Rote Karte für die Fußball-Bosse

Blatter nach Mega-Sperre: "Ich bin immer noch der Präsident"

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Joseph Blatter und Platini wurden jeweils zu langen Sperren verdonnert.

Zürich - Paukenschlag im Fußball: Joseph Blatter und Michel Platini wurden jeweils jahrelang gesperrt. Der ehemalige FIFA-Präsident hält die Sperre für ungerechtfertigt und will dagegen vorgehen.

Rote Karte für die Fußball-Bosse Joseph Blatter und Michel Platini: Die rechtsprechende Kammer der Ethikkommission des Fußball-Weltverbandes hat den FIFA-Präsidenten und den Chef der Europäischen Fußball-Union für acht Jahre gesperrt. Damit ahndete das Gremium unter dem Vorsitz des deutschen Richters Hans-Joachim Eckert die Zahlung von zwei Millionen Schweizer Franken von Blatter an Platini aus dem Jahr 2011.

Es habe keine rechtliche Grundlage für die Zahlung gegeben, begründete die Ethikkommission das Urteil. Zwar wurde der Vorwurf der Bestechung und Korruption fallengelassen, dafür beanstandete die Kommission bei beiden Spitzenfunktionären einen Interessenskonflikt sowie die Annahme und Gewährung von Geschenken und sonstigen Vorteilen (Artikel 20). Außerdem hätten sowohl Blatter als auch Platini ihre Treuepflicht gegenüber der FIFA verletzt und gegen allgemeine Verhaltensregeln verstoßen.

Dazu muss Blatter eine Geldstrafe von 50 000 Schweizer Franken zahlen, Platini wurde mit 80 000 Schweizer Franken belegt.

Lebenslange Sperre für Blatter und Platini gefordert

Die ermittelnde Kammer hatte für Blatter und Platini sogar eine lebenslange Sperre gefordert. Aber auch mit diesem Strafmaß dürfte die fußballpolitische Karriere der Beiden vorbei sein, so denn das Urteil auch bei einem möglichen Gang vor den Internationalen Sportgerichtshof oder das Schweizer Bundesgericht weiter Bestand hat. Der FIFA- und auch der UEFA-Präsident hatten dies im Falle einer Verurteilung angekündigt.

Blatter hatte ohnehin seinen Rücktritt angekündigt, sein Nachfolger soll am 26. Februar auf dem FIFA-Kongress gewählt werden. Platini galt lange Zeit als Favorit auf die Nachfolge. Dies dürfte nun hinfällig sein, zumal er auch noch den notwendigen Integritätscheck bestehen muss. Fraglich ist auch, ober überhaupt noch genügend Stimmen auf sich vereinigen könnte. Der englische Verband hatte bereits angekündigt, Platini nicht zu unterstützen.

Die UEFA hat bereits Generalsekretär Gianni Infantino als Ersatzkandidaten aufgestellt. Auch der europäische Kontinentalverband muss sich nun einen neuen Chef suchen.

Hintergrund der Verurteilung war die dubiose Zwei-Millionen-Zahlung aus dem Jahr 2011. Nach Darstellung der beiden Spitzenfunktionäre habe es sich um eine verspätete Honorarzahlung für Platinis Dienste aus den Jahren 1998 bis 2002 gehandelt. Dieser Argumentation wurde aber nicht gefolgt.

Gegen Blatter hat auch die Schweizer Bundesanwaltschaft ein Strafverfahren unter anderem wegen des Verdachts der „ungetreuen Geschäftsbesorgung“ eingeleitet. Platini wird in diesem Fall als Auskunftsperson geführt.

