FIFA-Skandal als Chance: Rauball will neuen Weltverband

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Liga-Präsident Reinhard Rauball fordert einen neuen Fußball-Weltverband. 

Frankfurt - Im FIFA-Skandal hat sich auch Ligapräsident Reinhard Rauball klar positioniert. Er erwartet von Joseph Blatter den Rücktritt und von UEFA-Chef Platini eine lückenlose Aufklärung der an ihn geflossenen Gelder. Zudem müsse sich der Weltverband völlig neu aufstellen.

Reinhard Rauball sieht den skandalumtosten Fußball-Weltverband vom Untergang bedroht und fordert deshalb neben dem schnellstmöglichen Rücktritt von Präsident Joseph Blatter eine umfassende Neustrukturierung. Der Ligapräsident strebt zwar keine Zerschlagung der FIFA an, warnte in einem Interview der "Süddeutschen Zeitung" aber vor ihrer möglichen Auflösung im Zuge der Korruptionsermittlungen amerikanischer und Schweizer Behörden.

"Ich positioniere mich hier gar nicht für eine Neugründung, ich sage nicht: Wir sollten austreten", betonte Rauball. "Ich bin aber ganz sicher, dass es höchste Zeit ist, sich schnell über einen Plan B Gedanken zu machen. Die Gefahr wird kolossal unterschätzt, dass die FIFA durch Strafverfahren der US-Behörden und durch eventuelle massive Schadenersatzklagen handlungsunfähig wird, dass sie also nicht weitermachen kann."

Für Rauball ist es bereits fünf vor Zwölf

Nach Meinung des Juristen sei der Ernst der Lage noch nicht überall erkannt worden. Die US-Justizbehörden als offenbar treibende Kraft des ganzen Verfahrens könnten seiner Ansicht nach "mit noch nie dagewesener Härte gegen die FIFA vorgehen". Es werde schon länger über die mögliche Einstufung des Weltverbandes als kriminelle Vereinigung berichtet. "Die Tragweite und die große Gefahr, die für die FIFA von so einer Klassifizierung ausgehen könnte, wird anscheinend bei vielen noch nicht richtig erkannt", meinte Rauball.

Für den Präsidenten des Bundesligisten Borussia Dortmund ist es bereits fünf vor Zwölf. Nachdem die Schweizer Bundesanwaltschaft am vergangenen Freitag ein Strafverfahren gegen Blatter eingeleitet hat, dürfe der FIFA-Boss seinen Thron nicht erst auf dem Wahlkongress am 26. Februar 2016 räumen. "Ich würde Blatter raten, genau deshalb zu sagen: Ich befreie den Weltfußball und die FIFA zum frühestmöglichen Zeitpunkt von dieser Personalie", sagte Rauball.

Von dem unter Druck geratenen UEFA-Chef und potenziellen Blatter-Erben Michel Platini, der 2011 zwei Millionen Schweizer Franken von der FIFA erhalten hatte, erwartet er eine lückenlose Aufklärung des dubiosen Vorgangs. "Michel Platini wird der Öffentlichkeit und den Fußball-Fans glaubwürdig, und darauf liegt die Betonung: glaubwürdig, erklären müssen, wie die Dinge gelaufen sind", forderte Rauball. "Was Platini uns bisher wissen lässt, reicht da einfach nicht aus."

Rauball fordert kompletten Neustart

Rauball mahnte in dem Interview aber nicht nur einen personellen, sondern auch inhaltlichen Neustart an. "Bei der FIFA entscheiden alle Verbände mit je einer Stimme darüber, wer Präsident wird und wo WM-Endrunden stattfinden", kritisierte der 68-Jährige und reklamierte mehr Gewicht für die großen europäischen Verbände.

Ihm schwebt eine Struktur vor wie in einer "deutschen AG, mit einem professionellen Vorstand und einem entsprechenden Aufsichtsrat". Zudem sei ihm "zu viel Mitgliederschaftlichkeit vorhanden, zu viele interne Bindungen. Ich bin dafür, dass da mehr Leute reinkommen, die eben nicht alle aus dem Fußball kommen", betonte Rauball.

Eine Mehrheit für solch gravierende Veränderungen sieht er derzeit in der FIFA aber nicht. "So eine Reform geht nur mit einer Neugründung - oder wenn eine Neugründung durch den Druck der Ermittlungsbehörden zu einem realistischen Szenario wird und die FIFA darauf in letzter Minute doch noch reagiert", betonte er.

Einen möglichen WM-Rückzug großer Nationen wie Deutschland, England oder die Niederlande hält Rauball dagegen nicht für ein geeignetes Druckmittel. "Am Reißbrett so etwas durchzuspielen, ist einfach. In den bestehenden Strukturen, mit langfristigen wechselseitigen Verträgen, die die verschiedenen Parteien und Sponsoren binden, ist das aber alles viel komplizierter", sagte er. "Von daher sehe ich keinen Ansatz darin, eine Alternativ-Veranstaltung zu gründen, solange es parallel die FIFA noch gibt."

dpa

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