"Beckmanns Sportschule"

Kritik an seiner TV-Sendung: "Reinhold Beckmann, der Geist von Malente"

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Suchen den "Geist von Malente": TV-Moderator Reinhold Beckmann und HSV-Legende Uwe Seeler.

Malente - Reinhold Beckmann muss wegen seiner neuen Fußballsendung "Beckmanns Sportschule" in der ARD harte Kritik der Medien einstecken. Von der "schlechtesten TV-Sendung aller Zeiten" ist unter anderem die Rede.

Mit der Ausstrahlung der Fußballsendung "Beckmanns Sportschule" direkt im Anschluss an die EM-Übertragung haben sich weder die ARD noch Moderator Reinhold Beckmann einen wirklichen Gefallen getan. Das TV-Format, welches am 12. Juni nach dem Spiel der deutschen Nationalmannschaft gegen die Ukraine (2:0) seine Premiere beim öffentlich-rechtlichen Sender feierte, wird im Netz inzwischen nach jeder Folge mit teils heftiger Kritik überschüttet. Wir haben die Reaktionen für Sie zusammengestellt.

Nach jeder Übertragung der Fußball-Europameisterschaft in der ARD meldet sich Moderator Reinhold Beckmann mit seiner 45-minütigen Sendung aus Malente. Die kleine Gemeinde in Schleswig-Holstein mit rund 10.000 Einwohner erlangte bundesweite Bekanntheit, da die deutsche Fußball-Nationalmannschaft in den Jahren 1970, 1974, 1978, 1986, 1990 und 1994 ihr Trainingslager für die bevorstehenden Weltmeisterschaften in der Sportschule Malente bezog. Bei der WM 1974 im eigenen Land holte Deutschland durch den "Geist von Malente" sogar den Titel. Vor dem Turnier 1990 in Italien bereitete sich das DFB-Team erneut in Malente vor und holte erneut den WM-Titel im Finale gegen Argentinien (1:0).

Seitdem sprechen Fußball-Fans vom sogenannten "Geist von Malente". Dank der besonderen Atmosphäre in der Sportschule, die einer Jugendherberge gleicht, entwickelte sich innerhalb der Mannschaft ein ganz starker Zusammenhalt, der sie zum großen Triumph trug.

Skurrile Szenen sorgen für Verwunderung

Reinhold Beckmann hat sich diese Ereignisse zum Anlass genommen, mit einigen ehemaligen Profis über jenen "Geist" zu philosophieren und in Gedanken zu schwelgen. Unter anderem begrüßte der 60-Jährige in den bisherigen Folgen Christoph Daum, Hans Meyer, Thomas Berthold, Horst Hrubesch, Jens Nowotny und Wolfgang Trepper. Außerdem dabei ist die Legende des Hamburger SV, Uwe Seeler als "Herbergsvater", sowie der ehemalige Nationaltorhüter Tim Wiese und Nico Patschinski, der inzwischen als Bestatter arbeitet.

Einige Dinge, die während der Sendung "Beckmanns Sportschule" passieren, wirken für den Zuschauer äußerst seltsam und verfehlen das eigentliche Ziel: Unterhaltung. Ein Beispiel gefällig? Die Ex-Profis Tim Wiese und Nico Patschinski fuhren während einer Folge mit einem Sarg und einem rosa Kreuz in den Wald von Malente, um den "alten Wiese" zu begraben. In dem Sarg lag ein Heringsfilet auf einem rosafarbenen Trikot, welches Wiese zu seiner Zeit bei Werder Bremen trug.

Nicht nur diese Szene sorgte bei den Fernsehzuschauer mit großer Sicherheit für verblüffte Gesichter und wirft folgende Frage auf: "Was zur Hölle soll das, liebe ARD?", schreibt etwa RP Online. Das TV-Format musste in den letzten Tagen harte Kritik einstecken. In den Medien wurden sowohl die komplette Sendung, als auch die einzelnen Protagonisten regelrecht auseinander genommen.

