News zum Präsidenten und FIFA-Skandal

FIFA-Ticker: Verbände streben WM-Boykott an

Sepp Blatter, FIFA-Skandal, Korruption, Kongress
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Der alte und neue Präsident der Fifa: Sepp Blatter.

Zürich - Die FIFA wird durch den Korruptionsskandal in ihren Grundfesten erschüttert. Doch Boss Sepp Blatter wurde auf dem Kongress wieder gewählt. Alle Infos rund um die Entwicklungen beim Fußball-Weltverband.

+++AKTUALISIEREN+++  

+++ Brasiliens Fußball-Legende Pelé hat die Wiederwahl von Joseph Blatter begrüßt. Dem jüngsten Korruptionsskandal zum Trotz bezeichnete er die Wahl als „perfekt“. An der Spitze des Fußball-Weltverbands brauche es Menschen mit Erfahrung, sagte Pelé am Sonntag (Ortszeit) in Havanna. Der 74-Jährige begleitet seinen früheren US-Verein Cosmos New York zu einem historischen Spiel gegen die kubanische Nationalelf. Die Partie findet am Dienstag (23.00 Uhr MESZ) statt.

+++ In die immer länger werdende Reihe von Leuten, die Sepp Blatter angreifen, gesellt sich nun auch der ehemalige FIFA-Vizepräsident Jack Warner. Doch frei von Korruptionsverdacht ist auch er nicht.

+++ Englands Fußball-Verbandspräsident Greg Dyke hat Deutschland und andere wichtige Fußball-Nationen aus Protest gegen den wiedergewählten FIFA-Präsident Joseph Blatter zu einem WM-Boykott aufgerufen. Dieser müsse von mindestens „zehn großen Ländern“ unterstützt werden, um Auswirkungen zu haben, sagte Dyke dem BBC Radio. „Ansonsten ist es zwecklos.“ Die FIFA würde „nur ernsthafte Maßnahmen unternehmen, wenn es genug Opposition gibt. Das wären sicherlich wir, das wären sicherlich die Niederländer, das wären sicherlich die Deutschen, die einen Wechsel forderten und weiter einen Wechsel fordern.“

Diese Woche wollen die Mitgliedsverbände der Europäischen Fußball-Union UEFA vor dem Champions-League-Finale in Berlin über eine gemeinsame Strategie beraten. UEFA-Präsident Michel Platini hatte schon vor dem FIFA-Kongress in Zürich am vergangenen Wochenende für den Fall einer fünften Amtszeit Blatters den Rückzug europäischer Mannschaften aus allen FIFA-Wettbewerben nicht ausgeschlossen.

+++ Vor dem Hintergrund des Fifa-Korruptionsskandals fordern die Grünen einen Boykott der Fußball-Weltmeisterschaft 2022 in Katar. "Statt im Winter 2022 zu einem grotesken Turnier nach Katar zu fahren, sollten die fußballstarken Europäer in dem Jahr ein eigenes Turnier austragen und jedes Land der Welt einladen, daran teilzunehmen", sagte Grünen-Fraktionschefin Katrin Göring-Eckardt dem Düsseldorfer "Handelsblatt" vom Montag. "Die Fifa scheint solche harten Ansagen zu brauchen."

Göring-Eckardt zeigte sich geschockt über jüngste Äußerungen des am Freitag wiedergewählten Fifa-Präsidenten Joseph Blatter. "Die Selbstherrlichkeit von Joseph Blatter und seinen grauen Herren des Fifa-Syndikats machen einen wirklich sprachlos", sagte die Grünen-Fraktionschefin.

+++ Linken-Parteichef Bernd Riexinger und der Vorsitzende der Deutschen Polizeigewerkschaft, Rainer Wendt, haben gefordert, Fifa-Präsident Sepp Blatter das ihm 2006 verliehene Bundesverdienstkreuz wieder abzuerkennen. "Blatters einziger Verdienst besteht doch darin, aus dem Fußball, der Millionen Menschen begeistert und zusammen bringt, eine korrupte und maßlose Werbemaschine zu machen", sagte Riexinger der "Bild"-Zeitung vom Samstag. Den Weltfußballverband Fifa bezeichnete Riexinger als eine "mafiöse Vereinigung". "Sobald sich zeigt, dass Blatter mit im Fifa-Sumpf steckt, muss ihm das Verdienstkreuz aberkannt werden", zitiert die "Bild" Wendt. Blatter habe sich für diese Auszeichnung, die er in Verbindung mit der Vergabe der WM 2006 an Deutschland erhalten hatte, "als unwürdig erwiesen".

