Rauball kritisiert Vergabe an Katar

FIFA verdreifacht WM-Kompensation für Clubs

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Die FIFA zahlt den Clubs für die WM 2022 deutlich mehr Geld.

Zürich - Die erste Winter-WM der Fußball-Geschichte ist beschlossen. Und auch das Konfliktfeld Kompensationszahlungen hat die FIFA im Handstreich gelöst. Europas Clubs bekommen eine Rekord-Kompensation.

Nur einen Tag nach dem historischen Votum für die erste Winter-WM der Fußball-Geschichte in Katar 2022 hat die FIFA ihren größten Widersacher mit einem Griff in ihre prall gefüllte Schatulle schnell beschwichtigen können. Europas Top-Clubs bekommen nicht nur für die umstrittene WM im Emirat am Golf, sondern auch schon für das nächste Turnier in gut drei Jahren in Russland die Rekordsumme von 209 Millionen Dollar - umgerechnet rund 195 Millionen Euro - für die Abstellung ihrer Profis. Diesen Coup verkündete die FIFA und die European Club Association ECA mit ihrem Vorsitzenden Karl-Heinz Rummenigge am Freitag kurz vor Abschluss der Sitzung des FIFA-Exekutivkomitees in Zürich.

„Aus Sicht der ECA ist das ein sehr erfreuliches Ergebnis. Es markiert einen weiteren Meilenstein, den der europäische Klub-Fußball gesetzt hat“, sagte Rummenigge. Für die WM 2014 in Brasilien hatte die FIFA 70 Millionen Dollar - also umgerechnet rund 65 Millionen Euro gezahlt. Zudem soll die ECA als Vertreterin der Top-Vereine mehr Mitspracherecht bei der Gestaltung des internationalen Spielkalenders erhalten - was angesichts der Unterbrechung der Saison 2022/23 von Bedeutung ist.

Platini will Länderspieltermine schützen

Mit der Mega-Kompensation ist es aber offenbar für die FIFA ohnehin nicht getan. Als erster Kontinentalverbandschef erinnerte natürlich UEFA-Boss Michel Platini - Dauerrivale von Blatter - an die Interessen der nationalen Verbände, die in gut sieben Jahren zur ungewohnten Adventszeit um den WM-Pokal kämpfen und ihre regulären Länderspiele deshalb verschieben müssen.

„Aber die FIFA muss jetzt die internationalen Termine der Nationalverbände schützen - es gibt vier Länderspieltermine, die betroffen sein können. Sie sind die Lebensader der Nationalverbände“, sagte Platini. Seine eigene Vorstellung von einem Endspiel am 23. Dezember hatte der UEFA-Chef im FIFA-Exekutivkomitee gegen den Blatter-Apparat nicht durchdrücken können. Die Niederlage verkaufte er als vermeintlich fairer Verlierer. „Der 18. Dezember ist in Ordnung für die UEFA, wir können die Änderungen für die Champions League vornehmen“, sagte Platini.

Die FIFA will nun schnell Konsultationen für die notwendige Spielplanmodifizierung angehen - mit der ECA in neuer Rolle. „Die Arbeitsgruppe für den internationalen Spielkalender wird sich in Kürze treffen, um den internationalen Spielkalender für den Turnus 2019-2022 zu finalisieren“, kündigte der Weltverband an.

Rauball übt scharfe Kritik an WM-Vergabe nach Katar

Währenddessen hat Liga-Präsident Reinhard Rauball in der Debatte um die hochumstrittene WM 2022 in Katar noch einmal massiv den Fußball-Weltverband FIFA attackiert. „Die Entscheidung für Katar ist und bleibt ein großer Fehler der FIFA mit schwerwiegenden Folgen. Daran ändern auch die nachträglich vorgenommenen einschneidenden Korrekturen nichts“, sagte Rauball am Freitag in einer Stellungnahme zur Sitzung des FIFA-Exekutivkomitees in Zürich.

Nach Meinung des Präsidenten von Borussia Dortmund sei nach wie vor zu wenig geklärt, wie die Weltmeisterschaft 2022 überhaupt an Katar vergeben werden konnte. „Da hat der Bericht der Ethik-Kommission bisher zu wenig zur Aufklärung beigetragen“, meinte der Jurist. „Das Thema der Menschenrechte und der unzumutbaren Arbeitsbedingungen auf den WM-Baustellen fällt angesichts der derzeitigen Diskussion über die Terminierung völlig unter den Tisch. Das ist inakzeptabel.“

dpa

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