Namen, Abläufe und was bisher geschah

Die FIFA-Präsidentschaftswahl: Das müssen Sie wissen

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Gianni Infantino darf sich gute Chancen auf das Amt des FIFA-Präsidenten ausrechnen.

Zürich - Am 26. Februar wird in Zürich der Nachfolger des für acht Jahre gesperrten FIFA-Präsidenten Joseph S. Blatter gewählt. Hier gibt es einen Überblick über den Ablauf der Wahl.

DIE KANDIDATEN:

Prinz Ali bin Al Hussein (40/Jordanien)

Jerome Champagne (57/Frankreich)

Gianni Infantino (45/Schweiz)

Scheich Salman bin Ibrahim Al Khalifa (50/Bahrain)

Tokyo Sexwale (62/Südafrika)

DIE WÄHLER:

Wenn alle FIFA-Mitglieder nach Zürich reisen und auch abstimmen dürfen, sind dort 209 Wahlberechtigte vertreten. Jedes Mitglied hat dann eine Stimme. Der Deutsche Fußball-Bund (DFB) mit knapp sieben Millionen Mitgliedern ist deshalb während der Wahl genauso „mächtig“ wie beispielsweise der Nationalverband von Amerikanisch Samoa (insgesamt 56.000 Einwohner) oder Aruba (107.000).

DAS RÜCKZIEHEN:

Alle Kandidaten können ihre Kandidatur vor oder während des Kongresses offiziell zurückziehen. Vor dem Kongress muss ein solcher Entschluss der Wahlkommission offiziell mitgeteilt werden. Während des Kongresses muss der Kandidat seinen Entschluss spätestens vor Beginn des Wahlganges offiziell mitteilen. Im vergangenen Mai war das bei Prinz Ali der Fall. Er hatte den ersten Wahlgang mit 73 Stimmen gegen Blatter (133) verloren.

DIE ANSPRACHEN:

Vor der Wahl haben die Kandidaten das Recht, dem Kongress während 15 Minuten ihr Programm darzulegen. Das dürfte dauern: Allein für die Wiederholung der oft zitierten Wahlkampf-Ansagen gehen dann 75 Minuten drauf...

DER URNENGANG:

Die Abgabe der Wahlzettel, die geheim erfolgt, geht in alphabetischer Reihenfolge über die Bühne. Die Verbände dürfen sich auch der Stimme enthalten.

DAS STIMMVERHÄLTNIS:

Für die Wahl des FIFA-Präsidenten sind im ersten Wahlgang zwei Drittel der Stimmen der anwesenden und stimmberechtigten FIFA-Mitglieder erforderlich. Im zweiten und gegebenenfalls in weiteren Wahlgängen genügt die absolute Mehrheit (über 50 Prozent) der abgegebenen und gültigen Stimmen.

Bewerben sich mehr als zwei Kandidaten für das Amt des FIFA-Präsidenten (wie am 26. Februar der Fall), so scheidet ab dem zweiten Wahlgang jeweils derjenige aus, der die geringste Anzahl Stimmen auf sich vereinigen konnte, bis nur noch zwei Anwärter zur Wahl stehen.

DIE AUSZÄHLUNG:

Die Auszählung durch zuvor bestimmte Stimmenzähler (es soll eine „angemessene“ Anzahl sein) erfolgt unmittelbar im Anschluss an die Stimmabgabe. Nach der Wahl erklärt der Gewinner, ob er die Wahl annimmt. Bei Annahme der Wahl beginnt die Amtszeit des Präsidenten nach Abschluss des Kongresses, bei dem er gewählt worden ist.

Der Korruptionsskandal im Überblick

2. Dezember 2010: Die FIFA vergibt die WM-Turniere 2018 und 2022 an Russland bzw. Katar. Kurz vor der Abstimmung werden sechs Mitglieder des Exekutivkomitees gesperrt. Die britische Zeitung Sunday Times hatte aufgedeckt, dass sie ihre Stimmen zum Kauf angeboten hatten.

1. Juni 2011: Der Schweizer Joseph S. Blatter wird zum vierten Mal zum FIFA-Präsidenten gewählt und installiert eine Reformagenda. Wenige Wochen vor Blatters erneuter Wahl leitet der Verband eine Untersuchung aufgrund angeblicher rechtswidriger Zahlungen in die Wege.

23. Juni 2011: Mohamed bin Hammam, ehemaliger Präsident des asiatischen Kontinentalverbandes (AFC) und Mitglied des FIFA-Exekutivkomitees, wird wegen nachgewiesener Korruption lebenslang gesperrt.

30. April 2013: Die Ethikkommission bestätigt, dass Ex-FIFA-Boss Joao Havelange und die einstigen Exekutiv-Komitee-Mitglieder Ricardo Teixeira und Nicolas Leoz illegale Zahlungen der Sport-Marketing-Firma ISL angenommen haben.

6. Mai 2013: Chuck Blazer, ehemaliger CONCACAF-Generalsekretär, wird von der Ethikkommission gesperrt.

17. Dezember 2014: Der ehemalige US-Bundesanwalt Michael Garcia tritt als Chefermittler der FIFA zurück. Der Amerikaner reagiert damit auf die Ablehnung seines Einspruchs gegen die Auswertung seiner Untersuchung der Korruptionsvorwürfe bei der WM-Vergaben 2018 und 2022. „Meine Rolle in diesem Prozess ist zu Ende“, sagt Garcia und bemängelte „fehlende Führung in der FIFA in diesen Fragen“.