+++ Blatter legt den Fokus seiner Aufmerksamkeit voll auf Platini und Niersbach:  Franz Beckenbauer, der ihn nach seiner Wiederwahl zum FIFA-Präsidenten noch verteidigt hatte, benutzt er dabei gegen dessen Willen als Kronzeugen. „Ich habe mit Franz Beckenbauer telefoniert. Er sagte mir, er jedenfalls habe den deutschen Verbandspräsidenten zusammengefaltet, weil der gegen mich stimmte“, sagte Blatter in einem Interview der Schweizer Zeitung „Sonntagsblick“.

Das Dementi des Kaisers kam umgehend. „Ich habe mit Wolfgang Niersbach freundschaftlich diskutiert. Von Zusammenfalten kann überhaupt keine Rede sein. Es steht mir auch nicht zu, einen DFB-Präsidenten zusammenzufalten. Wolfgang Niersbach und ich haben ein herzliches und offenes Verhältnis“, sagte er der „Bild“-Zeitung.

Der Deutsche Fußball-Bund reagierte verwundert auf die Aussage des FIFA-Chefs. „Keine Ahnung, wie Blatter auf sowas kommt, ein Telefonat mit dem Inhalt hat überhaupt nicht stattgefunden. Im Übrigen war es ein Beschluss des gesamten DFB-Präsidiums, für den Wechsel an der FIFA-Spitze zu stimmen“, sagte DFB-Mediendirektor Ralf Köttker.

+++ Joseph Blatter setzt die Attacken gegen UEFA-Chef Michel Platini und den DFB-Präsidenten Wolfgang Niersbach mit Berichten aus persönlichen Gesprächen fort. Franz Beckenbauer, der ihn nach seiner Wiederwahl zum FIFA-Präsidenten verteidigte, benutzt er dabei als Kronzeugen. „Ich habe mit Franz Beckenbauer telefoniert. Er sagte mir, er jedenfalls habe den deutschen Verbandspräsidenten zusammengefaltet, weil der gegen mich stimmte“, sagte Blatter in einem Interview der Schweizer Zeitung „Sonntagsblick“.

Platini habe ihm bei dem Vier-Augen-Gespräch in seinem Büro in der FIFA-Zentrale zur Mittagszeit am Donnerstag vorgeschlagen, „einen guten Whisky unter Freunden“ zu trinken. Dies habe er abgelehnt. Anschließend habe ihm der Franzose offenbar eine goldene Brücke bauen wollen: „Und dann meinte er allen Ernstes: 'Sepp, du machst den Kongress und am Schluss gibst du bekannt, dass du zurücktrittst. Du bekommst ein gigantisches Fest und dein Büro hier bei der FIFA kannst du behalten.'“

Prinz William fordert FIFA zu Reformen auf

+++ Prinz William hat den Weltverband FIFA eindringlich zu Reformen aufgefordert und dabei auch besonders die Finanziers des Fußballs in die Pflicht genommen. „Die Sponsoren und internationalen Verbände müssen die FIFA zu Veränderungen zwingen - ansonsten tun sie dem Fußball keinen Gefallen“, sagte der Präsident des englischen Verbandes am Rande des FA-Cup-Finals am Samstag im Londoner Wembleystadion.

Die FIFA müsse nun zeigen, dass sie „Fair Play vorleben und den Sport an erste Stelle setzen kann“, sagte Prinz William: „Es existiert ganz offensichtlich eine große Diskrepanz zwischen denen, die den Fußball unterstützen, und dem Management, gegen das es seit längerem schwere Korruptionsvorwürfe gibt.“

+++ Ligapräsident Reinhard Rauball hat Europas Fußball-Spitzen zu einer Aufarbeitung des gescheiterten Angriffs auf den umstrittenen FIFA-Chef Joseph Blatter aufgefordert. „Die UEFA muss intern kritisch ihren Auftritt auf dem FIFA-Kongress hinterfragen, Schwachpunkte klar definieren und eine Strategie entwickeln, wie künftig europäische Interessen durchgesetzt werden können“, sagte Rauball der „Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung“.

+++ DFB-Präsident Wolfgang Niersbach hat sich gegen einen europäischen Boykott der Weltmeisterschaften ausgesprochen. „Ich bin total dagegen“, sagte Niersbach am Rande des DFB-Pokalfinales zwischen Borussia Dortmund und dem VfL Wolfsburg in der ARD: „Das ist eine schlechte Waffe, das kann kein Mittel sein.“

Blatter kritisiert - und gibt sich versöhnlich

+++ Sepp Blatter scheint erneut mit seiner Taktik durchzukommen: Zwar gehen alle Beobachter davon aus, dass die Wahl knapp wie nie bei der FIFA ausgehen wird. Aber Blatters Macht wirklich zu brechen, wird schwer. Die tz erklärt, warum.