"Fünf Minuten 'Beckmanns Sportschule' reichen völlig"

"Fünf Minuten reichen völlig. Versprochen, mehr als fünf Minuten braucht es nicht, damit "Beckmanns Sportschule" Sie völlig verstört zurücklässt. Vergessen Sie Schweinsteigers Jokertor oder Boatengs Rettungsaktion: Der größte Was-zum-Himmel-Moment der bisherigen Europameisterschaft ist eindeutig die ARD-Show von Fernsehfußball-Veteran Reinhold Beckmann, die zur Geisterstunde den Spieltag abrundet", fasst der Stern das neue TV-Format zusammen. Schnell kommen Vergleiche zu den ebenfalls eher wenig erfolgreichen Sendungen "Waldis WM-Club" oder an den ZDF-Strand von Usedom auf. Dennoch wirke Beckmanns Sendung "so krass aus der Zeit gefallen, dass sie nicht vergleichbar ist mit irgendwelchen Vorgängern".

Das Fußballmagazin 11FREUNDE schreibt: "Die völlige Abwesenheit eines erkennbaren Konzeptes in Verbindung mit unpassenden Gästen, die durch eine seltsame Kulisse irrlichtern, hinterließ im besten Fall Ratlosigkeit, sorgte bei vielen Zuschauern sogar für kalte Wut."

Eine ähnliche Meinung vertritt auch Spiegel Online und bezeichnet die Themen und Gespräche der Sendung als "lustlos" und "gänzlich ideenfrei Zusammengestopseltes". Zudem gibt es scharfe Kritik für Moderator Reinhold Beckmann: "Der peinliche, das Laienschauspiel im läppisch-jovialen Zwinkerzwinkertonfall krönende Plauderoheim Reinhold Beckmann tapert mit seinen Gästen durch Gänge und Treppenhäuser." Und auch die Süddeutsche Zeitung findet keine positiven Worte für die Leistung des Gastgebers: "Beckmann veranstaltet in seinem Retro-Treff nun eine Art Mischung aus Big Brother und Dschungelcamp."

Was macht Uwe Seeler in Malente?

Auch an den Gästen lassen die Medien kein gutes Wort. So schreibt derStern beispielsweise: "Der ausrangierte Torwartschrank und designierte Wrestler Tim Wiese, der 'etwas andere Profi' Nico Patschinski, der heute als Bestatter arbeitet; dazu Horst Hrubesch oder Uwe Seeler, die als Relikte aus dem vorigen Jahrhundert immer mal wieder unmotiviert aus den Kulissen auftauchen, nur um kurz darauf gleich wieder zu verschwinden."

Schriftsteller Jürgen Roth ist sogar empört darüber, welche Funktion Fußballlegende Uwe Seeler in "Beckmanns Sportschule" zugewiesen wurde: "Wie kann man einen fast achtzigjährigen Mann, der meiner Vermutung nach eine unbescholtene, gute Seele ist, so einsetzen? Wie geschmack- und taktlos muss man sein, um diesen fabelhaften ehemaligen Fußballer zur Karikatur eines alten Menschen, der nichts (mehr) zu sagen hat, zu degradieren?", so Roth bei Spiegel Online.

Die folgenden Reaktionen einer illustrierten Publikumszeitschrift auf die im öffentlich-rechtlichen Fernsehen ausgestrahlten Sendung und die TV-Kritik eines Medienmagazins fassen die größtenteils vernichtende Beurteilung am besten zusammen. Während die Gala seinen Lesern die Frage "Beckmanns Sportschule - Die schlechteste TV-Sendung aller Zeiten?" stellt, titelt DWDL.de: "Was für ein Spuk: Reinhold Beckmann, der Geist von Malente."

Eines muss man der ARD aber lassen: Die Einschaltquoten der Sendung sind bei Weitem nicht so schlecht, wie das TV-Format medial bewertet wird. 3,66 Millionen (Quelle: dwdl.de) schalteten am vergangenen Samstag zum Abschluss des EM-Tages ein. Dies war allerdings wohl auch der Tatsache geschuldet, dass im Rahmen von "Beckmanns Sportschule" auch die DFB-Pokal-Auslosung stattfand.

sk

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