Verfahren, Kandidaten und Favoriten

FIFA-Präsidentenwahl 2016: Die wichtigsten Fragen und Antworten

+
Die Fifa-Präsidentenwahl 2016: Welcher Kandidat wird die meisten Stimmen bekommen?

Zürich - Die FIFA-Präsidentenwahl 2016 findet heute in Zürich statt: Alle Informationen zu Verfahren, Kandidaten, Uhrzeit und den Favoriten.

Die Fifa-Präsidentenwahl 2016: Warum gibt es heute bei der Fifa neue Wahlen?

Geldwäsche, Korruption, Bestechungsgelder: Gegen die Weltfußball-Organisation Fifa wird seit Mai 2015 ermittelt. Sepp Blatter wird wiedergewählt, tritt dann aber von seinem Amt als Fifa-Präsident zurück. Im September 2015 wird auch ein Ermittlungsverfahren gegen Blatter eingeleitet. Er soll rund 2 Millionen Schweizer Franken an den UEFA-Präsident Michele Platini - ohne rechtliche Grundlage. Beide werden suspendiert, dann für acht Jahre für sämtliche nationalen und internationalen Fußballtätigkeiten gesperrt. Der ehemalige Präsident legt Einspruch ein - was bleiben, sind sechs Jahre Sperre für Blatter und Platini. Mehr zum Hintergrund lesen Sie in einem Überblick zum Korruptionsskandal der Fifa.

Die Fifa braucht einen neuen Chef. Seit der Gründung 1904 steht der Fußball-Weltverband vor einer der wichtigsten Entscheidungen. Die Fifa will sich reformieren, ein sauberes Image soll zurück. Im Vorfeld der Präsidentenwahl 2016 wurden in der Fifa-Komission neue Reformen zusammengetragen. Die wichtigsten Neuerungen dabei: Der Präsident repräsentiert künftig eher als dass er regiert. Die Exekutive wird zu einem Council, das wie ein Aufsichtsrat wirken soll. Die Amtszeiten für beide Gremien werden auf drei mal vier Jahre beschränkt. Knapp 18 Jahre Amtszeit wie bei Blatter sind demnach nicht möglich.

Die FIFA-Präsidentenwahl 2016: Wann und wo findet die Wahl heute statt?

Bei einem Außerordentlichen Kongress wird der neue Präsident der Fifa gewählt. Am heutigen Freitag, 26. Februar, soll der Nachfolger von Blatter festgelegt werden. Der Kongress beginnt um 9.30 Uhr in Zürich, dem Hauptsitz des Fußball-Weltverbands. Stimmberechtigt sind dabei alle 209 Mitgliedsländer. Wie lange die Wahl dauert, ist vor dem Kongress noch nicht absehbar - je nachdem, ob Kandidaten zurückziehen und wie viele Wahlgänge benötigt werden. Vom Vorsitzenden wird im Anschluss das Ergebnis bekannt gegeben - diese Aufgabe wird dem Fifa Interimspräsident Issa Hayatou zukommen. Der neue Präsident ist nach Beendigung des Kongresses im Amt.

Die FIFA-Präsidentenwahl 2016: Wer sind die Kandidaten?

Fünf Kandidaten haben sich als neuer Präsident der Fifa beworben. Sie haben vor der Wahl noch einmal 15 Minuten Zeit, um ihr Programm vorzustellen. Hier ein Überblick:

Prinz Ali bin al-Hussein (Jordanien): Der 40-jährige Prinz Ali bin al-Hussein ist Präsident des jordanischen Fußball Verbands. Bei den regelmäßigen Wahlen vergangenen Mai, trat er als einziger Gegenkandidat zu Blatter an. Da er allerdings schon im ersten Wahlgang deutlich weniger Stimmen erhielt, verzichtete er auf eine zweie Runde. Blatter wurde somit rechtmäßiger neuer Präsident. Nun versucht es der Jordaner erneut. Er studierte in den USA und Großbritannien und gilt als bestens vernetzt. Der Prinz selbst sagte im September, dass er der einzige Kandidat sei, welcher „der Korruption im Weltfußball mit Mut entgegentritt“. Aber: Prinz Ali hat nicht einmal in seinem asiatischen Kontinentalverband eine Mehrheit und gilt als zu farblos. Der Prinz stammt aus einer Erbmonarchie, ob er der richtige Kandidat ist für eine Demokratisierung der Fifa, bleibt abzuwarten.

Gianni Infantino (Schweiz): Seit 2009 ist er Generalsekretär der UEFA. Nachdem Platini für das Amt des Präsidenten nicht zur Verfügung steht, gilt der 45-jährige Schweizer als Plan B. „Wir glauben, dass Gianni Infantino alle Kriterien erfüllt, um die Herausforderungen zu meistern und die Organisation auf einen guten Weg zu mehr Integrität und Glaubwürdigkeit zu führen“, hieß es in einer UEFA-Mitteilung. Hinter Platini war Infantino aber lange nur der Zweite. Nun wittert er seine Chance. Seit insgesamt 15 Jahren arbeitet er für die UEFA. Zuvor war der Schweizer als Rechtsanwalt tätig, im Fußballverband übernahm er viele kommerzielle und rechtliche Aufgaben.