+++ Blatter sieht sich im Zuge der Ermittlungen gegen Fußball-Spitzenfunktionäre nicht selbst in Gefahr. „Wenn jemand Untersuchungen anstellt, dann hat er gutes Recht, dies anzustellen. Wenn es nach Völkerrecht getan wird, habe ich keine Sorgen, insbesondere nicht zu meiner Person“, sagte der Schweizer am Samstag in Zürich

+++ Trotz seiner umstrittenen Wiederwahl als FIFA-Chef erwartet Joseph Blatter keinen endgültigen Bruch mit der Europäischen Fußball-Union. „Die UEFA gehört zur FIFA, sie brauchen die FIFA und die FIFA braucht die UEFA“, sagte der Präsident des Weltverbands am Samstag in Zürich. Auf der Sitzung des FIFA-Exekutivkomitees habe einer der europäischen Vertreter zuvor erklärt, die beiden Dachverbände müssten sich „zusammenraufen“.

Kritik übte Blatter am Verzicht des Engländers David Gill auf den Sitz in der FIFA-Exekutive. Der frühere Club-Direktor von Manchester United war als FIFA-Vize gewählt worden, tritt das Amt aber aus Protest gegen Blatter nicht an. „Wenn man gewählt ist, muss man Verantwortung übernehmen“, sagte Blatter. Es gehe nicht an, dass man einfach nicht erscheine. Über seine Gründe habe ihn Gill nicht informiert, erklärte der Schweizer.

+++ Franz Beckenbauer  hat FIFA-Chef Joseph Blatter nach dessen Wiederwahl gelobt und den Gegenspielern des Schweizers von der UEFA eine schlechte Strategie bescheinigt. „Blatter ist ohne Zweifel eine starke Persönlichkeit, die ein gewaltiges Standing in der Welt besitzt“, sagte der Fußball-Kaiser in einem Interview der „Thüringer Allgemeinen“ (Samstag).

Die europäischen Gegenspieler Blatters kritisierte Beckenbauer. „Die UEFA hat ja noch nicht einmal einen eigenen Kandidaten vorzuweisen. Wenn ich etwas ändern will, dann muss ich eine Alternative anbieten“, sagte das frühere Exekutivkomitee-Mitglied des Fußball-Weltverbandes.

Blatter selber attackierte kurz nach seiner Wiederwahl die US-Justizbehörden und die Europäische Fußball-Union um Michel Platini. Es gebe „einen Hass, der nicht nur von einer Person bei der UEFA kommt, aber von der UEFA als Organisation, die nicht verstanden hat, dass ich 1998 Präsident geworden bin“, sagte der 79 Jahre alte Schweizer in einem TV-Interview des Schweizer Sender RTS.

+++ Fußball-WM-Gastgeber Russland hat die Wiederwahl von Joseph Blatter als FIFA-Präsident begrüßt. Blatter sei ein sehr erfahrener Mensch, unter dessen Führung der Fußball-Weltverband viel erreicht habe, sagte Russlands Organisationschef der WM 2018, Alexej Sorokin, am Freitag der Agentur Tass zufolge. Moskaus Vertreter hätten stets offen erklärt, dass sie für Blatter stimmen würden.

Figo kritisiert Blatter-Wiederwahl

+++ Luis Figo hat die Wiederwahl von Joseph Blatter als FIFA-Präsident mit deutlichen Worten kritisiert. „Heute ist ein weiterer schwarzer Tag in Zürich. Die FIFA hat verloren, aber vor allem hat der Fußball verloren und jeder, der sich wirklich darum sorgt“, sagte der frühere portugiesische Fußball-Star. Figo hatte vor gut einer Woche auf seine geplante Gegenkandidatur verzichtet und stattdessen Blatter-Herausforderer Prinz Ali bin al-Hussein unterstützt.

Dass Blatter, der verantwortlich für den Punkt ist, an dem die FIFA heute steht, wiedergewählt wird, zeigt wie krank diese Organisation ist“, sagte Figo. Dass Blatter nach dem jüngsten Korruptionsskandal mit Festnahmen von sieben Fußball-Funktionären in Zürich erklärte hatte, er könne nicht alle kontrollieren, „beleidigt die Intelligenz von jedem“, erklärte Figo.

+++ Ohne den wiedergewählten FIFA-Präsidenten Joseph Blatter  zu erwähnen, hat UEFA-Chef Michel Platini den unterlegenen Herausforderer Prinz Ali al-Hussein für dessen „bewundernswerten Wahlkampf“ gelobt. „Ich bin stolz, dass die UEFA die Bewegung für einen Wechsel verteidigt und unterstützt hat. Ein Wechsel ist meiner Meinung nach entscheidend für die Organisation, um die Glaubwürdigkeit zurückzugewinnen“, teilte Platini in einer UEFA-Stellungnahme mit.