Blatter will gegen Urteil vorgehen

Joseph Blatter hält seine Sperre durch die FIFA-Ethikkommission für ungerechtfertigt. Der für acht Jahre aus dem Fußball verbannte Schweizer versicherte am Montag in Zürich erneut, die dubiose Zahlung von zwei Millionen Franken an UEFA-Chef Platini aus dem Jahr 2011 sei juristisch sauber gewesen. Der bisherige Präsident des Weltverbands FIFA war zuvor ebenso wie der europäische Verbandschef Platini wegen Verstößen gegen das FIFA-Ethikreglement gesperrt worden. „Zu sagen, dies wäre ein guter Tag für die FIFA, ein guter Tag für den Fußball, wäre völlig falsch“, sagte Blatter.
Doch Blatter geht noch weiter - der 79-Jährige kündigte am Montag in Zürich an, bei der FIFA-Berufungskommission Einspruch einzulegen, vor den Internationalen Sportgerichtshof CAS zu ziehen und Schritte vor einem ordentlichen Schweizer Gericht einzuleiten. Er sei ein „Punchingball“, klagte er.

Das sagte Blatter auf der Pressekonferenz

Auf einer Pressekonferenz nach der Urteilsverkündung stellte sich Blatter und überraschte mit ein paar sehr kuriose Aussagen. Hier sind die wichtigsten Zitate von der PK:

+++ "Ich war heute sehr traurig. Sonst bin ich das nicht. Aber ich bin auch ein Kämpfer. Es ist nicht möglich, dass diese Angelegenheit so zu Ende geht.“

+++ "Ich muss kämpfen. Ich werde darum kämpfen. Ich glaube an Gott und auch an mich. Ich glaube, dass ich beim Kongress am 26. Februar noch der Präsident sein werde.“

+++ "Ich bin immer noch der Präsident! Die Ethikkommission hat kein Recht, gegen den Präsidenten der FIFA vorzugehen. Der Präsident kann nur durch den Kongress von seinen Pflichten entbunden werden.“

+++ "Wir werden umgehend zum Berufungskomitee der FIFA, zum internationalen Sportgerichtshof CAS und zu ordentlichen Schweizer Gerichten gehen. Wenn man für acht Jahre suspendiert wird, muss man schon ein sehr großes Verbrechen begangen haben.“

+++ "Ja, verraten - das könnte das richtige Wort sein. Ja, ich denke wir haben diese Ethikkommission eingesetzt, um am ethischen Verhalten zu arbeiten. Aber wenn sie leugnen, dass es Beweise gibt... Etwas, was nicht wahr ist, kann nicht bewiesen werden. Und wenn etwas nicht bewiesen werden kann, kann ich auch nicht schuldig sein.“

+++ "Ich habe niemals mit Geld betrogen.“

+++ "Es geht nicht um Rache an Michel Platini.“

+++ "Es geht um Menschlichkeit. In der Welt des Fußballs und in unserer geopolitischen Situation. Es geht um nichts anderes, als sich zu respektieren.“

+++ "Schon meine Suspendierung hat einen Tsunami ausgelöst. Es hat viele Kollateralschäden gegeben. In den Familien, auch in meiner Familie. Wir wurden gemobbt. Freunde wurden gemobbt. Die gesamte FIFA-Gemeinschaft ist in einer Krise.“

+++ "Ich empfinde keine Schande. Ich bin ein Mann der Prinzipien. Diese Prinzipien sind, kein Geld anzunehmen, das man nicht verdient hat, und seine Schulden zu zahlen.

UEFA "extrem enttäuscht" über Sperre für Platini

Die Europäische Fußball-Union stellt sich trotz des Urteils der FIFA-Ethikkommission hinter ihren für acht Jahre gesperrten Präsidenten Michel Platini. „Die UEFA unterstützt Michel Platinis Recht auf ein ordentliches Verfahren und die Möglichkeit, seinen Ruf wiederherzustellen“, hieß es am Montag in einer schriftlichen Stellungnahme der UEFA. Man sei „natürlich extrem enttäuscht“ über die Entscheidung. Verbandschef Platini hatte schon vor der Urteilsverkündung durch die rechtsprechende Kammer der Ethikkommission des Fußball-Weltverbandes den Gang vor den Internationalen Sportgerichtshof CAS angekündigt.

dpa/SID

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