Ende für den Mafia-Jäger

FIFA kriegt auch Mafia-Jäger Garcia klein

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Michael Garcia ist als Chefermittler der FIFA-Ethikkommission zurückgetreten.

New York - Michael Garcia hat aufgegeben. Auch der frühere US-Bundesanwalt konnte das Chaos im Weltverband FIFA nicht aufräumen. Ihm selbst wird das kaum schaden.

Früher jagte Michael Garcia Mafia-Bosse und Wirtschaftsverbrecher. Er brachte Terroristen hinter Gitter und legte sich mit einflussreichen Politikern an. Er war der „Unbestechliche“, der Mann, der das Gesetz nicht nur durchsetzte, sondern es selbst war. Jetzt ist Garcia gescheitert. Am Spinnennetz des Fußball-Weltverbandes FIFA, das - so scheint es - schwerer zu durchdringen ist als jede Verbrecherorganisation.

„Kein unabhängiges Komitee, kein Ermittler oder Schiedsgericht kann die Kultur einer Organisation ändern“, schrieb der frühere US-Bundesanwalt nach seinem Rücktritt als Chefermittler der FIFA-Ethikkommission. Seine jahrelange Arbeit, die Untersuchung der Korruptionsvorwürfe zu den WM-Vergaben an Russland 2018 und Katar 2022, ist quasi wertlos. Der FIFA ist das nur recht.

In dem Schmierentheater um die Ermittlungen der Ethikkommission sollte Garcia die entscheidende Rolle spielen. Den Part des rechtschaffenen „Wühlers“, der viel findet - am Ende aber nicht zu viel, um irgendetwas am System zu ändern. Der Jurist aus den Staaten, der mit einer FBI-Agentin liiert ist und früher Chef der Staatsanwaltschaft des Southern District of New York war, schien genau der richtige Mann. Einer fürs Image, der nicht nur in den USA höchsten Respekt genießt. Damit gab er sich aber nicht zufrieden.

Als der deutsche Richter Hans-Joachim Eckert (München) in seiner Auswertung des Garcia-Berichts (430 Seiten plus Tausende Seiten Anhang) Russland und Katar bei den WM-Vergaben 2018 bzw. 2022 von den Korruptionsvorwürfen freisprach und darüber hinaus noch FIFA-Präsident Joseph S. Blatter in den Himmel lobte, platze Garcia der Kragen. Er legte Einspruch ein - und wurde aus formalen Gründen bitter abgewatscht. Dann schmiss er hin, auch wenn er für seine Arbeit angeblich Millionensummen von der FIFA kassiert hat.

Kritik an Blatter

„Meine Rolle in diesem Prozess ist zu Ende“, sagte Garcia und bemängelte, ohne Blatter namentlich zu nennen, „fehlende Führung in der FIFA in diesen Fragen“. Eckerts Auswertung habe ihn das Vertrauen verlieren lassen, dass die rechtsprechende Kammer, der der Deutsche vorsitzt, tatsächlich unabhängig ist.

Seit 2012 untersuchte der US-Amerikaner als Vorsitzender der Untersuchungskammer die Korruptionsvorwürfe. Die Aufgabe, sich in das undurchsichtige Machtgeflecht des Weltfußballs einzuarbeiten, war undankbar. „In den ersten beiden Jahren hatte ich das Gefühl, dass die Kommission wirklich Fortschritte macht“, sagt er dennoch. Aber: „Diese Meinung hat sich in den vergangenen Monaten geändert.“

In New York nennen sie Garcia den „Sheriff der Wall Street“, das meinen manche nicht nur positiv. 1993 nahm er die Attentäter ins Visier, die den ersten Anschlag auf das World Trade Center verübt hatten, im Fall des früheren Gouverneurs Eliot Spitzer war Garcia der Staatsanwalt, der wegen Prostitution ermittelte.

Angestellt ist er inzwischen als Partner der Kanzlei Kirkland and Ellis. Mit Fußball hatte er eigentlich nichts am Hut, bis die FIFA anrief. Er hätte damals den Hörer besser nicht abgenommen.

SID

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