+++ Mehr Reaktionen zur Wiederwahl Blatters finden Sie in diesem Artikel.

Blatter zum fünften Mal Präsident der FIFA

+++ Der neue und alte FIFA-Präsident Joseph Blatter hat einen Rückzug als FIFA-Präsident im Jahr 2019 nach seiner fünften Amtszeit angekündigt. „Am Ende meiner Amtszeit werde ich die FIFA meinem Nachfolger übergeben, eine robuste FIFA“, sagte der Schweizer am Freitag in Zürich.

+++ Joseph Blatter  ist für eine fünfte Amtszeit als FIFA-Präsident gewählt worden. Er erhielt auf dem FIFA-Kongress in Zürich zwar im ersten Wahlgang nicht die die erforderliche Zwei-Drittel-Mehrheit,sein Herausforderer Prinz Ali bin al-Hussein verzichtete aber auf ein zweites Votum.

+++ Blatter hat im ersten Wahlgang die Wiederwahl als FIFA-Präsident verpasst. Der Schweizer erhielt nicht die erforderliche Zwei-Drittel-Mehrheit gegen seinen Herausforderer Prinz Ali bin al-Hussein. Für Blatter stimmten 133 Delegierte, für al-Hussein 73. 140 der 209 Stimmen wären nötig gewesen.

+++ Nun tritt Sepp Blatter an das Podium. Der Schweizer spricht die stürmischen Zeiten an, die die FIFA zur Zeit durchlebt. Korruption müsse bekämpft werden, genauso der Rassismus. Es brauche einen starken Anführer, dafür sei er geeignet.

+++ Zur Zeit hält der Herausforderer Prinz Ali bin al Hussein seine Rede zur Wahl des Präsidenten. Dabei will al Hussein die Verbände überzeugen, indem er für Transparenz stehe und ein familiäres Klima innerhalb der FIFA schaffen will. Außerdem werde er sich gegen Rassismus einsetzten. Al Hussein verspricht, sollte er gewählt werden, alles dafür zu tun, die FIFA wieder in das richtige Licht zu setzen und in eine bessere Zukunft zu geleiten. Al Hussein hält eine kämpferische Rede. Ein Satz bleibt besonders hängen: "Bei der FIFA handelt es nicht nur um einen Mann." Wie diese Aussage wohl Sepp Blatter findet?

+++ Jetzt wird es so langsam spannend. Denn demnächst sollten die FIFA-Herren zu dem wichtigsten Tagespunkt kommen: der Wahl des FIFA-Präsidenten. Wird Blatter tatsächlich wiedergewählt oder kommt es zu der großen Überraschung und der Schweizer muss das Amt, an das er sich so klammert, doch abgeben? Wir halten Sie auf dem Laufenden.

Niersbach in Exekutivkomitee aufgenommen

+++ DFB-Präsident Wolfgang Niersbach ist in das Exekutivkomitee des Fußball-Weltverbandes aufgenommen worden. Der Einzug Niersbachs in das umstrittene Gremium beim FIFA-Kongress in Zürich als Nachfolger von Theo Zwanziger stand durch die Wahl beim UEFA-Kongress im März quasi fest. Ob der 64-Jährige das Amt auch tatsächlich ausüben wird, war aber zunächst unklar. Angesichts des jüngsten Korruptionsskandals hatte sich der DFB-Chef dies offen gehalten, sollte FIFA-Präsident Joseph Blatter im Amt bleiben. Bei der konstituierenden Sitzung des Gremiums am Samstag in Zürich wird Niersbach aber wohl teilnehmen.

+++ Noch am Vormittag berichteten wir in unserem Ticker, dass es während einer Rede Blatters zu Protesten kam. Hintergrund war der Antrag des palästinensischen Verbands, Israel aus dem Weltverband zu suspendieren. Dabei werfen die Palästinenser den Israelis vor, die Bewegungsfreiheit von Spielern und die Entwicklung des Fußballs in Palästina zu behindern. Nun ruderte der palästinensische Fußball-Verband beim FIFA-Kongress kurz vor der Abstimmung zurück. Zahlreiche andere Verbandsvertreter hatten den Chef von Palästinas Fußball-Verband, Jibril Al Rajoub, darum gebeten. "Das heißt aber nicht, dass ich meinen Widerstand aufgeben werde."

+++ Kuriose Szenen in Zürich: Bei Tagesordnungspunkt 11.8 des 65. FIFA-Kongresses ("Handshake for peace") gaben sich die Funktionäre um FIFA-Präsident Sepp Blatter im Hallenstadion tatsächlich "Handschläge für den Frieden" - begleitet von Gelächter.

