Die Kamera war immer dabei

Köln zeigt, was der DFB uns vorenthalten hat

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Nationalspieler Jonas Hektor wird von Daniel Halfar nass gemacht.

Orlando - Was wir im Kinofilm "Die Mannschaft" nicht sehen konnten, zeigt der 1. FC Köln. Mit freizügigen Bildern aus dem Trainingslager beglückt der Klub seine Anhänger. Hauptdarsteller des Films ist ein Nationalspieler in Strumpfhosen.

Ein Nationalspieler in Strumpfhose rätselt über sein Single-Dasein, ein Drei-Millionen-Stürmer sorgt mit einer anstößigen Schlafmaske für Aufsehen, und ein Albaner bangt „wegen des Barts und der Herkunft“ um die Einreise in den USA: Der 1. FC Köln gewährt uns die Einblicke ins Innenleben eines Teams, auf die wir im Kinofilm "Die Mannschaft" zum WM-Titel der DFB-Elf in Brasilien vergeblich gewartet haben.

Im Trainingslager in den USA fungiert Ersatztorhüter Thomas Kessler als „Praktikant“ des klubeigenen FC-TV. „Ich muss ja auch irgendwie eine Aufgabe finden“, sagt der gebürtige Kölner mit einem Augenzwinkern. Tatsächlich hat er in den drei Jahren seit seiner Rückkehr zum FC nur auf drei Liga-Einsätze gebracht. Also hält er mit der Videokamera drauf.

Leidtragender ist der schüchterne Nationalspieler Jonas Hector, den Kessler zunächst in Thrombose-Strumpfhose zeigt. Anschließend wird der 24-Jährige ins Kreuzverhör genommen. "Weshalb findest du keine Frau? Du bist doch Nationalspieler und angehender Akademiker. Du musst doch einen Haken haben.“ Da schaltet sich Daniel Halfar ein und rät seinem Sitzpartner, sich beim Dating-Portal „Elitepartner“ anzumelden. Der Außenverteidiger geniert sich sichtlich, scheint den nicht ganz ernst gemeinten Rat zu beherzigen: „Vielleicht versuch' ich es mal so." Später kippt Halfar dem schlafenden Hector einen Eimer Wasser über den Kopf.

Bordpersonal schreitet ein

Solche Späße aus Brasilien zeigte der DFB in seiner Kino-Doku zum WM-Triumph bewusst nicht. Kessler filmt dagegen jeden, alles und überall. Im Hotelzimmer, beim Mittagessen, im Buggy zum Trainingsplatz oder bei Starbucks. Und er hält auch auf Stürmer Simon Zoller, der zunächst mit einer Schlafmaske mit der Aufschrift „Fuck off“ zu sehen ist, wofür er vom Bordpersonal Ärger bekommt.

Auch der albanische Nationalspieler Mergim Mavraj gibt tiefe Einblicke. Nach einer eingehenden Kontrolle am Flughafen erklärt er: „Das passiert mir immer. Das ist ein Running Gag. Aber das hat natürlich nichts mit meinem Bart zu tun und überhaupt nichts mit meiner Herkunft", kommentiert Mavraj süffisant.

Doch nach einigen Tagen hat aber auch Mavraj die Nase voll von „Kamerakind“ Kessler. „Mach das Ding weg“, raunzt er ihn an. Doch Kessler hält weiter drauf. Das alles ist nicht die Krone des Sportjournalismus. Doch es ist das, was Fans sehen wollen. Und worauf sie bei „Die Mannschaft“ vergeblich hofften.

SID/tg

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