Tokyo Sexwale (Südafrika): Der 62-Jährige wurde bereits von Franz Beckenbauer als Kandidat gepriesen, allerdings sind die Worte des Kaisers ja im Moment nicht viel wert. „Er hat zwar eine andere, eine politische Vergangenheit, aber er kennt sich im Sport aus. Er hat den Geruch der Neutralität, und deswegen glaube ich, dass er eine gute Lösung wäre“, sagte Beckenbauer. Tokyo Sexwale, bürgerlich mit Vornamen Mosima Gabriel, war im damaligen Apartheidstaat Südafrika 13 Jahre lang zusammen mit Friedensnobelpreisträger Nelson Mandela auf Robben Island inhaftiert. Derzeit leitet er eine FIFA-Beobachtungskommission für Israel und Palästina. Er gilt als großer Außenseiter bei der Wahl. „Ich werde nicht davonlaufen“, sagte der 62-Jährige, als die ersten Gerüchte aufkamen, er werde doch nicht bei der FIFA-Präsidentschaftswahl in Zürich antreten. Allerdings scheint Beckenbauer sein einziger wahrer Fan zu sein.

Scheich Salman bin Ibrahim Al Khalifa (Bahrain): Der 50-Jährige reichte seine Kandidatur erst kurz vor dem Ende der Bewerbungsfrist (26. Oktober) ein und ist derzeit Favorit auf die Blatter-Nachfolge. Er hat bei der Wahl mindestens den asiatischen Kontinentalverband hinter sich. Allerdings schaute sich die FIFA-Ethikkommission das Exekutivmitglied wegen eines Anfangsverdachts auf Verletzung von Menschenrechten ganz genau an. Seit 2013 ist Salman bin Ibrahim Al Khalifa Präsident des asiatischen Verbands. Der Scheich kündigte an, im Falle seiner Wahl zum Präsidenten des Weltfußball-Verbands, auf sein Gehalt zu verzichten. Die Stimmen aus Afrika könnte er ebenfalls für sich verbuchen. Denn als Chef der asiatischen Fußball-Konföderation AFC hat er mit dem afrikanischen Verband CAF ein Abkommen: Die nächsten vier Jahre sichern sich die Verbände Unterstützung zu. Ob dies seine Chance bedeutet, Präsident zu werden, wird sich am Freitag zeigen.

Jerome Champagne (Frankreich): Der 57-jährige Franzose wollte schon einmal Präsident werden, bekam vor der letzten Wahl aber nicht genug Unterstützer zusammen. Champagne punktete als Einziger mit einem Wahlprogramm, fordert mehr Transparenz und Entwicklung und hofft unter seiner Führung auf eine „starke, demokratische, respektierte und proaktive FIFA“. Jerome Champagne gilt als größter Außenseiter und wird als "Don Quijote" unter den Bewerbern gehandelt. Die Kosten für sein Wahlprogramm musste er selbst stemmen, nicht wie beispielsweise Infantino, der sich dieses von seinem Kontinentalverband finanzieren ließ. Er tritt vor allem dafür ein, Ungleichgewichte auszugleichen. Das klingt gut, realistische Chancen auf den FIFA-Thron dürfte er aber nicht haben, weil: Der ehemalige Diplomat Champagne arbeitete bereits von 1999 bis 2010 in verschiedenen beratenden Funktionen für die FIFA, war ein enger Vertrauter des skandalumwitterten Blatter. Für die Fifa wohl keine guten Aussichten auf einen Neuanfang.

Alle Kandidaten können ihre Kandidatur vor oder während des Kongresses offiziell zurückziehen. Vor dem Kongress muss ein solcher Entschluss der Wahlkommission offiziell mitgeteilt werden. Während des Kongresses muss der Kandidat seinen Entschluss spätestens vor Beginn des Wahlganges offiziell mitteilen. Im vergangenen Mai war das bei Prinz Ali der Fall. Er hatte den ersten Wahlgang mit 73 Stimmen gegen Blatter (133) verloren. Zum zweiten trat er dann nicht mehr an.

FIFA-Präsidentenwahl 2016: Welcher Kandidat geht heute als Favorit ins Rennen?