+++ Die Ermittlungen gegenüber die FIFA ziehen immer größere Kreise. Nun soll den britischen Strafverfolgungsbehörden belastendes Material gegen Offizielle des Fußball-Weltverbandes FIFA vorlegen: "Das Serious Fraud Office untersucht aktiv ihm vorliegendes Material und hat deutlich gemacht, dass es bereit ist, laufende internationale Ermittlungen zu unterstützen", sagte eine Sprecherin am Freitag in London. Im Rahmen der US-Ermittlungen war deutlich geworden, dass FIFA-Gelder über Konten bei den britischen Großbanken Barclays, HSBC und Standard Chartered geleitet worden waren.

Beckenbauer schlägt sich auf Blatters Seite

+++ Zur Abwechslung mal eine Pro-Blatter-Aussage - und die kommt vom Kaiser höchstpersönlich: "Es liegt nicht an der Person. Theo Zwanziger hat mal einen sehr guten Satz gesagt: 'Es ist nicht die Person, sondern das System'. Es ist ganz schwierig, dieses System zu ändern", sagte der Ehrenpräsident des deutschen Fußball-Rekordmeisters Bayern München Franz Beckenbauer am Freitag bei Sky Sport News HD. Beckenbauer glaubt an die Demokratie innerhalb der FIFA: "Es sind 209 Länder, 209 Nationalverbände. Das ist die FIFA - und nicht die Zentrale in Zürich. Es sind alles demokratische Vorgänge, wenn die Nationalverbände ihre Vertreter in die Kontinentalverbände wählen. Wie willst du diese 209 Länder kontrollieren, das ist fast unmöglich". Ganz ähnlich hatte Blatter sich zuvor geäußert. Beckenbauer ist der Ansicht, dass sich Verfehlungen Einzelner nicht vermeiden lassen. "Es werden da immer Ungereimtheiten auftauchen. Man müsste ein anderes System haben. Nur welches? Da bin ich überfragt."

Premier Cameron fordert Blatter zum Rücktritt auf

+++ Die Rücktrittsforderungen an Blatter reißen nicht ab. Nun fordert auch der britische Premierminister David Cameron Joseph Blatter zum Rückzug auf. "Nach meiner Meinung sollte er gehen", sagte Cameron am Freitag bei einem Treffen mit Bundeskanzlerin Angela Merkel in Berlin. 

Blatter sollte seinen Posten aufgeben, und zwar möglichst rasch, meinte Cameron, der sich um das Ansehen des Weltfußballs sorgt: "Wir erleben die hässliche Seite eines schönen Spiels." Die FIFA könne Korruptionsvorwürfe gegen Spitzenfunktionäre nicht einfach beiseite wischen.

Auch Merkel verlangte einen Neuanfang bei der FIFA: "Was für mich im Zentrum steht, ist das, dass mit der Korruption dort gebrochen wird, dass dort Transparenz einkehrt. Das ist absolut notwendig." Die Kanzlerin schloss sich Cameron an und betonte, die schmutzige Seite bei der FIFA müsse aufgeräumt werden. Das sei im Sinne von Milliarden Fans auf der ganzen Welt. 

+++ In Zürich geht es heute drunter und drüber. Nun hat sich auch der Vorstandschef des FC Bayern, Karl-Heinz-Rummenigge, zu Wort gemeldet. Dabei geht es um die Überlegungen von Wolfgang Niersbach, auf sein Mandat im FIFA Exekutivkomitee zu verzichten. Rummenigge hält von derlei Gedanken nicht sehr viel: "Boykotte im Sport haben noch nie die gewünschte Wirkung erzielt. Es ist gerade jetzt Teil der Verantwortung, seriös und konstruktiv an einem Neubeginn in der FIFA mitzuwirken." Hat Rummenigge recht?

Bombendrohung überschattet 65. Kongress

+++ Nach der Bombendrohung waren erste Zweifel aufgekommen, ob der Kongress überhaupt weitergeführt werden kann. Nun steht fest: die FIFA-Delegierten haben sich wieder im Hallenstadion eingefunden und arbeiten nach ihrer Mittagspause weiter die Agenda ab. Der Kongress geht also wie geplant weiter. Dennoch kann es sein, dass sich die Präsidentschaftswahl, die eigentlich um 17 Uhr stattfinden soll, nach hinten verschiebt.

