Ende der Diskussionen

FIFA segnet Winter-WM 2022 in Katar ab

Fifa WM 2022 Katar
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Der Weltverband hat die umstrittene WM in Katar offiziell abgesegnet.

Zürich - Am Freitag verkündet die FIFA-Exekutive offiziell die Verlegung der WM 2022 in die Wintermonate - und gibt den Startschuss für jahrelange Diskussionen.

Der große Boss reiste kurz vor der Sitzung seiner „Regierung“ selbst nochmal in die Wüste, damit die größte Revolution im Weltfußball auch wirklich abgenickt wird. Mit dem Emir von Katar sprach FIFA-Präsident Joseph S. Blatter am Wochenende über die historische Winter-WM 2022 - am Freitag wird der 79-Jährige dann das exakte Datum verkünden. Es wird der offizielle Auftakt zu jahrelangen Diskussionen sein.

„Natürlich ist das auch aus deutscher Sicht nicht erfreulich, an der Verlegung in den Winter hängt unglaublich viel“, sagte Wolfgang Niersbach, Präsident des Deutschen Fußball-Bundes (DFB), dem SID: „Es ist ein ganz gravierender Einschnitt, den man sich hätte ersparen können. Aber jetzt plädiere ich für Sachlichkeit. Es hilft jetzt nicht zu lamentieren - wir müssen nach vorne und nach Lösungen schauen.“ Viele europäische Klubs waren allerdings schon vorsorglich auf die Barrikaden gegangen und hatten Kompensationszahlungen gefordert.

Entscheidung soll Diskussionen beenden

Das wird das FIFA-Exekutivkomitee während der Sitzung bis Freitagmittag, bei der das deutsche Mitglied Theo Zwanziger am ersten Tag (Donnerstag) aus persönlichen Gründen fehlte, nur bedingt interessieren. Der Vorschlag der Terminfindungskommission für November/Dezember 2022 wird abgesegnet, für den Weltverband geht es in erste Linie um das Ende der Diskussionen. Seit der WM-Vergabe 2010 entwickelte sich Katar wegen der Korruptionsvorwürfe und Menschenrechtsverletzungen zum größten Problemfall in der Geschichte des Weltverbands - die Verlegung in den Winter ist je nach Auslegung der vorläufige Höhe- oder Tiefpunkt.

„Die Entscheidung für Katar ist Stand heute klar“, sagte Niersbach. Auch der Korruptionsbericht des früheren Chefermittlers Michael Garcia „stellt die grundsätzliche Austragung offensichtlich nicht infrage“. Eine „offene, wichtige Voraussetzung ist für mich, dass an der Frage der Menschenrechtssituation gearbeitet wird“, sagte Niersbach: „Das sieht auch Joseph Blatter so.“

Genauer Termin steht noch nicht fest

Zwar beteuert das lokale Organisationskomitee immer wieder, dass eine Besserung eingetreten ist, aber nach Ansicht der internationalen Menschenrechtsorganisationen hat sich an den katastrophalen, sklavenähnlichen Bedingungen am Persischen Golf kaum etwas geändert. Auch darüber will das FIFA-Exko im Hauptquartier auf dem Zürichberg beraten. Im Vordergrund steht aber die Terminfrage: Wie viele Tage vor Weihnachten wird der neue Weltmeister gekürt?

„Definitiv nicht“ am 23. Dezember 2022, sagte Blatter, der am 29. Mai seine fünfte Amtszeit anstrebt: „Wir müssen spätestens am 18. Dezember fertig sein. Ich bin gegen den Tag vor Heiligabend.“ Das Wort des Präsidenten hat Gewicht.

„Die Verlegung ist nun ein Konsensmodell, und wir sind gut beraten, im Umgang damit nicht immer nur die deutsche Brille aufzusetzen“, sagte Niersbach: „In Europa war ohnehin eine Austragung `im Januar 2023“ präferiert worden. „Es kam aber von der FIFA der Einwand der einzuhaltenden Verträge - mit dem Ausrichter, den Medien und Sponsoren“, sagte Niersbach.

Russland 2018 rückt in den Hintergrund

Die Geldgeber haben allerdings derzeit auch ganz andere Sorgen: Die WM vier Jahre früher droht wegen des Ukraine-Konflikt zum Politikum zu werden. FIFA-Generalsekretär Jerome Valcke wird in Zürich einen Zwischenbericht zum Turnier 2018 in Russland geben. Der auch von deutschen Politikern geforderte Boykott spielt bei der FIFA aber wohl keine Rolle. Für einen Entzug braucht es „höhere Gewalt“. Wo die anfängt, muss das Exekutivkomitee irgendwann zwingend entscheiden.

Verkündet werden in Zürich aber andere Dinge. Die Ausrichter der Frauen-WM 2019 (Frankreich oder Südkorea) und Klub-WM 2017/18, die Beteiligung der Klubs am Gewinn der Weltmeisterschaft sowie der Umgang mit der Dreifachbestrafung, deren Änderung in den Kongress im Mai eingebracht werden könnte. Die große Zusammenkunft der 209 Mitgliedsverbände selbst soll zudem geplant werden.

SID

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