch mächtigeren Strippenzieher Ahmad al Fahad al Sabah (Kuwait), der bereits Thomas Bach auf den Weltsportthron beim Internationalen Olympischen Komitee (IOC) gehievt hat, hinter sich haben. Was beide machen, wenn deren ehemaliger Verbündeter Platini doch noch antreten darf, wenn im Februar im ersten Wahlgang eine Zwei-Drittel-Mehrheit nötig ist (danach reicht die einfache Mehrheit)? Unbekannt.

Ein großes Fragezeichen steht auch hinter Sexwale. Der Südafrikaner ist ein halb-externer Kandidat, mit der FIFA arbeitet er nur sporadisch zusammen. Sexwale, bürgerlich mit Vornamen Mosima Gabriel, war im damaligen Apartheidstaat Südafrika 13 Jahre lang zusammen mit Friedensnobelpreisträger Nelson Mandela auf Robben Island inhaftiert. Franz Beckenbauer sieht in ihm den perfekten Kandidaten, allerdings sind die Worte des Kaisers ja im Moment nicht viel wert.

Gar nicht erst zugelassen wurde Liberias Verbandspräsident Musa Hassan Bility, der durch den Integritätscheck der FIFA-Ethikkommission fiel. Warum, sagte die FIFA offiziell nicht. Gewählt hätte Bility aber ohnehin kaum einer der 209 Nationalverbände.

Die Kandidaten für das Präsidenten-Amt der FIFA im Überblick

Gianni Infantino (45/Schweiz): Europas Plan B. Der amtierende UEFA-Generalsekretär warf seinen Hut etwas überraschend, aber nach "einstimmigen Entschluss" des UEFA-Exkos in den Ring. "Wir glauben, dass Gianni Infantino alle Kriterien erfüllt, um die Herausforderungen zu meistern und die Organisation auf einen guten Weg zu mehr Integrität und Glaubwürdigkeit zu führen", hieß es in einer UEFA-Mitteilung. Der Schweizer hat aber bereits angekündigt, zu Gunsten Platinis zurückzuziehen - sollte dieser doch noch zugelassen werden.

Scheich Salman bin Ibrahim Al Khalifa (49/Bahrain): Reichte seine Kandidatur erst kurz vor dem Ende der Bewerbungsfrist (26. Oktober) ein und ist derzeit Favorit auf die Blatter-Nachfolge. Hat mindestens den asiatischen Kontinentalverband hinter sich. Allerdings schaut sich angeblich die FIFA-Ethikkommission das Exekutivmitglied wegen eines Anfangsverdachts auf Verletzung von Menschenrechten ganz genau an. Solche Fälle werden "individuell" beurteilt, teilte die FIFA nur ganz Allgemein mit.

Jerome Champagne (57/Frankreich): Wollte schon einmal Präsident werden, bekam vor der letzten Wahl aber nicht genug Unterstützer zusammen. Champagne punktete als Einziger mit einem Wahlprogramm, fordert mehr Transparenz und Entwicklung, hofft unter seiner Führung auf eine "starke, demokratische, respektierte und proaktive FIFA". Das klingt gut, realistische Chancen auf den FIFA-Thron dürfte er aber nicht haben, weil: Champagne arbeitete bereits von 1999 bis 2010 in verschiedenen beratenden Funktionen für die FIFA, war ein enger Vertrauter des skandalumwitterten Blatter.

Tokyo Sexwale (62/Südafrika): Wurde bereits von Franz Beckenbauer als Kandidat gepriesen, allerdings sind die Worte des Kaisers ja im Moment nicht viel wert. "Er hat zwar eine andere, eine politische Vergangenheit, aber er kennt sich im Sport aus. Er hat den Geruch der Neutralität, und deswegen glaube ich, dass er eine gute Lösung wäre", sagte Beckenbauer. Sexwale, bürgerlich mit Vornamen Mosima Gabriel, war im damaligen Apartheidstaat Südafrika 13 Jahre lang zusammen mit Friedensnobelpreisträger Nelson Mandela auf Robben Island inhaftiert. Derzeit leitet er eine FIFA-Beobachtungskommission für Israel und Palästina.

Prinz Ali bin Al Hussein (39/Jordanien): Im internationalen Sport gilt der in Amman geborene Adlige, der in den USA und Großbritannien studierte, als bestens vernetzt. Er wäre ein "großartiger Präsident", hatte ausgerechnet Platini vor der Wahl Ende Mai dieses Jahres erklärt. Dann kam es zum Bruch. Der Prinz selbst sagte im September, dass er der einzige Kandidat sei, welcher "der Korruption im Weltfußball mit Mut entgegentritt". Aber: Prinz Ali hat nicht einmal in seinem asiatischen Kontinentalverband eine verlässliche Mehrheit hinter sich und gilt als zu farblos.

Michel Platini (60/Frankreich): Bis vor kurzem der glasklare Favorit auf den höchsten FIFA-Posten - ehe eine dubiose Millionen-Zahlung von Blatter publik wurde und den ehemaligen Weltklasse-Fußballer in Verruf brachte. Wie Blatter ist auch Platini derzeit suspendiert, kann daher keinen Wahlkampf bestreiten und auch nicht um die Gunst der Verbände buhlen. Noch ist er nicht zugelassen - und das wird der UEFA-Boss auch nur, wenn er alle Vorwürfe entkräften kann.

SID

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