+++ Soeben hat uns die Nachricht erreicht: beim FIFA-Kongress soll es eine Bombendrohung gegeben haben. Das hat Sprecher der Stadtpolizei von Zürich bestätigt. Unter anderem deshalb sei der Saal im Züricher Hallenstadion geräumt worden - offiziell wurde dies mit einer Mittagspause begründet. Die Drohung ging demnach zur Mittagszeit ein, als ohnehin Mittagspause bei dem Kongress war. FIFA-Generalsekretär Jérôme Valcke hatte die Delegierten zum sogenannten Lunch-Break bis 13.30 Uhr gebeten. "Eine anonyme Drohung ist eingegangen. Wir haben uns entschieden, die Räume zu evakuieren", sagte Valcke dazu. Anschließend mussten entgegen sonstiger Gewohnheiten bei einem FIFA-Kongress auch alle Medienvertreter ihren Arbeitsbereich in der Halle verlassen. Weitere Angaben wurden nicht gemacht. Stattdessen soll eine Stellungnahme bezüglich der Bombendrohung zu einem späteren Zeitpunkt folgen.

+++ Was macht eigentlich der frühere DFB-Präsident Theo Zwanziger? Der sollte auf dem diesjährigen FIFA-Kongress verabschiedet werden, sein Nachfolger im Exekutivkomitee wird der derzeitige DFB-Präsident Wolfgang Niersbach. Doch Zwanziger sagte seine Teilnahme am Kongress kurzfristig ab und lieferte auch gleich eine entsprechende Erklärung: "Ich habe bei dieser Veranstaltung nichts zu suchen. Das ist alles in den letzten Tagen zu einem großen Zirkus verkommen. Ich habe keine aktive Rolle mehr und kein Stimmrecht, und ich arbeite auch nicht an der Zukunftsgestaltung mit. Was soll ich also da? Ich sehe darin keinen Sinn. Das ist nicht meine Welt."

FIFA: Investitionsbudget für 2016 bekannt gegeben

+++ Die FIFA hat das Investitions-Budget für das Jahr 2016 bekannt gegeben. Demnach plant man, 815 Millionen US-Dollar zu investieren. 220 Millionen US-Dollar sollen dabei in die "Entwicklung" fließen, gefolgt von Ausgaben für die WM 2018 In Russland (185 Millionen US-Dollar). Auf der anderen Seite wird man voraussichtlich rund 822 Millionen US-Dollar aus dem Verkauf von Sende- und Marketingrechten einnehmen. Die Rubrik "Schmiergeld" konnten wir bisher auf dem Investitions-Budget noch nicht finden. Komisch eigentlich...

+++ Damit ist es Gewissheit. Das WM-Finale 2022 in Katar kracht mitten in die Weihnachtszeit. Die FIFA bestätigte auf dem heutigen Kongress den Termin des 18. Dezembers für das Endspiel. Na, das wird ein schöner vierter Advent!

+++ Neues Stimmenmaterial von Blatter. Dieser wittert nämlich einen Zusammenhang zwischen dem Zeitpunkt der Festnahmen im Skandal um die FIFA und dem Wahlkongress. Bei seiner Rede zur Eröffnung des zweiten Kongresstages meinte er: "Ich spreche da nicht von einem Zufall, ich stelle zumindest die Frage, ob es Zufall war." Es gebe Beweise, dass etwas Negatives passiert sei. "Das ist nicht gut. Und es ist nicht gut, dass es zwei Tage vor dem Wahlkongress passiert. Die Ereignisse vom Mittwoch haben einen langen Schatten auf den Fußball und den Kongress geworfen. Versuchen wir, den Schatten zum Verschwinden zu bringen."

+++ Wird das hier heute doch knapper für Blatter als vorerst angenommen? Angesprochen auf die bevorstehende Wahl schließt der deutsche Ligapräsident Reinhard Rauball eine Überraschung nicht aus: "Es war gestern auf der Dinner-Veranstaltung vielfach zu spüren, wenn man mit den Leuten gesprochen hat, dass bei dem einen oder anderen Land eine Umkehr in der Meinung eingetreten ist." Ob es am Ende für den Blatter-Herausforderer Ali bin al-Hussein reiche, "vermag ich nicht zu sagen, aber ich will es auch nicht ausschließen."
Zudem forderte Rauball eine Änderung des Wahlverfahrens beim Weltverband FIFA und ein gemeinsames Vorgehen der europäischen Top-Nationen gefordert: "Ich halte es für wichtig, dass innerhalb der UEFA die fünf großen Ligen England, Frankreich, Spanien, Italien und Deutschland untereinander eine Einheit bilden. Wir können nur ein Gegengewicht bilden, wenn sich diese fünf Nationen zusammenschließen." Dazu stellte Rauball das Stimmverhältnis bei Entscheidungen des Kongresses infrage. Derzeit hat jedes der 209 Mitgliedsländer gleichberechtigt eine Stimme. "Man muss nachdenken, ob man nicht ein Gremium einführen kann, das vorab entscheiden kann, dass wie in Unternehmen bei wichtigen Entscheidungen ein Aufsichtsrat entscheidet. Das muss proportional anders gemacht werden", betonte Rauball. Da hat jemand klare Vorstellungen.