Zwei Namen werden als Favoriten gehandelt: Infantino und Scheich Salman. Während die beiden Kandidaten aus Afrika und Frankreich möglicherweise null Stimmen bekommen könnten, können der Schweizer und der Bahrainer auf die Unterstützung vieler Staaten zählen. Wer bei der Wahl für wen stimmt, kann bis zur eigentlichen Entscheidung nur gemutmaßt werden. Infanto kann sich wohl der meisten Stimmen aus Europa sicher sein. Außerdem sieht es danach aus, als würden auch die Mitglieder aus Süd- Zentral-, Mittel- und Nordamerika bei der Wahl für den Schweizer stimmen. Außerdem gab der schweizer Kandidat an, dass die Mehrzahl der 54 afrikanischen Mitgliedsstaaten auf seiner Seite stünden. Ist dies tatsächlich der Fall, ist dem Schweizer die Mehrheit der Stimmberechtigten sicher.

Ihm gegenüber wird Scheich Salman als großer Favorit ins Rennen gehen. Auch er hofft auf die volle Unterstützung des afrikanischen Verbands, was aufgrund seiner Kooperation mit diesem als sicher scheint. Außerdem steht der asiatische Verband geschlossen hinter dem Scheich. Am Tag vor der Wahl hatte nur Ozeanien bislang nicht durchscheinen lassen, wem die Stimmen gebühren werden. Der Scheich ist nach eigener Aussage davon überzeugt, dass es ein Rennen zwischen ihm und Infantino werden wird. Dem Prinz aus Jordanien wird nur eine kleine Chance zugeschrieben.

Die Fifa-Präsidentenwahl 2016: Wie sieht der Verlauf der Wahl aus?

Wenn alle FIFA-Mitglieder nach Zürich reisen und auch abstimmen dürfen, sind dort 209 Wahlberechtigte vertreten. Jedes Mitglied hat dann eine Stimme. Der Deutsche Fußball-Bund (DFB) mit knapp sieben Millionen Mitgliedern ist deshalb während der Wahl genauso „mächtig“ wie beispielsweise der Nationalverband von Amerikanisch Samoa (insgesamt 56.000 Einwohner) oder Aruba (107.000). 

Die Abgabe der Wahlzettel, die geheim erfolgt, geht in alphabetischer Reihenfolge über die Bühne. Die Verbände dürfen sich auch der Stimme enthalten. Für die Wahl des FIFA-Präsidenten sind im ersten Wahlgang zwei Drittel der Stimmen der anwesenden und stimmberechtigten FIFA-Mitglieder erforderlich. Im zweiten und gegebenenfalls in weiteren Wahlgängen genügt die absolute Mehrheit (über 50 Prozent) der abgegebenen und gültigen Stimmen. Bewerben sich mehr als zwei Kandidaten für das Amt des FIFA-Präsidenten (wie am 26. Februar der Fall), so scheidet ab dem zweiten Wahlgang jeweils derjenige aus, der die geringste Anzahl Stimmen auf sich vereinigen konnte, bis nur noch zwei Anwärter zur Wahl stehen. 

Die Auszählung durch zuvor bestimmte Stimmenzähler (es soll eine „angemessene“ Anzahl sein) erfolgt unmittelbar im Anschluss an die Stimmabgabe. Nach der Wahl erklärt der Gewinner, ob er die Wahl annimmt. Bei Annahme der Wahl beginnt die Amtszeit des Präsidenten nach Abschluss des Kongresses, bei dem er gewählt worden ist.

FIFA-Präsidentenwahl 2016 heute im Live-Stream auf der FIFA-Seite

Wer die FIFA-Präsidentenwahl 2016 live verfolgen will. Die FIFA-Homepage bietet einen Live-Stream. Dieser Live-Stream beginnt um 8 Uhr (mitteleuropäische Zeit) und dauert so lange, bis die Wahl des neuen Präsidenten abgeschlossen ist. Damit nicht genug: Auch die Pressekonferenz nach der Wahl wird im Stream übertragen. Allerdings sollte man schon gut Englisch können, das es keinen deutschen Kommentar geben wird.

Die FIFA-Präsidentenwahl 2016: Heute bei uns im Live-Ticker

Über die Geschehnisse beim Außerordentlichen Kongress am Freitag in Zürich halten wir Sie in unserem Live-Ticker ab 9.30 Uhr auf dem Laufenden. Verfolgen Sie hier mit, welcher Kandidat die Fifa-Präsidentschaftswahl 2016 gewinnt.

Nina Probst (Mit Material von sid)

Mehr zum Thema:

auch interessant

Meistgelesen

So sehen Sie Real Madrid gegen Borussia Dortmund heute live im TV und Live-Stream
So sehen Sie Real Madrid gegen Borussia Dortmund heute live im TV und Live-Stream
Schmutzige Geldgeschäfte von Ronaldo, Özil und Co. enthüllt
Schmutzige Geldgeschäfte von Ronaldo, Özil und Co. enthüllt
BVB: "Sahnehäubchen" Gruppensieg - oder lieber nicht?
BVB: "Sahnehäubchen" Gruppensieg - oder lieber nicht?
FC Barcelona gegen Real Madrid: So endete der Clasico
FC Barcelona gegen Real Madrid: So endete der Clasico

Kommentare