27. Mai 2015: Kurz vor Beginn des FIFA-Kongresses in Zürich nimmt die Schweizer Polizei sieben hochrangige Funktionäre fest. Darunter sind auch die beiden Vizepräsidenten Jeffrey Webb (Kaimaninseln) und Eugenio Figueredo (Uruguay). Zudem werden Jose Maria Marin, Costas Takkas, Eduardo Li, Julio Rocha und Rafael Esquivel verhaftet. Den sieben Festgenommenen, die in die USA ausgeliefert werden sollen, werden Geldwäsche, die Annahme von Bestechungsgeldern sowie Korruption bei WM-Vergaben und TV-Rechten vorgeworfen.

29. Mai 2015: Blatter wird zum fünften Mal zum Präsidenten gewählt: Er erhält 133 Stimmen, sein einziger Gegenkandidat Prinz Ali bin Al Hussein 73.

2. Juni 2015: Der umstrittene Präsident Joseph S. Blatter stellt sein Amt für Neuwahlen bei einem außerordentlichen Kongress zur Verfügung. „Ich habe hart für Veränderungen und Reformen gekämpft. Aber ich kann das nicht alleine machen“, sagt er.

17. September 2015: Blatters rechte Hand, FIFA-Generalsekretär Jerome Valcke, wird von allen Aufgaben entbunden. Er soll vom Ticketverkauf für Weltmeisterschafts-Endrunden persönlich profitiert haben.

25. September 2015: Die Schweizer Justiz-Behörden eröffnen ein Ermittlungsverfahren gegen Blatter. Ihm wird unter anderem „eine treuwidrige Zahlung von zwei Millionen Schweizer Franken im Februar 2011 zu Lasten der FIFA“ an UEFA-Präsident Michel Platini vorgeworfen. Platini, der zu diesem Zeitpunkt noch als Thronfolger Blatters gilt, betont, es habe sich um eine legale Zahlung gehandelt, und er habe nichts falsch gemacht.

2. Oktober 2015:  Die einflussreichen FIFA-Sponsoren Coca-Cola, Visa und McDonald's fordern Blatter auf, mit sofortiger Wirkung zurückzutreten. Der Schweizer winkt ab und hält an seinem Plan fest, dass sein Nachfolger im Februar 2016 gewählt wird.

8. Oktober 2015: Blatter, Platini und Valcke werden von der Ethikkommission vorläufig für 90 Tage suspendiert. Der ehemalige südkoreanische FIFA-Vize-Präsident Chung Mong-Joon wird zeitgleich für sechs Jahre gesperrt. Blatter soll gegen den Ethikcode verstoßen haben. FIFA-Vizepräsident Issa Hayatou (Kamerun) übernimmt interimsweise Blatters Amtsgeschäfte.

24. November 2015: Die ermittelnde Kammer der FIFA-Ethikkommission beantragt eine lebenslange Sperre für Platini. Einen entsprechenden Antrag bestätigt der Anwalt des Franzosen.

3. Dezember 2015: Im Vorfeld der Sitzung des Exekutivkomitees in Zürich verhaftet die Polizei auf Antrag der US-Justiz die hochrangigen Funktionäre Juan Angel Napout (Paraguay) und Alfredo Hawit (Honduras). Erneut geht es um organisiertes Verbrechen, Geldwäsche und Betrug. „Die hochrangigen FIFA-Funktionäre sollen diese Gelder als Gegenleistung für den Verkauf von Vermarktungsrechten im Zusammenhang mit der Austragung von Fußballturnieren in Lateinamerika und von WM-Qualifikationsspielen erhalten haben“, teilt das Schweizer Bundesamt für Justiz mit.

11. Dezember 2015: Der Internationale Sportgerichtshof CAS in Lausanne bestätigt in letzter sportrechtlicher Instanz Platinis Suspendierung bis längstens zum 5. Januar 2016.

21. Dezember 2015: Die rechtsprechende Kammer der Ethikkommission spricht ihr Urteil: Blatter und Platini werden für acht Jahre gesperrt. Der Vorwurf lautet Untreue und Amtsmissbrauch.

7. Januar 2016: Platini zieht seine Kandidatur für das Präsidenten-Amt im Weltverband zurück. „Mir fehlt einfach die Zeit, Wahlkampf zu betreiben, gegen andere Kandidaten anzutreten. Wie soll ich dann eine Wahl gewinnen?“, sagte der Franzose der L'Equipe. Mit diesem Rückzug widme er sich ganz seiner Verteidigung, so der 60-Jährige.

12. Februar: Die Ethikkommission sperrt Valcke für zwölf Jahre. Der Vorwurf lautet Amtsmissbrauch in mehreren Fällen. Der Franzose wurde zudem wegen der „Vernichtung von Beweismitteln“ verurteilt. Neben der Sperre erhielt er auch eine Geldstrafe in Höhe von knapp 91.000 Euro.

15./16. Februar: Platini und Blatter sagen vor der FIFA-Berufungskommission aus. Beide Anhörungen dauern über acht Stunden. Platini fährt anschließend siegessicher und redselig davon, Blatter verlässt das FIFA-Hauptquartier durch die Hintertür.

sid

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