+++ 209 Mitgliederverbände wählen heute ihren Präsidenten. Das ergab die Stimmenzählung im Züricher Hallenstadion. Zum Überblick gibt es hier mal die Aufteilung der Stimmen nach Kontinentalverbänden:

Afrikanische Fußball-Konföderation (CAF): 54 Stimmen

Europäische Fußball-Union (UEFA): 53 Stimmen

Asiatische Fußball-Konföderation (AFC): 46 Stimmen

Kontinentalverband von Nord- und Zentralamerika sowie der Karibik (CONCACAF): 35 Stimmen

Ozeanische Fußball-Konförderation (OFC): 11 Stimmen

Südamerikanische Fußball-Konförderation (CONMEBOL): 10 Stimmen

Protestaktion bei Blatter-Rede

+++ Kurz nach Beginn seiner Rede wird Sepp Blatter durch eine Protest-Aktion unterbrochen. Eine Frau mit Palästina-Flagge in der Hand lief in Richtung Podium, wurde aber von Sicherheitskräften gestoppt. Eine weitere Frau, die sogar eine offizielle Akkreditierung hatte, soll weitere Parolen gerufen haben. Hintergrund dabei ist: später am Freitag entscheiden die 209 FIFA-Mitglieder über einen Antrag Palästinas, den Verband aus Israel zu suspendieren. Präsident Joseph Blatter, der in seiner Rede unterbrochen wurde, erklärte: "Das ist eine Störung des Kongresses, deshalb habe ich die Sicherheit gerufen."

+++ Vor wenigen Minuten hat Sepp Blatter den zweiten Tag des 65. FIFA-Kongress eröffnet. Vor 209 Mitgliedern im Züricher Hallenstadion appelliert Blatter an den Zusammenhalt: "Heute rufe ich Sie zum Teamgeist auf, damit wir gemeinsam fortschreiten können. Wir sind zusammengekommen, um die Probleme anzupacken", sagte der Schweizer in seiner Begrüßungsansprache. Erneut lehnte der Schweizer jedoch ab, persönliche Konsequenzen aus dem Skandal zu ziehen: "Die Schuldigen, die dahinter stehen - wenn sie denn als schuldig verurteilt werden - sind Einzelpersonen. Es ist nicht die gesamte Organisation."
Nochmal zur Erinnerung: der Höhepunkt des heutigen Kongresses ist die Wahl des Präsidenten, bei der Blatter gegen Prinz Ali bin al-Hussein antritt und trotz schwindender Unterstützung weiterhin als Favorit gilt. Allerdings zeichnet sich die wohl knappste Entscheidung bei einer FIFA-Wahl ab, seitdem Blatter 1998 die Regentschaft übernahm. 

Deutsche Politiker empören sich über FIFA

+++ Nun erhöhen auch deutsche Spitzenpolitiker den Druck auf die FIFA und Sepp Blatter. In der Bild findet Bundesjustizminister Heiko Maas (SPD) deutliche Worte gegenüber dem derzeitigen FIFA-Präsidenten: "Wenn sich herausstellt, dass Stimmen gekauft worden sind, ist eine darauf basierende Entscheidung wohl kaum zu halten. Maßgeblich für die Vergabe einer WM darf doch nicht sein, wer die höchsten Schmiergelder zahlt. Ich weiß nicht, ob es überhaupt noch jemanden gibt, der Sepp Blatter für den Richtigen hält, um jetzt für Aufklärung zu sorgen." Bei den Fans herrsche nur noch Fassungslosigkeit und selbst die Sponsoren hätten erkannt, "dass Werbung bei der FIFA rufschädigend wirken kann".
Auch der SPD-Fraktionsvorsitzende Thomas Oppermann empört sich über die Vorkommnisse bei der FIFA und will den FIFA-Skandal sogar zum Thema beim G7-Gipfel machen: "Die extreme Selbstbedienung einiger FIFA-Funktionäre ist derartig schädlich für alle internationalen Bemühungen um die Bekämpfung von Korruption, dass die G7 hier ein deutliches Wort finden sollten", sagte er der Bild.

+++ Der Fußball-Weltverband FIFA rechnet offenbar mit einem sehr langen Kongress der 209 Mitgliedsverbände am Freitag in Zürich. Die traditionelle Pressekonferenz mit dem Präsidenten wurde schon vor Sitzungsbeginn am Freitag auf Samstagvormittag verschoben. Ursprünglich war man von einem Kongressende gegen 19 Uhr ausgegangen. Die Pk soll nun am Samstag um 11.30 Uhr nach der anberaumten Sondersitzung des Exekutivkomitees im Hauptquartier der FIFA in Zürich stattfinden. Damit werden die Medienvertreter unmittelbar nach der Präsidentschaftswahl keine Antworten über die FIFA-Krise bekommen. 

