Wegen dubioser Millionen-Zahlung

FIFA: Untersuchung bei französischer Verbandszentrale

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Sepp Blatter (links) und Michel Platini.

Paris -  Im Zusammenhang mit den Ermittlungen gegen den früheren FIFA-Präsidenten Joseph S. Blatter sind am Dienstag die Büros des französischen Fußball-Verbandes FFF durchsucht worden. 

Die „Party-Crasher“ der Pariser Polizei haben Joseph S. Blatter die Vorfreude auf seinen 80. Geburtstag gründlich verdorben. Als ob die Ermittler nur auf die große Feier des früheren FIFA-Präsidenten am Donnerstag in Zürich gewartet hätten, hat die Justiz zu einem Schlag gegen den Ex-Boss des Fußball-Weltverbandes ausgeholt. Nach der Razzia beim französischen Verband FFF am Dienstag muss Blatter mehr denn ja darum bangen, auch künftige Jubeltage in Freiheit zu genießen.

Die Durchsuchungen der FFF-Büros in Paris stehen im Zusammenhang mit den strafrechtlichen Ermittlungen gegen Blatter. Dies teilte die Schweizer Bundesanwaltschaft (BA) am Mittwoch mit. Die Untersuchungen beziehen sich auf die ominöse Zahlung der FIFA in Höhe von 1,8 Millionen Euro an den gesperrten UEFA-Präsident Michel Platini aus dem Jahr 2011.

„Ich bin sehr überrascht von der Durchsuchung. Schließlich ging die fragliche Zahlung nicht an den FFF oder die UEFA, sondern auf das private Konto von Michel Platini bei einer Schweizer Bank“, sagte Blatter der Nachrichtenagentur AFP: „Ich glaube nicht, dass die Behörden extra auf meinen Geburtstag gewartet haben. Ich wüsste auch nicht, wie das Ganze diesen tollen Tag ruinieren könnte.“

Laut des französischen Verbandes habe die Durchsuchung Dokumenten gegolten, bei denen es um die „Zusammenarbeit zwischen der FIFA und Michel Platini in der Zeit zwischen 1998 und 2002“ geht. Das französische Justizministerium gab zu Protokoll, dass die „beschlagnahmten Dokumente nützlich für die Ermittlungen“ sein könnten.

Die Anwälte Platinis machten deutlich, dass sie „die neue Entwicklung begrüßen“. Sobald die Schweizer Justiz ihre Untersuchungen abgeschlossen habe, werde Platini aus den „negativen Schlagzeilen“, mit denen er „zu Unrecht konfrontiert“ sei, verschwinden.

Ohnehin kann Platini trotz der Razzia vorerst aufatmen. Die BA teilte explizit mit, dass sich am Status des 60 Jahre alten Franzosen, der von den Schweizer Behörden bisher nur als Zeuge gesehen wird, nichts geändert hat.

„Die nationale Finanzstaatsanwaltschaft Frankreichs hat gestern im Rahmen des Vollzugs des Rechtshilfeersuchens vom 14. Januar 2016 und in enger Zusammenarbeit mit der Bundesanwaltschaft eine Durchsuchung der Büros des nationalen Fußballverbundes Frankreichs in Paris durchgeführt“, ließ die Bundesanwaltschaft wissen: „Es wurden Dokumente im Zusammenhang mit der mutmaßlichen Zahlung der zwei Millionen Franken beschlagnahmt, welche unter anderem Gegenstand des Verfahrens ist.“

Gegen Blatter, der Ende des vergangenen Jahres von der FIFA-Ethikkommission gemeinsam mit Platini im Zusammenhang mit der Zahlung gesperrt worden war, läuft seit September 2015 ein Verfahren wegen des „Verdachts der ungetreuen Geschäftsbesorgung und eventuell auch wegen Veruntreuung“. Die BA teilte allerdings auch mit: „Für Joseph Blatter gilt, wie für alle Beschuldigten, die Unschuldsvermutung.“

Blatter und Platini sind zurzeit für sechs Jahre gesperrt, beide haben jedoch den Internationalen Sportgerichtshof CAS angerufen. Sie wollen eine Aufhebung der Sanktion erwirken. Beide argumentieren mit einem gültigen mündlichen Vertrag - die FIFA-Richter sahen das anders.

Die Hoffnungen Blatters auf einen Freispruch sind allerdings vage. „Ich habe nichts anderes in der Hinterhand, als dass weder Michel Platini noch ich Lügner sind“, sagte Blatter im SID-Interview: „Man hat uns als Lügner dargestellt. Und das sind wir ganz sicher nicht. Wir sind Menschen, die viel geleistet haben - und wenn man viel leistet, macht man Fehler und es geschehen Irrtümer. Aber auf alle Fälle: Was Finanzen anbelangt, kann man mir nichts und konnte man mir nie etwas vorwerfen.“

Er sei „überzeugt, dass sich das in zwei Monaten alles erledigen wird“. Nach der Razzia von Paris darf daran allerdings stark gezweifelt werden.

SID

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