+++ Der im Zusammenhang mit der Korruptionsaffäre beschuldigte frühere FIFA-Vizepräsident Jack Warner hat am Donnerstag (Ortszeit) ein Gefängnis in Trinidad und Tobago in einem Krankenwagen verlassen. Der 72-Jährige habe über Erschöpfung geklagt und Fragen von Reportern vor der Haftanstalt nicht beantworten können, teilte ein Justizbeamter mit. Warner hatte sich am Mittwoch den Justizbehörden in seinem Heimatland gestellt. Gegen eine Kaution von umgerechnet rund 360.000 Euro durfte er wieder auf freien Fuß, blieb jedoch die Nacht über im Gefängnis. 

Unterstützung für Blatter bröckelt

+++ Die Unterstützung für Blatter schwindet. Die Verbände der USA, Kanadas, Australiens und Neuseeland schlugen sich auf die Seite von Blatters Herausforderer Prinz Ali bin Al Hussein. "Der US-Verband wird für Prinz Ali stimmen“, twitterte Sunil Gulati, Präsident des amerikanischen Fußballverbandes USSF, kurz vor der Wahl am Freitag. Beobachtern zufolge könnten mit diesem Schritt die Chancen der USA auf die erhoffte Ausrichtung einer weiteren WM sinken. Auch der kanadische Verband CSA wandte sich von Blatter ab. „Wir haben uns nach einem Treffen für eine Wahl von Prinz Ali entschieden, da wir die derzeitige Führung der FIFA nicht unterstützen können“, teilte CSA-Chef Victor Montagliani mit. Noch überraschender kam das Umdenken aus Australien, wo sich der langjährige Blatter-Unterstützer Frank Lowy für einen Neuanfang aussprach. „Wir glauben, dass die FIFA so schnell wie möglich einen Wechsel braucht“, wird der Verbands-Boss in einer offiziellen Mitteilung zitiert. Damit geht Australien in Opposition zu einem Großteil des asiatischen Kontinentalverbandes, der an Blatter festhält. An der erneuten Wahl des Schweizers dürfte das Umdenken allerdings nichts mehr ändern.

+++ Bei der Wahl zu seiner angestrebten fünften Amtszeit als FIFA-Präsident muss sich Joseph Blatter am Freitag in Zürich erst zum dritten Mal einem Gegenkandidaten stellen. Bei den vergangenen zwei Küren des Schweizers zum Chef des Fußball-Weltverbands gab es beim FIFA-Kongress jeweils keinen Herausforderer.

Vorbericht zum heute beginnenden FIFA-Kongress

Trotz des größten Skandals in der FIFA-Geschichte darf Joseph Blatter mit der Wiederwahl als Präsident des Fußball-Weltverbands rechnen. Beim Kongress in Zürich am Freitag wäre alles andere als die Kür des 79 Jahre alten Schweizers in der Abstimmung gegen seinen Herausforderer Prinz Ali bin al-Hussein aus Jordanien eine Sensation. Die Abstimmung über eine mögliche fünfte Amtszeit Blatters steht als 17. Punkt auf der Agenda des Treffens (9.30 Uhr) der 209 FIFA-Mitgliedsverbände und wird nicht vor 17 Uhr erwartet.

Die Europäische Fußball-Union UEFA hatte am Donnerstag kurz vor der Kongresseröffnung einen zuvor erwogenen Boykott verworfen. Die meisten der insgesamt 53 UEFA-Delegierten wollen ihre Stimme für Al-Hussein abgeben, darunter auch DFB-Präsident Wolfgang Niersbach. Da zuletzt allerdings die Vertreter Afrikas (54) sowie die asiatische Konföderation (46) ihre Unterstützung für Blatter bekräftigt hatten und auch Ozeanien (11) wohl ebenfalls zu dessen Lager gehört, dürfte der Schweizer mehr als die nötigen 105 Stimmen auf sich versammeln.

Der Weltverband war am Mittwoch von einem neuen Skandal erschüttert worden. Im Auftrag der US-Justiz hatten Schweizer Sicherheitsbehörden sieben Fußball-Funktionäre festgenommen, unter ihnen zwei Stellvertreter Blatters.

Dieser hatte bei der Eröffnung des Kongresses am Donnerstagabend einen Kampf gegen korrupte Einzelpersonen angekündigt. Die nächsten Monate würden nicht einfach für die FIFA. „Ich bin sicher, dass weitere schlechte Nachrichten folgen werden“, sagte Blatter.

Alle Entwicklungen im FIFA-Skandal vom Donnerstag im Überblick!

dpa/sid

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